Dorothea Brandt und Lars Hendrickson: Zahngesund

Das Schlimmste vorweg: Es ist wirklich ein eher polemisch geschriebenes Buch. Im Ton schwingt so eine beständige unterschwellige Empörung mit, was sich nicht gut mit der sachlichen Präsentation von Fakten verträgt. Allerdings sollte man immer im Kopf behalten, dass auch Leute, die sich mit der Darstellung ihrer Erkenntnisse irgendwie verlupfen, durchaus recht haben und kluge Entdeckungen machen können. Und: Wenn ich mir die präsentierten Fakten so anschaue, kann ich diese mitschwingende Empörung sehr gut nachvollziehen.

Man könnte auch sagen: Ich bin selber stocksauer. Wie, Karies ist heilbar? Warum hat mir das noch nie ein Zahnarzt gesagt? Wie, es gibt richtig brauchbare Alternativen zu Zucker, und andere Länder (Finnland) verwenden diese und schaffen einen deutlich besseren Durchschnitt in der Zahngesundheit ihrer Bevölkerung? Grah. Alles muss man selber googeln.

Kurz und knackig, das Buch erklärt, was der Untertitel schon sagt: „Wie Sie ohne Zahnarzt gesund bleiben“. Also wie genau Karies entsteht, wie man der Ursache entgegenwirkt, dass ein gesunder Mund in der Lage ist, Löcher in den Zähnen selbst zu reparieren (!), und wie man die Heilung unterstützen kann. Ich fasse das mal in meinen eigenen Worten zusammen:

  • Erstmal: Karies ist eine Infektionskrankheit. Keine Bakterien, keine Löcher.
  • Kariesbakterien verstoffwechseln Zucker, je raffinierter (verdichteter), desto leichter geht das.
  • Ihre Ausscheideprodukte greifen die Zähne an und verursachen bei hoher Dichte Löcher.
  • Gibt man ihnen keinerlei Zucker (oder Honig, Sirup, Dicksäfte und dergleichen), verhungern die Bakterien.
  • Gibt man ihnen – und da wird’s spannend – Xylitol, ein Zuckeralkohol, sterben sie noch schneller, weil sie versuchen, das zu verarbeiten, und dabei sterben.

Okaaay, und was ist das für Zeug, das Xylitol? Wer Zahnpflegekaugummis kauft und auf die Zutatenliste schaut, hat es sicher schonmal gelesen. Es ist ein Zuckeraustauschstoff wie auch Sorbitol, Mannitol und Isomalt (wovon die hierzulande erhältlichen Zahnpflegekaugummis am meisten enthalten), kann aber im Gegensatz zu diesen vom Körper auch selbst hergestellt werden. Vor allem: die Bakterien können nicht lernen, es zu verstoffwechseln, sprich sich nicht daran gewöhnen – mit den anderen kann das passieren. Es ist außerdem in vielen Pflanzen zu mehr oder weniger großen Teilen enthalten, wird auch Birkenzucker genannt und heutzutage meist aus Mais gewonnen. Ach ja, und es sieht aus wie Zucker und schmeckt süß wie Zucker, weswegen es sich in Rezepten stressfrei 1:1 ersetzen lässt. (Im Gegensatz zu Stevia, argh.) Es hat auch einen kühlenden, schmelzenden Effekt im Mund, bisschen wie Eiskonfekt.

Nachteile: Hefebakterien tötet es genauso effektiv wie Kariesbakterien (ich hab’s ausprobiert). Und natürlich kostet es deutlich mehr als Zucker, denn man muss es irgendwo bestellen. Allerdings wohl weniger als die Zahnarztrechnung.

Aber nochmal zurück zum Buch: Ich verleihe es ständig und muss gerade alles aus dem Gedächtnis schreiben :-) aber es hat auf jeden Fall noch einige Rezepte, z.B. für Xylitolmarmelade oder Konfekt, und ein Interview mit Lars Hendrickson (seines Zeichens Zahnarzt, wenn’s stimmt) am Ende. Der Rest ist die Langfassung von Obenstehendem. Ein eher dünnes Buch: kurz durchlesen, Tonfall beiseite legen, die eigene Zahnarztgeschichte resümieren und Xylitol bestellen.

Ach ja, aber weil wir gründlich sind (ich habe gerade auch nochmal gestöbert): Vorher noch mehr lesen, die Autor*innen und ihre Bücher (da gibt’s nochmal eins) sind nämlich Gegenstand höchst kontroverser Diskussion. Hier habt ihr interessante Links, macht euch selber ein Bild:

Und jetzt schreib ich woanders noch was über Xylitol.

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