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Religion
Ich möchte keiner Religion angehören, in deren Zentrum eine Lehre steht, die Mitglieder rekrutiert, die einen Chef hat, der mehr oder weniger verbindlich sagt wo's langgeht, die Sex nicht gutheißt, oder in der Frauen keinen angemessenen Platz haben. Selbstverständlich auch nicht einer, in der irgendwer keinen angemessenen Platz hat – also auch Männer, Kinder, alte Leute, Behinderte, Homosexuelle, Fremde, Andersaussehende, Andersdenkende, Andersgläubige. Und auch Tiere, vom Säugetier bis zum Wirbellosen, und im weiteren Sinne dann auch Pflanzen, Bazillen und Mikroben aller Arten, sowie auch Sterne und Planeten in ihrer Ganzheit. Ich möchte hier nicht diesen "angemessenen Platz" definieren müssen... wer mich verstehen will, versteht mich schon.
Das heißt nun aber nicht, daß es mich in irgendeiner Weise stört, wenn jemand überzeugter Christ, Jude, Moslem oder Atheist ist. Mich verbindet sicher viel mehr (bzw. Entscheidenderes) mit einer Christin, die sich bewußt für ihren Glauben entschieden hat, weil das Christentum ihrem Wesen entspricht, ihr Weltbild abrundet und ihr Zuversicht gibt, als mit einer Fluffy-Bunny-Wicca, die alles und jedem "Licht und Liebe und ein zauberhaftes Imbolc" wünscht. (Nichts gegen gute Wünsche, versteht sich.)] Denn obwohl die Christin ein anderes Weltbild hat, haben wir doch den Glauben als Gefühl, als Sicherheit gemeinsam. Wie man das nennt und lebt, ist nur eine Facette der Oberfläche, und davon muß es mehrere geben. Viele.
Ganz grundsätzlich ist es mir schnuppe, wie jemand seine persönliche Religionsform nennt. Entscheidend ist letzten Endes, was dabei rauskommt, sprich wie die daraus resultierenden Handlungen des Menschen sind. Und das kommt viel mehr auf den Menschen an als auf die Religion – deswegen sage ich, daß es egal ist.
Ökologie
Meine liebste faule Ausrede: etwas überhaupt nicht zu machen, nur weil es nicht menschenmöglich ist, es perfekt zu machen.
Ich sage: jedes Lebewesen auf der Erde hat ein Recht auf klare Luft, sauberes Wasser und natürliche Nahrung. Der Mensch ist der einzige Problemfaktor hierbei! Ich möchte darum als Mensch meinen ganz persönlichen, winzigkleinen Beitrag zu einer Verbesserung und einer neuen Denkweise leisten.
Deshalb
- kaufe ich Produkte, bei deren Herstellung diese Rechte geachtet werden;
- verwende ich keine Wegwerfprodukte mehr (z.Zt. Taschentücher, Binden und Tampons);
- drucke ich nichts aus, was ich nicht unbedingt auf Papier brauche, und dann auf Schmierpapier oder beidseitig;
- bilde ich Fahrgemeinschaften mit meinen Kollegen;
- fahre ich spritsparend und umweltbewußt;
- setze ich erneuerbare Energie ein - d.h. meine eigene (z.B. laufen statt fahren);
- habe ich möglichst nichts, was ich wirklich nicht brauche.
(Das alles nach Möglichkeit, neh.)
NATÜRLICH fahre ich trotzdem mit dem Auto zur Arbeit, auch wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln schon hin- und auch wieder zurückkommen könnte. Der Zeitaufwand steht aber in keinem Verhältnis, und mehr Zeit unterwegs bedeutet nunmal weniger Zeit für mein Baby. Irgendwo muß man einen Strich ziehen, und den zieht jede für sich persönlich. Was mich nervt, sind Leute, die sich überhaupt nicht bemühen mit dem Argument "Dann müßte man ja gleich Einsiedler werden" – zu sagen, "wenn ich's nicht tu, tut's ein anderer" bringt uns nicht weiter!
