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Lebenszeichen
Hm, jetzt habe ich sehr lange nichts geschrieben, über einen Monat. Das liegt nicht daran, dass es nichts zu schreiben gäbe; falls überhaupt, dann gibt es zuviel zu schreiben... Und entsprechend gibt es eben auch viel Anderes zu tun. Deswegen hab ich viel Anderes getan und wenig geschrieben, so musste ich mich schon nicht entscheiden, was alles unter den Tisch fällt. :-)
Naja und wenn ich nun schon dabei bin, kann ich ja mal ein paar von den vielen vielen Dingen, die mich so beschäftigt haben (oder immer noch beschäftigen), erwähnen: brandneu hier auf der Homepage ist die Umstellung auf mod_rewrite, die seit gestern endlich komplett funktioniert, alles in allem erstaunlich schnell ging und auf die ich ein bisschen stolz bin (obwohl ich genau weiß, dass ich den Kern der Sache nicht wirklich begriffen habe). Außerdem sind endlich, endlich, sowohl das Atelier für Text und Bild als auch – eine noch schwerere Geburt – die Seiten der Industrienäherei DKH: online! (Bei letzterem fehlen noch einige Kleinigkeiten, wir bleiben aber hart dran. Versprochen.) Und es gibt ein paar neue Seiten hier, die verstecken sich bei den Projekten: zum einen den Tarotzirkel, der mich natürlich nicht nur virtuell auf Trab hält, zum anderen eine Seite nützlicher Kleinkram und Downloads – da kommt noch einiges dazu, sobald ich nur dazu komme. Sonst habe ich soweit ich mich erinnere nur etwas herumoptimiert.
Ja, und dann war ich noch über Ostern in England, meinem Papa beim Heiraten zugucken; meine Aufräumwut geht gerade solche Dinge wie Zahnarztbesuche und einige Rückenprobleme an; ich habe sowas von dick Beltane gefeiert :-D und zwei Geburtstage obendrein; ich habe einigen Leuten, die schon lange darauf warten, endlich mal wieder eine Mail geschrieben, und noch etwa doppelt so viele warten immer noch drauf.
Und schwupps, da war es Mai!
grob unhöflich
Ich bin wütend. Ich bin so dermaßen wütend, ich werde die halbe Nacht mit Putzen verbringen, bevor es überhaupt Sinn macht zu versuchen ins Bett zu gehen. Mir fällt gerade nur ein einziges Mal ein, wo ich ähnlich wütend war (normalerweise betrachte ich sowas als Energieverschwendung), und das ist ziemlich genau zehn Jahre her. Ich bin echt wirklich richtig fett STINKIG.
Goddess within and Goddess without
You give me the strength and the power to shout
Goddess within and Goddess without
You let me stand tall and free of all doubt
Goddess without and Goddess within
I pledge my beliefs to you and your kin
Goddess without and Goddess within
Sacred my wrath – let the fighting begin
WELCOME AL'UZZA!
Keuchhusten?!
Wir husten gerade alle drei feste rum. Lara hat damit angefangen, Pele hat weitergemacht, und irgendwann hatte ich's dann auch. Das geht jetzt bestimmt schon zwei drei Wochen, und ich fand es dann schon komisch, einfach nur diesen Husten zu haben ohne Schnupfen, oder Fieber, oder irgendwas anderes noch dazu. Okay, Peles Nase läuft ziemlich, aber ich glaube, das liegt daran, dass sie den Schleim eben nicht abhusten kann.
Jedenfalls hatte Laras Freundin neulich Keuchhusten, das hatte ich dann schon so im Hinterkopf, und das gehört ja durchaus zu den Schreckgespenstern unter den Kinderkrankheiten. In unserem speziellen Fall hat's mir keine Sorgen gemacht, weil wirklich keine von uns irgendwas hatte außer diesen (zugegebenermaßen recht lästigen) Husten, der auch bei Pele nicht zu Atemnot oder dergleichen führte. Wirklich: wir husten alle drei einfach nur rum.
