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Mein erstes Mal...

... beim Osteopathen war letzten Freitag, nach anderthalb Monaten Wartezeit (was aber für einen Ersttermin bei einem Osteopathen nicht sehr lang sein soll, habe ich mir sagen lassen). Es war im wahrsten Sinne des Wortes kurz und knackig.

Ich hatte mir mit 16 im Schulsport eine eher fiese Wirbelsäulenverletzung zugezogen, so im Bereich zwischen den Schulterblättern bis zum Halsansatz, die mit zwei Wochen Halskrause und heftigen Schmerzmitteln (meine erste ordentliche Drogenerfahrung!) behandelt wurde. Danach war gut, aber so im Laufe der Jahre hatte ich zwar selten, aber doch immer wieder mal so heftige Schmerzen in dem Bereich, dass ich den Kopf kaum drehen konnte und nicht wusste, wie ich hinliegen sollte. Das lag sich jedesmal nach drei Tagen aus, sozusagen, aber beim letzten Mal im März fand ich, eigentlich müsste das nicht sein, und holte mir besagten Termin.

– Übrigens kam am zweiten Abend meines Leidens zufällig ein guter Freund von uns vorbei, der mich dann befeldenkraiste. Das war mal klasse!! Hat mir einige Missverhältnisse an meinem Körper deutlich gemacht und mir viel zu denken sowie einen weiteren Grund für den Termin gegeben: da kam nämlich ein Rückenschmerz (Kreuzbein) wieder heraus, der mir in der Schwangerschaft sehr zu schaffen gemacht hatte und den ich auch nie wirklich losgeworden bin. Außerdem ging's mir danach deutlich besser, und vor allem anders. –

Nachdem ich also kurz diese Unfallvorgeschichte erzählt hatte, tastete der Osteopath geduldig alle meine Wirbel ab und stellte dabei fest, dass im Kreuzbeinbereich ein Wirbel und zwischen Schultern und Hals alle Wirbel schlicht festgeklemmt waren. Da hat er mich auf den Rücken gedreht, mich ein paarmal zusammengefaltet und dann irgendwo, irgendwie (fragt mich nicht, das ging alles zu schnell) kräftig draufgedrückt – kraaacks! – und von der anderen Seite nochmal – kraaacks! – und dann den Hals, nach links – kraaacks! – und nach rechts – KRAAACKS! – und dann lag ich ganz platt da und mein Kopf vibrierte noch mit den Geräuschen nach...

Dann bin ich wieder aufgestanden und hab mich sowas von sauwohl gefühlt, das kann ich gar nicht in Worte fassen! Plötzlich hatte ich eine Wirbelsäule! Und die war perfekt, beweglich, elastisch, ... es war soooo schön. Und ziemlich ungewohnt, da ich plötzlich den Eindruck hatte, meine linke Seite sei wesentlich länger als die rechte. Oje, was hab ich mich da vielleicht schon zehn Jahre lang krummgebogen?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass so ein Besuch beim Osteopathen mich als nicht zusatzversicherte Otto-Normal-Kassenpatientin zwar Geld kostet, aber es auch definitiv wert ist. Mir geht's SO gut. :-)

Körper, Geist & Seele          Kommentare (0)          6. Juni 2006

kurzer Rundumschlag

Jungejunge, zur Zeit kann man mich ja geradezu als schreibwütig bezeichnen! Was mich an sich nicht weiter erstaunt – ich bin schreibwütig, ich liebe Schreiben –, aber es ist mir ein Rätsel, wo ich die Zeit hernehme.

Jedenfalls wollte ich noch ein paar Dinge ganz kunterbunt erwähnt haben: in England habe ich einen coolen Spruch gehört, von einem respektablen Familienvater in den Mittvierzigern, als Antwort auf das Genörgele seines Sohnes, nämlich DILLIGAF. Kurz für "Do I look like I give a f...?" :-D Die Babyspinnen waren schon am nächsten Tag nach meinem Eintrag allesamt weg, vielleicht war's zu windig. Vielleicht waren sie auch schon flügge, sozusagen. Ab und zu sehen wir noch irgendwo eine einzelne rumkrabbeln. Meiner Backe geht es wieder gut, die Fäden sind draußen, und die nächste ist erst im Juli oder August dran; vorher weiß ich einfach keine Woche, in der ich potentiell komplett ausfallen könnte.

