Gedanken
achtundzwanzig und drei Tage, plus vier
Dieses Jahr vergeht die Zeit so schnell, und es ist so viel los, dass ich am Donnerstag weder zum Bloggen noch zum Reisen gekommen bin – es hat einfach nicht reingepasst. Montag war Pele schlapp und grätig, Mittwoch war mir sterbenselend, und Freitagmorgen war dann Lara bisschen komisch (wenn auch nicht so lang wie wir anderen beiden). Ich habe diesmal also meinen Geburtstag sehr sehr low level gehalten und bin einfach den ganzen Tag auf meiner Lieblingsbaustelle rumgehangen. Mit einem kurzen Abstecher zum Kinderarzt für Peles U5. Also quasi noch unspektakulärer als sonst.
Und Lara ist ja vor nicht ganz einem Monat (man sieht, ich komme gerade wieder sehr oft nicht zum Schreiben) vier geworden, aber da gab's zwei sehr schöne Feste, nämlich den ersten von mir organisierten Kindergeburtstag und einen Erwachsenengeburtstag in Omas Garten. Jetzt sagt sie mit Stolz "ich bin schon vier!" und macht glücklicherweise große Sprünge in Richtung Selbständigkeit. Das wiederum hängt vielleicht auch in bisschen mit einem Buch zusammen, das ich neulich verschlungen habe (Links gibt's, wenn ich die entsprechenden Seiten verfasst haben werde, kann also noch dauern).
redselige Vorgänge
Haaaaach. Was ich schon Jahre nicht mehr gemacht habe: Ich sitze stundenlang vor dem Rechner und haue mir Installationäres um die Ohren. Und bin trotz Übermüdung (hab das gestern auch schon gemacht) rundum glücklich und zufrieden! Jo. Habe heute den ortsansässigen Arlt gestürmt und mir eine neue Festplatte sowie ein Wechselplattengehäuse für die alte gekauft. (Und eine optische Maus für meine Mama.) Jetzt sitze ich vor meinem frisch installierten, brandneuen, schicken Debian und kopiere die alten Daten von der jetzt externisierten Platte. Funktioniert alles tadellos. Und Loreena McKennitt passt super. Und überhaupt! Ich bin glühücklich. Jawoll.
pädagogisch versagt
Neulich fiel mir eine Ausgabe der Zeitschrift "Natürlich leben" (Tologo-Verlag) in die Hände, worin mir ein Artikel besonders gut gefallen hat: "Freie Eltern – freie Kinder". Da ist an einer Stelle von Flohdressur die Rede:
"Wenn man Flöhe trainieren – konditionieren – will, steckt man sie in ein leeres Marmeladenglas und verschließt den Deckel. Die Flöhe springen ihrer Natur gemäß nach oben und knallen mit dem Kopf an den Deckel. Sehr bald merken sie, dass es nicht weiter geht. Jetzt kann man den Deckel vom Glas nehmen – die Flöhe wissen nun, dort ist das 'Ende der Welt'. Keiner von ihnen wird auf die Idee kommen, höher zu springen. Es wird Generationen brauchen, bis ein mutiger Floh sich selbst die Erlaubnis gibt, so hoch zu springen wie sein Herz es ihm sagt. ..."
Dazu fällt mir eine Lehrerin aus meiner Grundschulzeit ein, die ich glücklicherweise nur in HuS (Heimat- und Sachunterricht) hatte: Frau G. Die war so ein Deckel, wirklich wahr. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand sie gemocht hätte (anders als zum Beispiel meine beiden Klassenlehrerinnen). Zwei Ereignisse mit ihr sind mir bis heute deutlich im Gedächtnis geblieben...
Das eine war, als ich ein selbstgebasteltes Weihnachtsgeschenk verpackt hatte und mit einem hellroten Wachsmalstift (oh ja, Details!) draufgeschrieben "für ... (weiß ich nicht mehr) zu Weinachten". Sic. Frau G. bemerkte das fehlende h, sagte (ungefähr) "He, das ist falsch geschrieben, Weihnachten schreibt man doch mit h! (du Dussel) Mit welchem Stift hattest du das geschrieben? (nimmt einen rumliegenden hellroten Buntstift und malt ein h hin) So, jetzt stimmt es. Bitte schön." Deng, mein Kopf knallt an den Deckel. Dummes Kind. Und mein liebevoll verpacktes Weihnachtsgeschenk mochte ich gar nicht mehr verschenken.