Auf Anraten von Frau M. hin war ich dann trotzdem am Montag mit den Kids beim Doc, der auch sagte: wenn's wirklich Keuchhusten ist, kann man da nicht viel machen. Da muss man durch. Na soweit war ich auch schon... Jedenfalls haben wir einen Nasenabstrich von Pele gemacht, und der ist, wie ich heute erfahren habe, positiv, sprich wir haben Keuchhusten. Also gut. Dann ist es halt so. Das einzige was mich daran echt stört, ist dass Pele nachts, wenn sie im Liegen husten muss, gerne mal eine meterweite Mageninhaltsfontäne quer übers ganze Bett spuckt (leider auch mehrmals pro Nacht, gnaaa). Ansonsten bin ich dafür, die Veranstaltung in "Röchelhusten" umzutaufen und nur Eltern mit ganz kleinen Beebies damit schalu zu machen.
Nachtrag: Soeben unterbrach mich Pele beim Schreiben mit dem Bedürfnis, sich zweimal per Projektilkotzen (projectile vomiting?) kräftig zu entleeren. Mir gehen die Pullis aus, verdammt. Und am schlimmsten ist eigentlich, dass sie gar nicht mehr richtig schreit, sondern nur noch so rummaunzt – ein Baby, das ordentlich schreien kann (wenn nötig), ist in der Regel fit. Ich habe aber auch den Eindruck, dass Pele wieder fröhlicher und auch etwas fitter ist, seit Lara wieder da ist, die war drei Tage und Nächte weg. Kann Zufall sein, aber es erscheint mir doch bemerkenswert. Vor allem nachts scheint es mir doch viel entspannter zu sein.
in full flow
Whoppenif... Ich sag euch, ein kleiner Workshop und plötzlich kommen auch die größten Steine ins Rollen. Mein Leben rockt, total. Ich fühl mich dermaßen gut – ich hab heute spontan, d.h. ohne größere psychische Vorbereitungszeit, alleine mit Baby in einer fremden Küche für sieben Leute gekocht. Und es war lecker, und es hat mich mehr herausgefordert als gestresst (normalerweise gehört sowas zu meinen persönlichen Horrorszenarien, und das letzte Mal ging's auch eher schief), und was noch obendrauf kommt: In letzter Zeit war Pele nicht allzu oft wirklich windelfrei, weil ich mir's einfach nicht zugetraut hab auf der Baustelle. Andere Leute lenken mich zum einen ab und zum anderen setze ich mich dann unter Druck, was der Intuition ziemlich abträglich ist. Gestern hatte ich dann beschlossen, dass hier mehr Konsequenz her muss, nicht immer dieses halbherzige Rumgewindel.
Es ist nunmal so – wenn sie eine Windel anhat, fehlt mir einfach das sofortige Feedback, und vor allem kann ich faul sein und Ausreden finden ("och ich bin grad so schön am Arbeiten") und muss nicht ständig Aufmerksamkeit üben. Also hab ich heute vormittag zwei Sets frische Klamotten für Pele und mich sowie zwei weitere Tragetücher eingepackt und bin mit Baby ohne Windel los auf die Baustelle. Und was war? Ich hab sie bis heute abend insgesamt drei Mal abgehalten, und sie hat jedesmal gepinkelt. Also weder Ignoranz noch Pipiparanoia. Wie GEIL! :-D
Das heilige Orakel von MuMu
Ich glaube, es war am Dienstag letzter Woche. Meine kleine aber feine Praktikums-Arbeitsgruppe hatte beschlossen, in der Mittagspause mal nicht in die Mensa zu gehen, sondern dem Café Emanuel im Eingang der HNO-Klinik einen Besuch abzustatten, testhalber. Außerdem war das näher. Wir waren schon fast da, da fragte Moritz: "He Anna, kennst Du eigentlich schon das heilige Orakel von MuuMuu?" Dazu fiel mir spontan nur Yoga für Kühe ein, woraufhin mich Moritz am Café vorbei und zur Virologie gegenüber lotste. Und was ich da sah, verschlug mir wirklich die Sprache. Ich war einfach nur platt.
Bevor ich jetzt versuche, den Anblick in kümmerlichen Worten wiederzugeben, probiere ich es lieber mit kümmerlichen Fotos. Bitte der Reihe nach klicken: Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4 Foto 5
Wahnsinn, oder? Es ist etwa drei Meter hoch und in natura wirklich atemberaubend. Zwei Tage später, als ich die Fotos machte, hab ich dann auch die Plakette gefunden. Auf der steht "Chacan, Fernando de la Jara, 2001". Wikipedia gab etwas Auskunft über Fernando de la Jara, und Frau M. erinnerte sich auf meine Anfrage hin an einen großen Aufruhr, den es wohl damals um die Aufstellung dieses Marmorblocks gab. Ich sag da nur: am liebsten würde ich petitionieren, bis das Ding im alten botanischen Garten seinen richtigen Platz hätte. Mitten auf dem Gras, zwischen rauschenden Bäumen, und gut zugänglich in lauen Vollmondnächten.
