Archiv
achtundzwanzig und drei Tage, plus vier
Dieses Jahr vergeht die Zeit so schnell, und es ist so viel los, dass ich am Donnerstag weder zum Bloggen noch zum Reisen gekommen bin – es hat einfach nicht reingepasst. Montag war Pele schlapp und grätig, Mittwoch war mir sterbenselend, und Freitagmorgen war dann Lara bisschen komisch (wenn auch nicht so lang wie wir anderen beiden). Ich habe diesmal also meinen Geburtstag sehr sehr low level gehalten und bin einfach den ganzen Tag auf meiner Lieblingsbaustelle rumgehangen. Mit einem kurzen Abstecher zum Kinderarzt für Peles U5. Also quasi noch unspektakulärer als sonst.
Und Lara ist ja vor nicht ganz einem Monat (man sieht, ich komme gerade wieder sehr oft nicht zum Schreiben) vier geworden, aber da gab's zwei sehr schöne Feste, nämlich den ersten von mir organisierten Kindergeburtstag und einen Erwachsenengeburtstag in Omas Garten. Jetzt sagt sie mit Stolz "ich bin schon vier!" und macht glücklicherweise große Sprünge in Richtung Selbständigkeit. Das wiederum hängt vielleicht auch in bisschen mit einem Buch zusammen, das ich neulich verschlungen habe.
Badetag
Baby baden, ach ja. Bei Lara lief das irgendwannmal irgendwie schief, so dass sie mit einem halben Jahr schon beim Anblick von Wasser und Badewanne nach Leibeskräften schrie. Ich hab mich dann etwa ein Jahr lang jedes Mal mit ihr in die Badewanne gesetzt und sie dabei gestillt (!), sonst wäre sie wohl gar nie gebadet worden. So mit anderthalb Jahren etwa gab sich das von selbst und sie fand es dann lustig, aber bis dahin... argh.
Jedenfalls, Pele fand Baden bis jetzt auch nicht so prickelnd, und da sie noch nicht sitzen kann, ist es schwierig bis unmöglich für mich, sie alleine zu baden. Sie wird daher auch eher nur am Wochenende gebadet, wenn es sich in den Tagesablauf einbauen lässt. Also, es ist ein ziemlicher Hickhack jedesmal.
Heute, nach einer intensiven Baustellenwoche, war's aber wieder dringend nötig, also wurde die mit korrekt temperiertem Wasser gefüllte Babybadewanne durch die halbe Wohnung ins Zimmer geschleppt (weil bei uns im Bad einfach zuwenig Platz ist) und das Mäuschen zärtlich ausgezogen und psychisch vorbereitet. Lara protestiert "Aber ich will auch baden, und ich will zuerst baden!!" Gnaaaaa... Ach, was bin ich froh, dass ich das Buch mit dem langen Namen gelesen habe. Dem habe ich nämlich entnommen, dass Kinder die Lösung für ein Problem dann am besten akzeptieren, wenn es ihre eigene ist (meiner Erfahrung nach eins zu eins auf Erwachsene übertragbar!). Und es versetzt mich immer wieder in Staunen, wie kreativ sie dabei sind! So macht das richtig Spaß, wenn's irgendwo klemmt.
Ich legte also das Problem dar und fragte Lara nach einer Lösung. Da sagt sie dann immer erstmal, schmollend, "Hab keine Lösung", aber eine halbe Minute später kommt sie dann doch mit einer. Ihr Vorschlag diesmal war, zusammen mit Pele in die Badewanne zu sitzen. Das wär mir alleine nie eingefallen und ich war da ziemlich skeptisch, denn Lara ist allein schon fast zu groß für die Wanne und ob Pele ihr Rumgeplatsche gefallen würde, wagte ich stark zu bezweifeln. Andererseits, probieren geht über studieren. Und Lara sagte von sich aus, "Ja, wir probieren es aus, und wenn's nicht geht, dann könnt ihr Pele alleine baden." Also gut, also gut. Und siehe da: Pele saß nach sehr kurzem Protest auf Laras Schoß in der Wanne, ließ sich knuddelig festhalten und lutschte zufrieden am Thermometer. Lara gefiel ihre Rolle als Babyhalterin auch überaus gut, und im Wasser schaffte sie es auch problemlos, Pele zehn Minuten zu halten (sonst wird sie ihr recht schnell zu schwer). So konnte ich in aller Ruhe Pele gründlich waschen (oooohhhh war das nötig!), ohne Geschrei und dafür mit viel Quatsch. Einziger Nachteil: hinterher war natürlich das halbe Zimmer nass. Aber das trocknet ja wieder...
Mama hat's kaputtgemacht!
Bettzeit vorhin. Lara war noch in der Küche, Pele schon knatschig, also begab ich mich mit ihr schonmal ins Bett und schob dabei einen in meinen Augen ungeordneten Haufen Decken zur Seite. Wenig später kommt Lara hochgeklettert, sieht den Deckenhaufen und bricht in Tränen aus. "Oje, Lara, was ist?" – (schluchzend) "Du hast meinen Rosinu-Stall kaputtgemacht!" – Mist. Jetzt war das wichtig. Ah, aber wie war das nochmal in meinem neuen Lieblingsbuch? Nimm es an, fühl mit, lass die Tränen zu (egal wie unwichtig ein Haufen Decken in den eigenen Augen sein mögen). Und, ganz wichtig: "Resist the temptation to 'make better' instantly."