Und schließlich war ich über Pfingsten auf der Eyneburg in Belgien (in der Nähe von Aachen), nicht zuletzt weil ich mal Lanzenstechen und Schwertkampf hautnah erleben wollte (war grandios, vor allem die Feldschlachten Veytaler gegen Wikinger :-D). In erster Linie aber dann doch, weil so viele wunderbare Leute aus dem Hexenzirkel-Forum da waren, die ich alle wiedersehen bzw. kennenlernen wollte. Und das war sehr schön, trotz Fahrerei.

Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          7. Juni 2006

Wasser auf meinen Mühlen

Nur ganz kurz, weil ich da gerade so drübergestolpert bin: Pepa bloggt übers Rauchen. Aaaaaaah was hab ich mit dem Kopf genickt und gegrinst.

Ich war ja jahrelang ziemlich militant in meinem Nichtrauchertum, für meine eher schüchterne, konfliktscheue Persönlichkeit sogar sehr. Das hat sich aber so im Laufe des letzten Jahres gewandelt (die Schüchternheit schon etwas früher), seit ich an mir selbst gemerkt habe, wie schwer es auch für mich ist, von einer Alltagssucht loszukommen. In meinem Fall ging es um Süßkram – habt ihr schonmal versucht, einfach keinen Süßkram mehr zu essen? Ich finde das sehr sehr schwierig, und ich glaube, mit Zigaretten ist es ähnlich. Beide Sachen sind so gut wie überall leicht bis sehr leicht erhältlich, manchmal werden sie dir geradezu aufgedrängt. Die meisten Leute um dich rum konsumieren munter vor sich hin, und die körpereigenen Gewohnheiten sorgen nur zu oft dafür, dass du plötzlich ungewollt den Mund voll hast. Da meine Fähigkeit zur Selbstdisziplin wirklich signifikant zu wünschen übriglässt (ich arbeite dran), fasse ich mir erstmal an die eigene Nase, bevor ich über Raucher schimpfe, und habe wesentlich mehr Verständnis als früher. (Hey, ich flirte mit einem Raucher! ;->)

Aber: mein gesteigertes Verständnis ändert überhaupt gar nichts daran, dass ich Kippen hasse. Mit Leidenschaft. Ich kriege Kopfweh von dem Dunst, manchmal schon nach zwei Atemzügen, je nach Kraut, und mein körperliches Wohlbefinden sinkt beträchtlich bis hin zum tatsächlichen Schlechtwerden. Der Rauch quält meine Nase und nach einer Weile meine Augen. Und Flirten hin oder her, ich würde noch immer nie mit auch nur einer Gelegenheitsraucherin zusammenziehen, und ich hänge de facto minimalst mit RaucherInnen rum. So ist das, und so bleibt das sicher noch eine ganze Weile. Ich HASSE Zigaretten.

– Ach ja, und ganz abgesehen davon gibt es noch eine ganze Menge anderer Rauchopfer als gesundheitliche, die zu gerne vergessen werden, und das finde ich sowas von überhaupt nicht in Ordnung.

Körper, Geist & Seele | Wir alle?          Kommentare (0)          9. Juni 2006

Locomotive Breath

Ich mag es, wenn Dinge zusammenfallen – im Tarotforum gibt es dafür das schon geflügelte Wort 'synchronicity'. Letztens war das mal wieder der Fall: am Wochenende, um genau zu sein am Sonntag abend, begegnete mir eine querflötespielende Stabkönigin. Kurz darauf habe ich mich in einem Gespräch mit ihrem Liebsten erinnert, dass ich mir vor einigen Jahren mal zwei Tage lang die Mühe gemacht habe, das Querflötensolo von Jethro Tulls 'Locomotive Breath' rauszuhören. Unter Zuhilfenahme einiger Kannen Tee sowie aller Tricks, die mir damals zur Verfügung standen, sprich Wave-Datei aufs Solo zurechtschneiden, Bässe raus, Höhen etwas rein, und dann das ganze auf 70 % verlangsamen... %-)