Whoppenif Street
So, das Praktikum habe ich gut überstanden, und ich habe eine Liste mit vier Themen, über die ich hier was schreiben will. Heute aber schreibe ich nur was über das letzte Wochenende (und dann werde ich mich dringenden Dingen zuwenden): Ich war nämlich von Freitag abend bis Sonntag mittag in Heidelberg, ohne meine Kinderlein (was für Pele ein Novum war, sie hat's aber gut vertragen) bei einem Feri-Workshop. Das war ein bisschen gedacht als Witchcamp-Ersatz, weil ich eben Peles wegen diesen Sommer schlecht eine Woche wegfahren kann (und jetzt mit der Baustelle geht das sowieso überhaupt nicht). Außerdem passte das Thema, wie das bei solchen Sachen so ist, wie ein Hormon zu seinem Rezeptor.
Also fuhr ich hin, in der Erwartung, nur zwei Leute dort zu kennen und dass sich alle anderen schon kennen und außerdem wesentlich fortgeschrittener Feri-interessiert sind als ich und überhaupt. Dann waren aber zu meiner freudigen Überraschung noch drei Leute da, die ich vom Loreley letztes Jahr kannte, und noch einige andere kamen so wie ich vom Reclaiming und waren eher Feri-Neulinge. Und die Leute waren cool, und ich hab eine Menge gelernt und erfahren, und mit Staunen heute die Auswirkungen wahrgenommen. %-) Red magic!
Allerdings kann ich von den wirklich interessanten Details nichts hier so richtig weitergeben. Dazu ist das Thema zu vielschichtig und zu leicht missverständlich. Und ja, auch nicht für alle Ohren was. Hm. Aber zum Thema Ohren: am Ende hat eine Teilnehmerin ein Lied gesungen, das war soooo schön, und jetzt gibt's das doch glatt von ihr auf CD. Ich hab ihr sofort eine abgeknöpft. Leider kann man genau dieses Lied (Faery Song) nicht online anhören, aber dafür viele andere. Wen's interessiert: Marie Geever, Moon Lovers.
nachts zwischen drei und fünf
Ist meine Antwort für wann ich die Dinge mache, für die ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe. Ist auch tatsächlich nicht so verkehrt. Wenn ich abends mit den Kids einschlafe und nicht schon um zehn wieder aufwache, dann mit Sicherheit so gegen halb vier oder vier. Da bin ich dann so wach, dass ich genausogut aufstehen und ein bisschen was tun kann. Oder es passieren so skurrile Dinge wie heute, dass jemand um 3:37 Uhr bei uns klingelt. Ich hab dann kurz gebraucht, um aus dem Bett zu hüpfen und was zum Anziehn zu finden, und ich kann von hier oben die Haustür nicht sehen. Wusste also nicht, ob a) überhaupt noch jemand und b) wer da stand, und hab mich daher nicht getraut, runterzugehen und aufzumachen. Schätze die Wahrscheinlichkeit war eh auf Seiten irgendwelcher betrunkener Nachtvögel. Nur, vielleicht halt nicht. Dann würde ich aber einen Anruf oder ein zweites Klingeln erwarten. Hmmmm... Jedenfalls nutze ich diese Gelegenheit, um ein bisschen zu GIMPen – ich bin nämlich gerade mit der irrsinnigen Aufgabe beschäftigt, ein Bild mit sechs ineinander verhakten Zahnrädern freizustellen. Nein, fragt nicht. Fragt einfach nicht.
Mal noch was völlig anderes, weil ich es liebe und weil es jetzt wirklich fast fertig ist:
Addendum
Nach meinem dritten Praktikumstag möchte ich meine Aussage von gestern modifizieren: meine Arbeitsgruppe ist nicht einfach sehr angenehm. Nein, vielmehr besteht der Rest meiner Arbeitsgruppe einfach aus den zwei coolsten Leuten im ganzen ersten Bachelor-Jahrgang. Der eine steckt sich zwei Pipettierspitzen an die Zähne und macht mitten zwischen Extinktionsmessungen und Exceldiagrammen einen auf Nosferatu, dass man zuerst einen ordentlichen Schreck und dann riesige Lust bekommt, sofort einen Laborgruselfilm zu drehen; die andere schiebt in der Mittagspause nach längerem Hin und Her ihre Bedenken bezüglich ihrer Rocklänge bzw. -kürze beiseite und lässt sich genüsslich einen Abhang voller Heu gleich neben der Uni-Bushaltestelle runterrollen. YAY! You people rock!
