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Equinoctis

Mabon

23.09.2006
Dublin, Irland.

Es ist schon spät, die Sonne schläft und mein Mausebärchen auch. Wir sind den zweiten Tag in Dublin. Ich bin sehr nachdenklich. Um mich herum spüre ich eine Schlüsselsituation (komisches Wort, aber ich bin ziemlich müde): heute, hier, wird etwas geprägt, nimmt etwas Formen an, was Bedeutung hat für mich. Ich fühle eine sehr alte Einsamkeit, von der ich lange Zeit nicht wusste, ob das vielleicht nur die Pubertät ist, ob ich "krank" bin, oder ob das einfach zum Menschsein dazugehört. Mittlerweile glaube ich, das Problem wurzelt stark in meinen persönlichen Eigenarten und entsteht durch fehlende Gegebenheiten.

Ist schon so: ich bin sehr eigen in meinen Ansichten, sehr radikal (könnte man auch kompromisslos nennen), und ich lege hohen Wert auf das, was ich persönlich für richtig halte. Ich kann nicht verstehen, wieso die Frage nach der passenden Bluse je wichtiger sein kann als die Frage, wie sich der zivilisierte Teil der Menschheit wieder in Ein- und Gleichklang mit dem Rest des Planeten bringen lässt. Das verstehe ich einfach nicht. Eine solche Prioritätenverteilung ist mir total fremd. (Was sie übrigens nicht schlecht macht, nur eben fremd.)

Und jetzt? Vor einer ganzen Weile hatte ich mich schonmal hypothetisch mit dem Thema befasst. Trotzdem Freundinnen? Kann ich im Moment nicht beantworten. Schon gar nicht, solange noch niemand "Freundinnen" definiert hat. Aber irgendwas passiert gerade.

Ansonsten: deutlich weniger Shopping als letztes Jahr, weil kein Schlussverkauf, und wenn dann mehr Kleinkram. Mir lief heute eine Stifthülse in Filzblumenform (Foto gibt's irgendwann) zu, von der ich die Variante in neonpink sofort käuflich erstand mit dem Gedanken, meine mal mehr, mal weniger deutlich zum Vorschein kommenden exzentrischen Neigungen in Zukunft besser zu kultivieren, auf dass es ordentliche Schrullen werden. Wäre ich ein älterer Herr vom Professortyp, hätte ich den Ruf eines Sonderlings schon längst weg. Aber ich bin eine junge Frau mit Kleinkind, und wir werden mal sehen, wie das unter diesen erschwerten Umständen laufen wird.

Künftig werde ich also grundsätzlich mit meiner Neonblume schreibbereit und aufmerksam im Hörsaal sitzen, andächtig lauschen und gelegentlich, bei den besonders ergreifenden Stellen, genussvoll an der Blüte schnuppern. Vielleicht melde ich mich auch ab und zu mit einem völlig aus dem Kontext gerissenen Kommentar zum Thema von letzter Woche zu Wort. Mal schaun. ;-)

Jetzt bin ich wirklich müde, und ich will mich noch kurz mit meinen frisch gekauften Goddess Knowledge Cards befassen. Es ist Mabon, ich denke an die Erddrachin und ihre Crew, und an noch jemanden. Seufz.

Zwischenmenschliches | Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          24. September 2006

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