Also gut, habe ich so gemacht. Noch genauer nach dem zerstörten Stall gefragt. (Intermezzo: Ich hoffe, es will jetzt niemand von mir wissen, was ein Rosinu ist. Wir sind immer irgendwas, gefährliche Säbelzahntiger oder Chrissi-Pippi Langstrumpf-Leoparde, ich erinnere mich, mal die – ähm, grübel – "Mama-Quatsch-Hauswildkatze mit Puschelohren" (oder so ähnlich) gewesen zu sein. Klar ist eigentlich nur immer die Rollenverteilung: ich bin die Mama-Dingens, Lara ist das Kind- oder Schwester-Dingens, und Pele ist das Baby-Dingens.) Mich schuldig bekannt und um Verzeihung gebeten, die Wichtigkeit des Stalles anerkannt, und ich habe nichts vorgeschlagen, was jetzt getan werden könnte, à la "bau doch einen neuen" oder so. Und nach kürzester Zeit wischte sie sich die Tränen ab und sagte ganz ruhig, "Naja, muss ich mir halt einen neuen bauen. Mal schauen ob ich das alleine hinkrieg. Sonst musst du mir halt helfen." – "Das mach ich dann gerne, Mäuschen." Die nächsten zwanzig Minuten verbrachte sie dann quietschvergnügt damit, die Decken gefühlte zweiundfünfzigmal zu immer neueren, tolleren Ställen und Nestern und wasweißichwasallem umzubauen, und irgendwann war Ruhe und Frieden und Schlafzeit. Jetzt liegt sie wie üblich halbnackt quer überm Bett, und alle Decken sind wild in der Gegend verstreut. Und ich bin leicht erstaunt und rundum zufrieden.
Und ich sag's nochmal: ich LIEBE dieses Buch.
Zimtlatschen und Ammoniumsulfatsalz
Ich bin ziemlich fix und fertig. Heute war der zweite Tag meines acht Tage dauernden Biochemiepraktikums. Geht theoretisch 10 bis 16 Uhr mit etwa einer Stunde Mittagspause, de facto war ich aber diese letzten beiden Tage erst kurz nach fünf daheim, und heute war auch nicht sooo viel Pause drin. Das schwüle Wetter, die Notwendigkeit, irgendwann irgendwo irgendwie etwas Milch abzupumpen, und meine ziemliche Planlosigkeit in Bezug auf Biochemie (hab natürlich die Vorlesung nicht besucht, genauso wenig wie alles andere dieses Semester) tun noch ein Übriges für meinen Stresslevel. Uff!
Wenigstens die Kids sind fröhlich – vor allem bei Pele konnte man das ja nicht so im Voraus wissen, Lara ist es schon lange gewohnt, dass sich öfter mal jemand anders als ich um sie kümmert. Das klappt also gut, auch wenn Pele so gegen halb fünf dann immer genug zu haben scheint und die letzte halbe Stunde, bis ich komme, ziemlich knatschig ist. Ich habe noch die Hoffnung, dass die nächsten Tage etwas schneller rumgehen (mehr Routine auf allen Seiten).
Und Stress hin, Stress her: Es ist wirklich ein interessantes Praktikum und ich nutze, obwohl es mich viel Zeit kostet, die Gelegenheit, eine Menge zu lernen, vor allem in Form von Protokollführen (ich bin ein sehr schriftlicher Mensch). So stehe ich also müde, aber interessiert, den ganzen Tag in einem schön geräumigen Labor, kriege Schwielen vom Pipettieren, freue mich über meine sehr angenehme Arbeitsgruppe, und vermisse nicht einmal die Baustelle so sehr, wie ich im Vorfeld dachte. (Trotzdem muss ich da am Samstag gleich nach dem Aufstehen hin.)
Ach ja, und die Zimtlatschen: Die bekam ich netter- und unerwarteterweise gestern geschenkt, und da ich es immer noch nicht geschafft habe, mir endlich ein Paar Sandalen zuzulegen, sparten sie mir heute die leidigen Barfuß-im-Labor-Kommentare. Sie riechen superlecker und sind auch gut zu tragen; sonst finde ich so Flipflops ja bisschen wie Gummis – praktisch und nützlich und alles, aber ohne ist es nun doch viiieeeeeeeeel schöner.
Addendum
Nach meinem dritten Praktikumstag möchte ich meine Aussage von gestern modifizieren: meine Arbeitsgruppe ist nicht einfach sehr angenehm. Nein, vielmehr besteht der Rest meiner Arbeitsgruppe einfach aus den zwei coolsten Leuten im ganzen ersten Bachelor-Jahrgang. Der eine steckt sich zwei Pipettierspitzen an die Zähne und macht mitten zwischen Extinktionsmessungen und Exceldiagrammen einen auf Nosferatu, dass man zuerst einen ordentlichen Schreck und dann riesige Lust bekommt, sofort einen Laborgruselfilm zu drehen; die andere schiebt in der Mittagspause nach längerem Hin und Her ihre Bedenken bezüglich ihrer Rocklänge bzw. -kürze beiseite und lässt sich genüsslich einen Abhang voller Heu gleich neben der Uni-Bushaltestelle runterrollen. YAY! You people rock!
Außerdem war ich heute tatsächlich schon um kurz vor vier daheim, habe ein leckeres Eis gegessen und bin daher guter Dinge. Jetzt schaff ich noch was und dann ist endlich mal früh Bettzeit. Und morgen Wochenende.
Ach ja: das Praktikum nimmt mich offensichtlich wirklich sehr in Anspruch. Ist mir doch heute erst aufgefallen, was für einen schnuckeligen Betreuer wir gestern hatten! Nun ja. Zudem mal wieder ein Raucher, seufz.