Außerdem war ich heute tatsächlich schon um kurz vor vier daheim, habe ein leckeres Eis gegessen und bin daher guter Dinge. Jetzt schaff ich noch was und dann ist endlich mal früh Bettzeit. Und morgen Wochenende.
Ach ja: das Praktikum nimmt mich offensichtlich wirklich sehr in Anspruch. Ist mir doch heute erst aufgefallen, was für einen schnuckeligen Betreuer wir gestern hatten! Nun ja. Zudem mal wieder ein Raucher, seufz.
Zimtlatschen und Ammoniumsulfatsalz
Ich bin ziemlich fix und fertig. Heute war der zweite Tag meines acht Tage dauernden Biochemiepraktikums. Geht theoretisch 10 bis 16 Uhr mit etwa einer Stunde Mittagspause, de facto war ich aber diese letzten beiden Tage erst kurz nach fünf daheim, und heute war auch nicht sooo viel Pause drin. Das schwüle Wetter, die Notwendigkeit, irgendwann irgendwo irgendwie etwas Milch abzupumpen, und meine ziemliche Planlosigkeit in Bezug auf Biochemie (hab natürlich die Vorlesung nicht besucht, genauso wenig wie alles andere dieses Semester) tun noch ein Übriges für meinen Stresslevel. Uff!
Wenigstens die Kids sind fröhlich – vor allem bei Pele konnte man das ja nicht so im Voraus wissen, Lara ist es schon lange gewohnt, dass sich öfter mal jemand anders als ich um sie kümmert. Das klappt also gut, auch wenn Pele so gegen halb fünf dann immer genug zu haben scheint und die letzte halbe Stunde, bis ich komme, ziemlich knatschig ist. Ich habe noch die Hoffnung, dass die nächsten Tage etwas schneller rumgehen (mehr Routine auf allen Seiten).
Und Stress hin, Stress her: Es ist wirklich ein interessantes Praktikum und ich nutze, obwohl es mich viel Zeit kostet, die Gelegenheit, eine Menge zu lernen, vor allem in Form von Protokollführen (ich bin ein sehr schriftlicher Mensch). So stehe ich also müde, aber interessiert, den ganzen Tag in einem schön geräumigen Labor, kriege Schwielen vom Pipettieren, freue mich über meine sehr angenehme Arbeitsgruppe, und vermisse nicht einmal die Baustelle so sehr, wie ich im Vorfeld dachte. (Trotzdem muss ich da am Samstag gleich nach dem Aufstehen hin.)
Ach ja, und die Zimtlatschen: Die bekam ich netter- und unerwarteterweise gestern geschenkt, und da ich es immer noch nicht geschafft habe, mir endlich ein Paar Sandalen zuzulegen, sparten sie mir heute die leidigen Barfuß-im-Labor-Kommentare. Sie riechen superlecker und sind auch gut zu tragen; sonst finde ich so Flipflops ja bisschen wie Gummis – praktisch und nützlich und alles, aber ohne ist es nun doch viiieeeeeeeeel schöner.
Mama hat's kaputtgemacht!
Bettzeit vorhin. Lara war noch in der Küche, Pele schon knatschig, also begab ich mich mit ihr schonmal ins Bett und schob dabei einen in meinen Augen ungeordneten Haufen Decken zur Seite. Wenig später kommt Lara hochgeklettert, sieht den Deckenhaufen und bricht in Tränen aus. "Oje, Lara, was ist?" – (schluchzend) "Du hast meinen Rosinu-Stall kaputtgemacht!" – Mist. Jetzt war das wichtig. Ah, aber wie war das nochmal in meinem neuen Lieblingsbuch? Nimm es an, fühl mit, lass die Tränen zu (egal wie unwichtig ein Haufen Decken in den eigenen Augen sein mögen). Und, ganz wichtig: "Resist the temptation to 'make better' instantly."