Es tat brutal in den Ohren weh, aber ich hab's ziemlich gut hinbekommen. Wir haben's dann aber doch nicht gecovert (hehehe!) und so verschwand das Ding irgendwo in meinem persönlichen Datennirvana. Aber: besagter synchronicity schreibe ich es zu, dass ich am Mittwoch just in dem Moment die CD im Auto wechselte, als im Radio gerade die ersten Klänge von Locomotive Breath anliefen. (Das ist insofern bemerkenswert, da ich so gut wie nie Radio einschalte.) Und da dachte ich, gräbst das alte Ding doch mal aus, bisschen entstauben, dann kannst es posten und vielleicht freut sich jemand (die Stabkönigin zum Beispiel).

Das Entstauben sah dann so aus, dass ich kein PDF machen konnte mit dem komischen Notenprogramm für dreifuffzich, in dem ich das damals eingegeben hatte; Er hatte dann wie üblich die beste Lösung parat und legte mir GNU LilyPond ans Herz, und ich muss sagen: nach kurzer Eingewöhnungszeit bin ich total begeistert von diesem Programm! So sehr, dass ich plane, noch ein paar andere Sachen, die ich irgendwannmal so gemacht habe, demnächst in Noten zu übertragen. Aber jetzt übt erstmal schön das Querflötensolo von Locomotive Breath (Version vom Album M.U. Best of) – übrigens ein weiterer exzellenter Grund, das Rauchen aufzugeben! ;->

Tag für Tag für Tag          Kommentare (1)          10. Juni 2006

Oddballs

Da war doch noch was, was ich seit England schon schreiben wollte, fiel mir auf der Hochzeit auf. Ich habe vor geraumer Zeit schonmal was zum Thema Aussehen geschrieben, und die, die mich kennen, dürften wissen, dass ich mit Outfit, Make-Up, Klamotten und Spiegeln ziemlich hadere. Der Punkt ist: es ist mir einfach egal, ob der Pulli nun ein kleines Loch hat, und ich habe meistens schlicht keine Lust, mir Gedanken über Frisur, Schuhe (Auswahl: zwei Paar), erste Eindrücke und Wirkung nach außen zu machen. Es interessiert mich nicht, fertig aus.

Entsprechend hat das zur Folge, dass ich wenig Übung habe mit Outfits, und selbst wenn ich zwei Stunden im Bad verbringe und mich wirklich bemühe, ist das Ergebnis zumeist doch irgendwie, naja... nicht umwerfend. Dessen bin ich mir voll bewusst, und es ist ein weiterer Grund, wieso ich es als Zeitverschwendung betrachte, mich "schön zu machen". Aber: für die Hochzeit hab ich das gemacht. Trotzdem. Zwei Stunden im Bad. Kleid. Interessante Frisur, die allerdings unter Zeitdruck und mangels Übung bisschen wurschtelig wurde. Keine Schuhe, weil meine zwei Paar beide nicht gepasst haben (und an den Sandalen ist der Klettverschluss kaputt, der nervt). Na, macht euch ein Bild. :-)

Ich ging also auf die Feier mit dem gewissen oddball-Faktor, der mir nunmal anzuhaften scheint, aber – man konnte sehen, dass ich mich bemüht hatte. Und das war, wie mir im Lauf des Abends klar wurde, ganz entscheidend: es ist vollkommen verzeihlich, wenn jemand keinen Sinn für Outfit hat und trotz deutlicher Bemühungen als wandelnder Stilbruch daherkommt. Es ist etwas ganz Anderes, wenn es jemand von vornherein gar nicht erst versucht und in Straßenkleidung daherkommt. Ersteres ist bedauerlich, letzteres ist rücksichtslos bis unverschämt. (Tendenziell.) Das finde ich einen ganz interessanten neuen Blickwinkel... mal schauen, was ich auf der nächsten Familienfeier anziehe ;-)

