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Kinder hüten vs. mit Kindern leben
Kurze Einleitung: Was ist morgendlicher Tran? Wenn man auf die Herdknöpfe vom Herd gucken UND nachdenken muss, um den richtigen zu erwischen, vergisst, die Schuhe fürs Kind einzupacken, und dann dorthin fährt, wo die Wuschels noch bis vor mehreren Wochen ihre vorläufige Unterkunft hatten. Argh...
Ich hatte also heute nach längerer Zeit mal wieder Wuscheldienst – Kiddies hüten, wie ich das nenne – und wie jedesmal gegen Mittag fiel mir auch heute wieder auf, dass ich froh bin, wenn es vorbei ist. (Missversteht mich nicht: ich mag die Kleinen alle, auch die, die's echt drauf anlegen.) Das hat mich dann doch etwas nachdenklich gemacht, denn schließlich wünsche ich mir eine Lebensgemeinschaft mit Kindern. Aber nach längerem Grübeln bin ich doch auf deutliche Unterschiede gestoßen zwischen "einen Vormittag lang auf mehrere ziemlich gleichaltrige Kids aufpassen" und "permanent ein Haus mit mehreren Kindern teilen, die Teil einer Gemeinschaft sind". Da steckt eigentlich auch schon alles drin: eine Spiel-Aufpass-Kindergruppe wie die Wi-Wa-Wuschels, so dankbar ich für diese Einrichtung bin, hat einfach Ausnahmezustandscharakter. Man geht hin, hat irgendeine Form von Programm für ein paar Stunden, das hauptsächlich gleichaltrige Kinder beinhaltet und zwei Erwachsene, damit keine Katastrophen passieren, und geht dann wieder nach Hause, zurück zum Normalzustand. Entsprechend verhalten sich die Kids dort auch nicht "normal" – manche sind sehr aufgedreht, andere brauchen ewig, um sich in dem Gewusel einzufinden, und ein oder zwei lassen einfach mal intensiv ihre anstrengenden Seiten raus.
Mir ist bewusst, dass ich hier natürlich nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann, aber ich glaube, wenn eine Mehrzahl von Kindern der alltägliche Normalzustand im Haus ist, dann ist die Situation in vieler Hinsicht ganz anders. Zum einen ist es eine permanente, langfristige Gemeinschaft, im Idealfall von Kindern und Erwachsenen vieler Alters- und anderer Stufen. Das heißt, die Platzfindung muss nicht jeden Morgen aufs Neue stattfinden und ist dann mittags schon wieder überflüssig, und es machen nicht über die Hälfte der Mitglieder gerade dieselben Lebensphasen durch. Die Beziehungen zwischen den einzelnen, die die Gemeinschaft ja zum sehr großen Teil ausmachen, sind viel stabiler: man kennt sich (soweit man sich kennt). Man gestaltet hier auch nicht einen Vormittag, sondern den eigenen Alltag, nicht nur die Kinder, sondern genauso die Erwachsenen. Und vor allem ist viel mehr Raum für individuelle Bedürfnisse: man kann sich beinahe jederzeit eine Auszeit nehmen, Kinder wie Erwachsene, die von der Gemeinschaft mitgetragen wird. Wenn ich heute einfach keine Lust auf Gruppe habe, dann muss ich nicht. Bei festen Wuschelvormittagen geht das so nicht, sondern man sitzt sich meist auf Gedeih und Verderb auf der Pelle.
Jetzt nochmal in klaren Worten: ich bin endlos froh, dass es die Wuschels gibt, und Lara geht liebend gerne hin. Ich finde solche Kindergruppen ganz wichtig. Aber ich bin der Meinung, dass sie viel selbstverständlicher und integrierter sein sollten, und für mich bzw. uns ist das eine sehr sehr wichtige Sache.
(Übrigens könnte man sich diese selbstverständliche Integration genauso auch für die Gemeinsamkeit von "Behinderten" und "Nichtbehinderten" wünschen. Heute in der Bodelschwinghschule gab es wieder einige Berührungspunkte, die mir sehr nahe waren und mich gefreut haben. Und ich war gerade noch im Café Regenbogen, das ich wirklich gerne mag.)
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