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Diskussion
Diskussionen finde ich tendenziell schwierig und neige ein wenig dazu, sie zu vermeiden. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bin ich eher harmoniesüchtig und lege Wert auf grundlegendes Einvernehmen zwischen mir und dem Rest der Welt. Daher ist eine Diskussion immer eine feine Sache, wenn ich mich mit meinem Gegenüber auch dann gut verstehe, wenn wir sehr verschiedener Meinung sind, und das Ganze auf einem interessierten, respektvollen Niveau bleibt. Sehr viel schwieriger ist es für mich bei Leuten, die ich nicht oder wenig kenne (wenn ich sie kenne und weiß, daß eine Diskussion kein schöner Zeitvertreib wäre, dann vermeide ich es tunlichst, eine anzufangen), was zum Beispiel in Foren, deren Sinn zum Großteil aus Diskutieren besteht, ja der Fall ist. Hier ist es wieder einfacher, wenn nur persönliches Empfinden oder eigene Erfahrung gefragt sind. Aber manchmal möchte man – ich auch – über etwas diskutieren, dessen Wahrheitsgehalt sich "objektiv" prüfen läßt. Zumindest theoretisch.
Hier kommt dann meine relative Ader ins Spiel. Ein Teil von mir sieht alles grundsätzlich nicht nur global, sondern gleich kosmosweit, und dabei ist mir vor allem anderen bewußt, wie viel ich nicht weiß. Das nimmt mir in den allermeisten Fällen den Wunsch, heftig oder mit jeglichem Absolutheitsanspruch über anderer Leute Ansichten herzufallen. ABER, und ein Aber gibt's nunmal immer, ich weiß auch sehr genau, daß ich ein Mensch bin und als solcher schlicht nicht in der Lage, alles im Unklaren zu lassen. Ich muß mich entscheiden. Ständig. Und ich habe eine Menge Gefühle, die bisweilen recht unkontrolliert einfach da sind. Auch das gehört zum Kosmos. Also muß ich Dinge wichtig finden, muß ich herausfinden, ob eine Sache nach zwar prinzipiell nichtigen, aber notwendigen Kriterien "richtig" oder "falsch" ist. Und wie tue ich das? Am liebsten und leichtesten glaubt man natürlich sich selbst und den eigenen Erfahrungen, d.h. ausprobieren. Leider sind da die eigenen Grenzen schnell erreicht. Und dann? Dann muß ich jemanden finden, der's ausprobiert und darüber ein Buch oder einen Artikel geschrieben hat und dem ich vertrauen kann.
Tja, und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich habe mittlerweile eine nicht unbeträchtliche Anzahl Themen gefunden, die heiß und sehr kontrovers diskutiert werden, und wo ich mindestens zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten sehe. Wie entscheide ich, wer (für mich) recht hat? Das ist schwierig. Ich kann mich irren (sehr wahrscheinlich tue ich das regelmäßig). Aber ohne Entscheidungen kann ich nicht leben. Also muß ich nicht nur geeignete Zahlen, Fakten und Statistiken finden, sondern auch noch wissen, wie diese entstanden sind und wer, sprich welche Interessensgruppe, diese aufgestellt hat. Und dann muß ich ganz nach Gefühl gehen und halt vertrauen. Oder auch nicht.
Wie heißt es so schön? "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast..."
(Übrigens werde ich mir trotz einer nachdenklich stimmenden Amazon-Kundenkritik ein Buch zum Thema Statistik holen – in der Hoffnung, daß es nicht mehr verunsichern als weiterhelfen wird. Das Ergebnis, also meine ganz persönliche, subjektive und kosmosweit betrachtet absolut krümelkleine Meinung dazu, findet sich dann bei den gelesenen Büchern.)
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