Also gut, habe ich so gemacht. Noch genauer nach dem zerstörten Stall gefragt. (Intermezzo: Ich hoffe, es will jetzt niemand von mir wissen, was ein Rosinu ist. Wir sind immer irgendwas, gefährliche Säbelzahntiger oder Chrissi-Pippi Langstrumpf-Leoparde, ich erinnere mich, mal die – ähm, grübel – "Mama-Quatsch-Hauswildkatze mit Puschelohren" (oder so ähnlich) gewesen zu sein. Klar ist eigentlich nur immer die Rollenverteilung: ich bin die Mama-Dingens, Lara ist das Kind- oder Schwester-Dingens, und Pele ist das Baby-Dingens.) Mich schuldig bekannt und um Verzeihung gebeten, die Wichtigkeit des Stalles anerkannt, und ich habe nichts vorgeschlagen, was jetzt getan werden könnte, à la "bau doch einen neuen" oder so. Und nach kürzester Zeit wischte sie sich die Tränen ab und sagte ganz ruhig, "Naja, muss ich mir halt einen neuen bauen. Mal schauen ob ich das alleine hinkrieg. Sonst musst du mir halt helfen." – "Das mach ich dann gerne, Mäuschen." Die nächsten zwanzig Minuten verbrachte sie dann quietschvergnügt damit, die Decken gefühlte zweiundfünfzigmal zu immer neueren, tolleren Ställen und Nestern und wasweißichwasallem umzubauen, und irgendwann war Ruhe und Frieden und Schlafzeit. Jetzt liegt sie wie üblich halbnackt quer überm Bett, und alle Decken sind wild in der Gegend verstreut. Und ich bin leicht erstaunt und rundum zufrieden.
Und ich sag's nochmal: ich LIEBE dieses Buch.
Badetag
Baby baden, ach ja. Bei Lara lief das irgendwannmal irgendwie schief, so dass sie mit einem halben Jahr schon beim Anblick von Wasser und Badewanne nach Leibeskräften schrie. Ich hab mich dann etwa ein Jahr lang jedes Mal mit ihr in die Badewanne gesetzt und sie dabei gestillt (!), sonst wäre sie wohl gar nie gebadet worden. So mit anderthalb Jahren etwa gab sich das von selbst und sie fand es dann lustig, aber bis dahin... argh.
Jedenfalls, Pele fand Baden bis jetzt auch nicht so prickelnd, und da sie noch nicht sitzen kann, ist es schwierig bis unmöglich für mich, sie alleine zu baden. Sie wird daher auch eher nur am Wochenende gebadet, wenn es sich in den Tagesablauf einbauen lässt. Also, es ist ein ziemlicher Hickhack jedesmal.
Heute, nach einer intensiven Baustellenwoche, war's aber wieder dringend nötig, also wurde die mit korrekt temperiertem Wasser gefüllte Babybadewanne durch die halbe Wohnung ins Zimmer geschleppt (weil bei uns im Bad einfach zuwenig Platz ist) und das Mäuschen zärtlich ausgezogen und psychisch vorbereitet. Lara protestiert "Aber ich will auch baden, und ich will zuerst baden!!" Gnaaaaa... Ach, was bin ich froh, dass ich das Buch mit dem langen Namen gelesen habe. Dem habe ich nämlich entnommen, dass Kinder die Lösung für ein Problem dann am besten akzeptieren, wenn es ihre eigene ist (meiner Erfahrung nach eins zu eins auf Erwachsene übertragbar!). Und es versetzt mich immer wieder in Staunen, wie kreativ sie dabei sind! So macht das richtig Spaß, wenn's irgendwo klemmt.
Ich legte also das Problem dar und fragte Lara nach einer Lösung. Da sagt sie dann immer erstmal, schmollend, "Hab keine Lösung", aber eine halbe Minute später kommt sie dann doch mit einer. Ihr Vorschlag diesmal war, zusammen mit Pele in die Badewanne zu sitzen. Das wär mir alleine nie eingefallen und ich war da ziemlich skeptisch, denn Lara ist allein schon fast zu groß für die Wanne und ob Pele ihr Rumgeplatsche gefallen würde, wagte ich stark zu bezweifeln. Andererseits, probieren geht über studieren. Und Lara sagte von sich aus, "Ja, wir probieren es aus, und wenn's nicht geht, dann könnt ihr Pele alleine baden." Also gut, also gut. Und siehe da: Pele saß nach sehr kurzem Protest auf Laras Schoß in der Wanne, ließ sich knuddelig festhalten und lutschte zufrieden am Thermometer. Lara gefiel ihre Rolle als Babyhalterin auch überaus gut, und im Wasser schaffte sie es auch problemlos, Pele zehn Minuten zu halten (sonst wird sie ihr recht schnell zu schwer). So konnte ich in aller Ruhe Pele gründlich waschen (oooohhhh war das nötig!), ohne Geschrei und dafür mit viel Quatsch. Einziger Nachteil: hinterher war natürlich das halbe Zimmer nass. Aber das trocknet ja wieder...
