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Geh nicht zu Fremden
Gestern vormittag hatte ich Elterndienst bei den Wi-Wa-Wuschels, die zur Zeit auf der Suche nach der xten Behelfsunterkunft bei der Bodelschwinghschule sehr freundliche Aufnahme gefunden haben. Mir war die Schule gar kein Begriff und ich war sehr angetan von der schönen Atmosphäre dort. Es gibt einen kleinen, feinen Spielplatz im Hof und viel Platz für die lustigen Dreiräder für Große, die in einer Ecke stehen, die Räume, sogar die Flure sind freundlich und voller Bilder, Basteleien, Skulpturen und Spielsachen. Wirklich sehr schön dort.
Jedenfalls waren wir vor dem Mittagessen noch draußen im Hof, und auf meinem Weg Richtung Küche (zum Warmmachen) streckte mir ein etwa, hmmm, siebenjähriges (?) Mädchen, eine der Schülerinnen dort, ihre rechte Hand entgegen. Ihre geistige Behinderung... oder sollte ich sagen Nicht-Normalität... oder ihr Anderssein... argh, da gibt es ja genauso wenig respektvolle, unbehaftete Wörter für wie für weibliche Geschlechtsmerkmale! :-( Wie dem auch sei, es war nicht sehr offensichtlich, aber doch. Ich nahm einfach ihre Hand, schüttelte sie und sagte "hallo!", woraufhin sie meine beiden Hände ergriff als ob sie mit mir tanzen wollte. Dann kam aber eine Frau und führte sie freundlich, aber bestimmt weg. Ich sagte, "tschüs, ich muss jetzt kochen gehen", und ich glaubte im Weggehen die Frau sowas sagen zu hören wie, "ich hab dir doch schon oft gesagt, dass du nicht zu fremden Leuten gehen sollst".
Die Begegnung war ein echtes Schlüsselerlebnis für mich und hat mir viel zu denken gegeben (hatte ich ja dann auch Zeit beim Kochen). Zum einen hat mich meine eigene Unbefangenheit dem Kind gegenüber eher überrascht. Ich habe mich keinen Moment unsicher gefühlt, sondern ganz offen und bin sicher, ich wäre mit ihr nicht anders umgegangen als mit allen anderen Kindern auch. Das ist natürlich ein von mir angestrebtes Ideal, aber nur weil ich so oder so sein will, heißt das noch lange nicht, dass ich das auch schaffe. Mein Kontakt mit Behinderten ist quasi gleich null, und egal wie offen ich sein will, was ich nicht kenne, ist üblicherweise doch schwierig zu handhaben für mich. Das war ein sehr positives Erlebnis. Zugewandt war das Zauberwort dieser Begegnung.
Was mir aber noch eine ganze Weile quer im Magen lag, war der Satz der Frau. "Du sollst nicht zu Fremden gehen." Wie soll sie dann ein Mensch unter Menschen sein, wenn sie andere Leute in Ruhe lassen soll? Das war mein erster Gedanke. Dass sie andere nicht "belästigen" soll. Normale. Und das hat schwer an mir genagt. Das zieht eine unüberwindbare Mauer zwischen Sorten von Menschen. Und täglich rennen welche dagegen.
Ja, das hat mich beschäftigt und ich haderte mit der Frau, innerlich... und dann kam mir ein ganz anderer Gedanke: was, wenn es ihr gar nicht um die anderen Leute geht? Was wenn – was wenn es ihr um das Mädchen geht? Was wenn – sie nun ein Kind ist, das wirklich auf absolut jeden zugehen würde? Jedem vertrauen würde?
Mir wurde verdammt schlecht bei dem Gedanken, und ein bisschen hält das immer noch. Wie die Aktion Mensch so treffend formulierte: In was für einer Welt wollen wir leben?
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