Körper, Geist & Seele | Wir alle?          Kommentare (0)          14. Juni 2006

Geburts-Tag

Gestern vor zwei Jahren wurde Lara geboren. Zeit für einen kurzen Rückblick (gestern hatte ich keine). Weiß ich noch wie's war? Ja, schon. Ich weiß auch noch, dass es durchaus mit richtig heftigen Schmerzen verbunden war. Aber ich erinnere mich, dass ich noch nach vier Monaten keinerlei Lust verspürte, mir das nochmal anzutun... und einige, die's wissen müssen, haben mir gesagt "ach das gibt sich". Und sie haben recht behalten :-) Ich weiß noch, es hat weh getan, aber ich weiß auch, dass ich's gut ausgehalten habe, dass es mich gestärkt hat, und dass das Ergebnis so ziemlich alles locker rechtfertigt.

Jo, zwei Jahre mit Kind. Zwei Jahre Windeln, zwei Jahre maßgefertigte Milchbar, zwei Jahre Mini-T-Shirts, Bodies, Söckchen und Spielzeug überall. Ich habe Entwicklungsschritte beobachtet, mir viel Gedanken über meine Rolle als Mutter gemacht, neu zu meinem Frausein gefunden. Mich über Märchen geärgert und über andere gesellschaftliche Schwachsinnigkeiten auch, und nach Kräften versucht, manche Dinge anders zu machen. Oft hat mich Lara überrascht, und es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht köstlich amüsiere, schon allein weil sie es tut. Wie mein Papa heute hübsch sagte: "Ja bei dem Kind, da braucht man auch keinen Fernseher!"

Zwei Jahre, die ratzfatz vorbei waren. Und doch so lang, dass sich die Zeit vorher – inklusive Schwangerschaft – nur noch ganz vage im Hintergrund meines Gedächtnisses aufhält. Was hab ich vorher den ganzen Tag getrieben? Mit Sicherheit mehr von den Dingen, für die ich jetzt einen Babysitter suchen muss %-) aber solange sich alle noch freuen, wenn sie gefragt werden, ist das schon in Ordnung. Ach ja: es waren auch zwei Jahre voller "habt ihr aber ein liebes, aufgewecktes, fröhliches Kind". Das ist definitiv so (auch wenn sie, wie alle Menschen, so ihre Macken hat), und es ist immer wieder schön, das bestätigt zu bekommen. Und mich hat noch niemand schräg von der Seite angemacht, weil sie mittlerweile auch lieber barfuß läuft. Das ist schön. :-)

Kinder | Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          17. Juni 2006

Kaugummigrrr

Mal abgesehen davon, dass ich Kaugummis erstens unästhetisch und zweitens überflüssig finde: wirklich, wirklich Panne sind ja Leute, die diese Dinger nach Gebrauch einfach irgendwo in die Landschaft schmeißen. So dass sie dann unbemerkt bleiben, womöglich noch von einer sowieso unschuldigen Nichtkaugummikauerin wie mir, und sich jemand draufsetzt, weil ansonsten lauschiges grünes Plätzchen.

Ich hab das dumme Ding auch erst gesehen, als ich zuhause den Rock ausgezogen habe. Versteckt unter einem der vielen Rockzipfel klebte da dieser fette Bollen mit Erde, Gras und was nicht noch allem dran. Grrr! Das ist mein Lieblingsrock!! :-( Sowas finde ich schlicht und einfach gedankenlos, schei*e und unentschuldbar, weil superunnötig, und deswegen erkläre ich hiermit Jemanden zum Oberarsch des Monats. Möge dieser Person etwas widerfahren, was sie schwer zum Nachdenken anregt (zum Beispiel ein fieser Kaugummibollen am Lieblingskleidungsstück).

