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Liberté, toujours
Die neue Gauloises Blondes Plakatwerbung: eine (hübsche) Frau balanciert, ihre Sandaletten in der Hand, lachend und sonnenbeschienen auf einem niedrigen Geländer, und ein Mann dreht sich nach ihr um. Eine schöne Sommerszene mit dem eigentlich passenden Untertitel "Liberté, toujours" – wäre da nur nicht die Zigarette in ihrer Hand.
Ganz davon abgesehen, daß ich Zigaretten nunmal abstoßend finde: ich denke (werd mal 'ne diesbezügliche Umfrage starten), daß sogar die meisten überzeugten Genuß- und Kettenraucher zugeben werden, daß Rauchen die persönliche Freiheit bestenfalls nicht tangiert, üblicherweise aber ziemlich einschränkt. Unter der Annahme, daß die persönliche Freiheit der einen da aufhört, wo die der anderen anfängt, ist im Raucheralltag nun doch eine gewisse Rücksicht auf Nichtraucher geboten, und die meisten Raucher, die ich kenne, sind auch eher rücksichtsvolle Menschen. Also werden Momente netten Beisammenseins punktuell von Raucherpausen durchbrochen, also nimmt man im Winter die Eiseskälte für die Balkonzigarette in Kauf, also erträgt man das Gelaber der Kollegin im Raucherzimmer... Und gelegentlich habe ich das Gefühl, daß die Frage, die einen Raucher wirklich in unbekannter Umgebung beschäftigt, sehr oft "wo finde ich hier einen Zigarettenautomaten?" ist. Ist das Freiheit? Hum.
Natürlich werden die überzeugten bzw. vor allem die militanten Raucher jetzt sagen "sollen sich die Nichtraucher nicht so anstellen, dann haben die Raucher ihre Freiheit, punkt!". Aber auch ohne die Ethik hinter dieser Haltung anzuzweifeln, stellt sich mir immer noch die Frage, was Rauchen für eine Freiheit gibt oder bedeutet oder sonstwie darstellt. Braucht man eine Zigarette zum Barfußlaufen? Ich nicht. Zum Balancieren im Sonnenschein? Ich nicht. Damit sich die Männer umdrehen? Na ich weiß nicht. Um das Leben zu genießen? ICH NICHT – aber da fällt mir gerade was ein: ich erinnere mich vage, schon mindestens zweimal von irgendwem eine Aussage à la "ohne Alkohol und Kippen wüßt ich gar nicht was ich machen sollte" gehört zu haben. Ernsthaft!!! Hallo? Freiheit?
Gedächtnis
Neulich attestierten mir zwei Kolleginnen ein geradezu abartig gutes Gedächtnis. Was ich lustig fand und eigentlich anders sehe, und daraus entspann sich dann eine ganz interessante Diskussion über Gedächtnis im allgemeinen und mein eigenes Merkvermögen im besonderen. Fakt ist: ich kann tatsächlich fast wie auf Knopfdruck haufenweise detaillierte Angaben zu Dingen ausspucken, die mich überhaupt nicht interessieren und mit denen ich nur eben zufällig den ganzen Tag im Zusammenhang mit meinem beruflichen Umfeld zu tun habe. Will sagen, ich arbeite hier an einem Produkt, das mich inhaltlich in keiner Hinsicht tangiert (ich bin hier so über Umwege gelandet und hängengeblieben), weiß dazu aber trotzdem eine Unmenge an Details so aus dem Kopf. Oder Telefonnummern: irgendwannmal werde ich sie zählen, aber ich schätze meinen internen Bestand auf – hum jetzt mal nicht zu großkotzig werden – na vierzig Stück brächte ich sicher zusammen. (Muß das wirklich mal nachzählen.)
Was mir aber so in der Diskussion klarwurde: ich bin ziemlich sicher, daß ich mir nicht mehr merke als andere Leute auch. Ich kann mich aber besser erinnern, oder man könnte auch sagen, mein Zugriff auf die gespeicherten Informationen ist besser. Ich würde sogar behaupten, daß das der einzige Knackpunkt bei einem "guten Gedächtnis" ist: daß man für sich die optimale Methode entwickelt, das Gemerkte im Bedarfsfall abzurufen. Was mich daran erinnert, was ich neulich über PhotoReading gelesen habe: die Idee beim PhotoReading ist, ein Buch oder eine sonstige beträchtliche Menge Text erstmal ins Unterbewußtsein zu schaufeln, indem man einfach entspannt und unfixiert jede Seite kurz anschaut, ohne sie zu lesen, und dann anschließend das Gesehene durch diverse Übungen, MindMaps etc. ins Bewußtsein zu holen. Soll mit etwas Übung gut funktionieren. Ich denke, das wäre sicher was für mich. Vielleicht beschäftige ich mich fürs Studium mal damit – spart sicher eine Menge Zeit, und bei Sachbüchern ist der Lesespaß öfter mal eh nicht sooo groß.