Die zweite Episode finde ich aber noch schlimmer: da war ich nur Beobachterin. Der Floh war Bilal, der nicht gut deutsch konnte und ein klassischer Außenseiter war. Wir sollten einen Baum malen, und Bilal malte einen sehr kringeligen. Frau G. sah das Bild, lachte kurz und trocken auf und machte sich drüber lustig: "Was soll denn das für ein Baum sein? Das gibt's doch nicht, so kringelige Bäume." Auf dem Nachhauseweg lief ich wie immer an einer Korkenzieherweide vorbei, die mir an diesem Tag zum ersten Mal so richtig auffiel. Sie hatte unrecht, verdammt noch mal, Bilals Bild war ganz genau so wie dieser Baum, sie hatte sich völlig zu unrecht über ihn lustig gemacht.
Mal ganz abgesehen davon, dass so ein Verhalten grundsätzlich unmöglich ist: für eine Heimat- und Sachkundelehrerin hatte sie von letzterer reichlich wenig. Aber Bilal hat natürlich nichts gesagt, weil er schlecht deutsch konnte und sich nicht getraut hat, und ich hab natürlich auch nichts gesagt, weil ich mich auch nicht getraut hab. Und so schleppe ich diese zwanzig Jahre alte Ungerechtigkeit immer noch ein bisschen mit mir herum.
Fazit: pädagogisch auf ganzer Linie versagt, Frau G. Ich hoffe, Sie sind schon viele viele Jahre pensioniert.
Schnulliiieeeeh
Lara hat am Freitag vor zwei Wochen auf dem Spielplatz einen einsamen Schnulli mit Klipskette gefunden und für sich beschlagnahmt. Das nehme ich zum Anlass, was zu schreiben, was mir schon lange auf der Leber herumspaziert.
Die Kurzfassung lautet: Ich mag Schnullis nicht. Wann immer ich ein mit solch einem Plastiknöbbel verstöpseltes Kind, egal wie alt, sehe, steigt in mir ein deutliches Gefühl der Abneigung auf. Ich fühle mich versucht, dem Kindermund den Schnulli zu entreißen, auf dass die Kommunikationsblockade zwischen uns aufgehoben sei. Denn nichts anderes ist so ein Ding: es dient doch primär dazu, den Kindermund am Plärren/Quasseln/sonstwie lautstark sein zu hindern. Und das finde ich, bei allem Verständnis für die Vorteile, nicht richtig.
An dem Punkt braucht man sich wirklich nichts vorzumachen: der Schnulli ist für die Eltern, nicht fürs Kind. Mich hat's gegruselt, wo ich in einem Ratgeberbuch (über das ich schon lange was schreiben will, ich weiß nur noch nicht wo und wie) gelesen habe, ein Baby hätte ein Nuckelbedürfnis von 16 Stunden am Tag. Wie kommen die auf sowas? Wenn überhaupt, dann hat ein Baby ein Schlafbedürfnis von 16 Stunden am Tag. Ansonsten fällt mir gerade bei Pele ganz stark auf, dass sie meine Brust nur nimmt, wenn sie einigermaßen hungrig ist. Wenn sie vor Müdigkeit brüllt, machen derlei Angebote das Geschrei nur deutlich schlimmer. Natürlich ist sie mittlerweile auch in einer Phase, wo einfach alles, alles in den Mund wandert – aber das ist doch kein Nuckelbedürfnis! Meine beiden Kinder haben zu keiner Zeit bei mir den Eindruck erweckt, sie seien unglücklich, weil sie nicht an einem Plastiknöbbel saugen dürfen. Und meine beiden Kinder sind ausgesprochene Plappermäuler. Und, ja, auch Schreihälse, wenn's drauf ankommt. Aber ist es eine gute Idee, ihnen abzugewöhnen, von ihren anfangs eben noch beschränkten Ausdrucksmöglichkeiten Gebrauch zu machen? Ich glaube nicht. Ist das gleiche Paradoxon wie mit den Windeln: Zuerst gewöhnt man ihnen was ab, und dann nach ein paar Jahren trainiert man's mühsam wieder an. Also ne.
Ach ja: Entsprechend ging mir dieser Schnulli in den letzten zwei Wochen also mächtig auf den Geist. Aber es ist wie mit allem anderen neuen Spielzeug: kurze Zeit war's spannend, jetzt hat sie ihn irgendwo liegenlassen, und nun beschäftigt sie sich halt mit was Anderem. Uff.