Und wie kriegt man sowas nun wieder ab? In der sehr guten Broschüre "Der Fleck muss weg" (PDF) vom Abfallwirtschaftsbetrieb Esslingen steht, man müsse das Kleidungsstück einfach nur eine Stunde ins Gefrierfach legen und könne den Kaugummi dann mühelos entfernen. Ja Käsekuchen. Ich hab den Rock ein paar Tage im Gefrierfach gelassen, und als ich wieder dran dachte, war der Kaugummi noch ganz genauso weich-zäh-klebrig wie vorher. Grrrrrrrr!! Vermutlich sind da mittlerweile extra Weichmacher oder sowas drin. Also, das Gröbste mühevoll abgepopelt, nochmal ins Gefrierfach. Heute morgen rausgeholt, geflucht, an einer unauffälligen Stelle ausprobiert, ob der Rock Waschbenzin verträgt, und die Kaugummireste damit dann glücklicherweise ziemlich leicht abbekommen. Humpf. Trotzdem Idiot.

Tag für Tag für Tag          Kommentare (1)          19. Juni 2006

Sexist? Wer, ich?

Heute kam mir auf der Anarchy Watch Homepage ein wirklich exzellenter Artikel unter den Cursor: Going To Places That Scare Me – Personal Reflections On Challenging Male Supremacy, geschrieben von Chris Crass. Ich möchte euch allen die Lektüre wärmstens ans Herz legen, auch wenn der Artikel lang, englisch und potentiell weltbilderschütternd ist.

Persönlich spreche ich Chris Crass meinen großen Respekt und tiefempfundene Freude aus – dafür, dass er sich als "ganz normaler Mensch"[1] so tief mit seiner eigenen ganz normalen Privilegiertheit auseinandersetzt, dass er darüber schreibt, und dass er seine persönliche Umgebung direkt miteinbezieht, obwohl das unendlich schwierig ist. Soweit bin ich noch nicht! Hut ab. Und es freut mich einfach zu lesen, dass es "ganz normale" Männer gibt, die tatsächlich verstehen wollen, was Sexismus so im Alltag eigentlich bedeutet. DANKE.

[1] Aus dem Artikel: "I was a part of social categories – white, male, hetero, middle class. These are all groups that have history and are shaped by history. Part of being in those groups means being deemed normal, the standard which all others are judged."

Wir alle?          Kommentare (0)          26. Juni 2006

bedingungslos

"Ich liebe dich, aber nur wenn du mich auch liebst" – das funktioniert nicht. Liebe ist (wenn's Liebe ist) bedingungslos. Entweder ich liebe jemanden oder eben nicht, aber ich kann das nicht an eine Bedingung knüpfen. Es ist durchaus nicht egal, was die- oder derjenige macht, sprich meine Gefühle können sich natürlich im Laufe der Zeit verändern. Ich kann das aber nicht bestimmen, also kann ich es auch nicht abhängig von Bedingungen machen.

Handlungen kann man dagegen schon "nur wenn" machen. Ein paar von diesen Nurwenns sind selbstverständlich (hoffentlich!), zum Beispiel "nur wenn meine Grundrechte als Mensch jederzeit geachtet werden". Schwieriger wird es unter Umständen bei "nur wenn ich gerade Lust habe" – je nachdem worum's geht. Oder auch "nur wenn ich was dafür bekomme". Genau da wird's schnell kleinlich.

Worauf ich raus will: ich plädiere für ein bisschen mehr Bedingungslosigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen, vor allem den engen. Ich meine: einfach mal geben, großzügig, und nicht nur das, was man gerade viel zu viel hat, sondern das, was der geliebte Mensch grad brauchen kann. Und dann nicht aufrechnen, wann für was wieviel zurückgekommen ist. Das funktioniert sowieso nicht. Sondern hinfühlen: stimmt das Gleichgewicht? Fehlt mir was? Fehlt der anderen was? Wo ist ein energetisches Loch? Ist es Zeit, das zur Sprache zu bringen?

Mein Kopf spielt Loreena McKennitt und mein Herz weint lange Tränen.