Ernährung
Ein Thema, bei dem ich tatsächlich ein bißchen auf die Barrikaden gehen kann. Normalerweise diskutiere ich eher verhalten, weil ein großer Teil von mir immer die Relativität und Subjektivität aller Ansichten im Auge hat. Ich bemühe mich daher, aus den Ansichten anderer zu lernen und gut ist. Allerdings kann man im Rahmen menschlichen Zusammenlebens doch einige Dinge mit einer gewissen Sicherheit für "richtig" oder "falsch" erachten, und beim Thema Ernährung wird soviel Blödsinn erzählt und werden völlig veraltete Ansichten künstlich aufrechterhalten, daß es mich wütend macht.
Ich sage: Du bist, was du ißt, im wahrsten Sinne des Wortes. Dein ganzer Körper, jede Zelle, jede Faser deines biologischen Wesens stammt aus deiner Nahrung. Wer wird mir da widersprechen? Deine tägliche Nahrung ist die Grundlage deines ganzen Lebens, deines Lebendigseins. Diese simple Tatsache sollte eigentlich der täglichen Nahrungsaufnahme größte Bedeutung zukommen lassen, ich würde sogar fast soweit gehen, sie unter einer losen Begriffsdefinition als "heilig" einzustufen. Denn alle Aktion bleibt nutzlos, wenn die Grundlage nicht stimmt (das bewahrheitet sich auf jedem Gebiet menschlichen Lebens täglich aufs Neue), und die Grundlage menschlichen Lebens ist nunmal die Nahrung.
So betrachtet versetzt es mich immer wieder in frustriertes Erstaunen, daß dem Thema Ernährung in unserer Gesellschaft so wenig Beachtung geschenkt wird. Sicher, oberflächlich schon: "ich esse viel Salat und Gemüse, wegen den Vitaminen", "ich achte darauf, daß ich regelmäßig Milchprodukte zu mir nehme, wegen dem Eiweiß", "ich geh bloß ganz selten zu McDonald's". Aber wer weiß denn schon wirklich Bescheid? Wer liest nicht nur Artikel in Frauenzeitschriften? Wer hinterfragt all die Ratschläge und wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Schwester einer Bekannten so von sich gibt? Niemand. Und warum? Weil es viel bequemer ist, nur das zu glauben, was einem gefällt und in den eigenen Kram paßt. Sonst müßte man ja – also ganz konsequenterweise – vielleicht etwas ändern!
Der Mensch ist ein schreckliches Gewohnheitstier. Sag mal zu jemandem, "hey, deine Eßgewohnheiten werden dich in absehbarer Zeit sehr krank machen", und du wirst in den meisten Fällen auf eine sehr skeptisch-ablehnende Haltung treffen, ohne daß du irgendwas Genaueres dazu gesagt hast. Du wirst nicht so etwas hören wie, "Meinst du? Erklär mir das mal genau, damit ich selber abschätzen kann, ob das, was du sagst, Bedeutung für mich hat." Wenn sich nach eingehender eigener Prüfung das Ganze als unhaltbare Behauptung herausstellt, dann ist ja alles in bester Ordnung – wozu sich Sorgen machen? Wenn es sich aber als wahr herausstellen sollte, dann müßte die so angesprochene Person eigentlich dankbar für den Hinweis sein, weil sie nunmehr in der Lage ist, ihre Angewohnheiten zu ändern und so ihre Gesundheit zu bewahren. Will das nicht jeder? Gesund sein? Aber oh, hab ich da was von "Gewohnheiten ändern" gehört? Nein, das lieber nicht, sowieso ist mein Cholesterinspiegel erblich bedingt, da kann man nichts machen, sagt mein Hausarzt. Ich esse ja schon keine Eier mehr. Willst du mir etwa erzählen, daß du es besser weißt als die gesamte Ärzteschaft?