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Gedichte und Träume

Oft rede ich in meinem Kopf mit jemandem, weil ich ein anstehendes Gespräch vorab etwas bearbeiten will – wenn ich dann zum Beispiel merke, dass ich immer wieder zu einer bestimmten Formulierung oder Thema oder dergleichen zurückkehre, dann gehe ich ein bisschen in mich, um zu sehen, was mich da eigentlich zwickt. Die inneren Dialoge sind also in der Regel eher Monologe, auf jeden Fall von der Wertigkeit her. Auf diese Weise komme ich aber oft zu Erkenntnissen, die mich sehr viel weiter bringen.

Vorhin also, bei einem dieser Monologe, fiel mir etwas ganz Altes ein beziehungsweise auf: die Sache mit den Gedichten. Ich hatte mal eine Zeit, wo ich recht viel geschrieben habe, Gedichte, aber auch Geschichten, oder sonstige Texte unbestimmter Klassifikation. Das war so in meinen letzten drei Schuljahren, mit siebzehn, achtzehn. Na neunzehn auch noch.

Und dann ist es ja so, dass zu einem ordentlichen Deutschunterrichtsprogramm auch Gedichtinterpretationen gehören. Für die allermeisten SchülerInnen, die ich kenne, eine äußerst zähe und ungeliebte Angelegenheit. Für mich auch, wenn es sich um barockes Geschwurbel à la Gryphius handelt. Aber in einem schönen Gedicht, das mein Innerstes zum Klingen bringt, kann ich mich geradezu auflösen. Dann ist Interpretation aber auch kein verkopftes Gelaber über Reimformen und Stilmittel, sondern ein inneres Verstehen eines, hm... "Gefühl" ist hier ein bisschen zu wenig. Eines Gefühlskomplexes vielleicht? Einer inneren Realität. Ein felt sense, den zu benennen Erkenntnis bringt (schon wieder Focusing).

Was mir schon damals auffiel: ich habe üblicherweise meine eigenen Gedichte (und anderen Texte) interpretiert – oft gleich nachdem ich sie fertig geschrieben hatte. Ich schrieb ein Gedicht, bastelte noch ein bisschen, ließ es anschließend ein bisschen sickern und sacken, und dann wurde mir ganz leicht, ganz einfach klar, warum ich das so geschrieben hatte. Was da ausgedrückt werden wollte. Ich habe mich oft gefragt, ob andere Leute auch so dichten oder gedichtet haben – um sich selbst zu verstehen, hinterher.

Heute ist mir da eine Parallele aufgefallen: nämlich zur Traumdeutung. Manche Leute träumen ja was und können beim Interpretieren des Traumes erkennen, was ihr Unterbewusstsein ihnen da mitteilen wollte. Meine Träume geben diesbezüglich überhaupt nichts her, ich mach aber genau das Gleiche über Gedichte. Im Unterbewusstsein zwickt was, ich finde Inspiration zu einem Gedicht, d.h. ich übersetze Unbewusstes in Bilder und Symbole. Nur eben in Form von Buchstaben statt Traumbildern. Und zu diesen Buchstabenbildern wiederum hat mein Bewusstsein Zugang.

Allerdings, wie ich heute auch festgestellt habe, kann es in manchen Fällen Jahre dauern, bis ich in der Lage bin, die von mir unbewusst verwendeten Bilder zu verstehen. Das ist dann wie wenn man ein langgesuchtes Puzzleteil endlich findet. Yaaaaaay!

Körper, Geist & Seele          Kommentare (0)          21. April 2009

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