Zwischenmenschliches          Kommentare (0)          27. Juni 2006

Geh nicht zu Fremden

Gestern vormittag hatte ich Elterndienst bei den Wi-Wa-Wuschels, die zur Zeit auf der Suche nach der xten Behelfsunterkunft bei der Bodelschwinghschule sehr freundliche Aufnahme gefunden haben. Mir war die Schule gar kein Begriff und ich war sehr angetan von der schönen Atmosphäre dort. Es gibt einen kleinen, feinen Spielplatz im Hof und viel Platz für die lustigen Dreiräder für Große, die in einer Ecke stehen, die Räume, sogar die Flure sind freundlich und voller Bilder, Basteleien, Skulpturen und Spielsachen. Wirklich sehr schön dort.

Jedenfalls waren wir vor dem Mittagessen noch draußen im Hof, und auf meinem Weg Richtung Küche (zum Warmmachen) streckte mir ein etwa, hmmm, siebenjähriges (?) Mädchen, eine der Schülerinnen dort, ihre rechte Hand entgegen. Ihre geistige Behinderung... oder sollte ich sagen Nicht-Normalität... oder ihr Anderssein... argh, da gibt es ja genauso wenig respektvolle, unbehaftete Wörter für wie für weibliche Geschlechtsmerkmale! :-( Wie dem auch sei, es war nicht sehr offensichtlich, aber doch. Ich nahm einfach ihre Hand, schüttelte sie und sagte "hallo!", woraufhin sie meine beiden Hände ergriff als ob sie mit mir tanzen wollte. Dann kam aber eine Frau und führte sie freundlich, aber bestimmt weg. Ich sagte, "tschüs, ich muss jetzt kochen gehen", und ich glaubte im Weggehen die Frau sowas sagen zu hören wie, "ich hab dir doch schon oft gesagt, dass du nicht zu fremden Leuten gehen sollst".

Die Begegnung war ein echtes Schlüsselerlebnis für mich und hat mir viel zu denken gegeben (hatte ich ja dann auch Zeit beim Kochen). Zum einen hat mich meine eigene Unbefangenheit dem Kind gegenüber eher überrascht. Ich habe mich keinen Moment unsicher gefühlt, sondern ganz offen und bin sicher, ich wäre mit ihr nicht anders umgegangen als mit allen anderen Kindern auch. Das ist natürlich ein von mir angestrebtes Ideal, aber nur weil ich so oder so sein will, heißt das noch lange nicht, dass ich das auch schaffe. Mein Kontakt mit Behinderten ist quasi gleich null, und egal wie offen ich sein will, was ich nicht kenne, ist üblicherweise doch schwierig zu handhaben für mich. Das war ein sehr positives Erlebnis. Zugewandt war das Zauberwort dieser Begegnung.

Was mir aber noch eine ganze Weile quer im Magen lag, war der Satz der Frau. "Du sollst nicht zu Fremden gehen." Wie soll sie dann ein Mensch unter Menschen sein, wenn sie andere Leute in Ruhe lassen soll? Das war mein erster Gedanke. Dass sie andere nicht "belästigen" soll. Normale. Und das hat schwer an mir genagt. Das zieht eine unüberwindbare Mauer zwischen Sorten von Menschen. Und täglich rennen welche dagegen.

Ja, das hat mich beschäftigt und ich haderte mit der Frau, innerlich... und dann kam mir ein ganz anderer Gedanke: was, wenn es ihr gar nicht um die anderen Leute geht? Was wenn – was wenn es ihr um das Mädchen geht? Was wenn – sie nun ein Kind ist, das wirklich auf absolut jeden zugehen würde? Jedem vertrauen würde?

Mir wurde verdammt schlecht bei dem Gedanken, und ein bisschen hält das immer noch. Wie die Aktion Mensch so treffend formulierte: In was für einer Welt wollen wir leben?

Zwischenmenschliches | Körper, Geist & Seele | Wir alle?          Kommentare (0)          29. Juni 2006

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