Archiv
Aussehen
In meinem Freundinnenkreis kamen früher gelegentlich Diskussionen zum Thema Aussehen auf, und ich erinnere mich, dass die meisten sagten, es sei ihnen egal, wie jemand aussieht. Das ist natürlich Quatsch, strenggenommen. Gemeint war, dass es nicht wichtig ist, ob jemand Markenklamotten trägt oder nach Punk aussieht, aber ich wage zu behaupten, dass es nur für sehr wenige Leute gleich ist, wie jemand aussieht. Der Mensch ist nunmal ein Augentier, ein ganz extremes sogar, und wenn man sich mal mit Wahrnehmungspsychologie beschäftigt (hab mein Skepsisbuch fertiggelesen!), wird das überdeutlich. Ich glaube, ich habe auch irgendwannmal gesagt, Aussehen sei mir egal, aber das ist glatt gelogen. Ich achte sehr wohl darauf, wie andere Leute aussehen, und es ist mir ganz und gar nicht egal, wie ich aussehe – auch wenn ich vielleicht so aussehe, hehe.
Was ich dann aber im gleichen Atemzug dazusagen möchte: das heißt noch lange nicht, dass Leute meiner Ansicht nach bestimmte Sachen anziehen können/sollen/dürfen oder nicht. Es heißt nur, dass ich es bemerke – naja, Klamotten nichtmal unbedingt... aber ich achte zum Beispiel auf anderer Leute Hände, auf ihre Gesichtsfalten und auf ihren Geruch (soweit möglich). Genauso heißt es auch nicht, dass ich Wert darauf lege, selber schick auszusehen oder elegant oder sowas, oder auch alternativ oder abgerissen oder dergleichen. Das ist mir alles spooky boogie. Worauf ich sehr wohl Wert lege, ist, dass ich so aussehe wie ich bin. Das kann, muss aber nicht, Attribute beinhalten wie ungebügelt, bisschen chaotisch, unkonventionell, meinetwegen auch schlampig, auf jeden Fall ungeschminkt, und mit Sicherheit nicht zurechtgemacht. Ich muss mich nicht "zurechtmachen", weil ich nämlich schon recht so bin, wie ich bin. Das ist meine feste Überzeugung. Ich bürste auch meine Haare nicht, damit sie in Form kommen (bei meiner momentanen Haarlänge wär das eh völlig vergebliche Liebesmüh), sondern lediglich zur Kopfhautpflege. Danach stehen sie halt in die andere Richtung ab – egal. Und ich trage beschlossenermaßen nur noch Kleidung, in der ich mich wohl fühle. Ich habe noch nie erlebt, dass mir unbequeme Kleidung, gleich wie sie aussah, irgendwas gebracht hätte außer einem mehr oder weniger starken Dreh nach unten an meiner Stimmungsschraube. Also wozu?
Und hey, ich sage auch nicht, dass es schlimm ist, wenn man sich an Konventionen hält (ob bei der Kleidung oder in anderer Hinsicht). Bisweilen ist es nötig, für manche mehr, für andere weniger. Jeder ihrs. Nur für mich persönlich sehe ich keinen Anlaß (üblicherweise), und Spaß macht es auch nicht, also freue ich mich meiner Freiheit und lasse es. Daß ich so nicht Abteilungsleiterin werde, ist mir schon klar. Und, wie ich finde, ein netter Nebeneffekt. :-D