achtundzwanzig und drei Tage, plus vier
Dieses Jahr vergeht die Zeit so schnell, und es ist so viel los, dass ich am Donnerstag weder zum Bloggen noch zum Reisen gekommen bin – es hat einfach nicht reingepasst. Montag war Pele schlapp und grätig, Mittwoch war mir sterbenselend, und Freitagmorgen war dann Lara bisschen komisch (wenn auch nicht so lang wie wir anderen beiden). Ich habe diesmal also meinen Geburtstag sehr sehr low level gehalten und bin einfach den ganzen Tag auf meiner Lieblingsbaustelle rumgehangen. Mit einem kurzen Abstecher zum Kinderarzt für Peles U5. Also quasi noch unspektakulärer als sonst.
Und Lara ist ja vor nicht ganz einem Monat (man sieht, ich komme gerade wieder sehr oft nicht zum Schreiben) vier geworden, aber da gab's zwei sehr schöne Feste, nämlich den ersten von mir organisierten Kindergeburtstag und einen Erwachsenengeburtstag in Omas Garten. Jetzt sagt sie mit Stolz "ich bin schon vier!" und macht glücklicherweise große Sprünge in Richtung Selbständigkeit. Das wiederum hängt vielleicht auch in bisschen mit einem Buch zusammen, das ich neulich verschlungen habe.
redselige Vorgänge
Haaaaach. Was ich schon Jahre nicht mehr gemacht habe: Ich sitze stundenlang vor dem Rechner und haue mir Installationäres um die Ohren. Und bin trotz Übermüdung (hab das gestern auch schon gemacht) rundum glücklich und zufrieden! Jo. Habe heute den ortsansässigen Arlt gestürmt und mir eine neue Festplatte sowie ein Wechselplattengehäuse für die alte gekauft. (Und eine optische Maus für meine Mama.) Jetzt sitze ich vor meinem frisch installierten, brandneuen, schicken Debian und kopiere die alten Daten von der jetzt externisierten Platte. Funktioniert alles tadellos. Und Loreena McKennitt passt super. Und überhaupt! Ich bin glühücklich. Jawoll.
pädagogisch versagt
Neulich fiel mir eine Ausgabe der Zeitschrift "Natürlich leben" (Tologo-Verlag) in die Hände, worin mir ein Artikel besonders gut gefallen hat: "Freie Eltern – freie Kinder". Da ist an einer Stelle von Flohdressur die Rede:
"Wenn man Flöhe trainieren – konditionieren – will, steckt man sie in ein leeres Marmeladenglas und verschließt den Deckel. Die Flöhe springen ihrer Natur gemäß nach oben und knallen mit dem Kopf an den Deckel. Sehr bald merken sie, dass es nicht weiter geht. Jetzt kann man den Deckel vom Glas nehmen – die Flöhe wissen nun, dort ist das 'Ende der Welt'. Keiner von ihnen wird auf die Idee kommen, höher zu springen. Es wird Generationen brauchen, bis ein mutiger Floh sich selbst die Erlaubnis gibt, so hoch zu springen wie sein Herz es ihm sagt. ..."
Dazu fällt mir eine Lehrerin aus meiner Grundschulzeit ein, die ich glücklicherweise nur in HuS (Heimat- und Sachunterricht) hatte: Frau G. Die war so ein Deckel, wirklich wahr. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand sie gemocht hätte (anders als zum Beispiel meine beiden Klassenlehrerinnen). Zwei Ereignisse mit ihr sind mir bis heute deutlich im Gedächtnis geblieben...
Das eine war, als ich ein selbstgebasteltes Weihnachtsgeschenk verpackt hatte und mit einem hellroten Wachsmalstift (oh ja, Details!) draufgeschrieben "für ... (weiß ich nicht mehr) zu Weinachten". Sic. Frau G. bemerkte das fehlende h, sagte (ungefähr) "He, das ist falsch geschrieben, Weihnachten schreibt man doch mit h! (du Dussel) Mit welchem Stift hattest du das geschrieben? (nimmt einen rumliegenden hellroten Buntstift und malt ein h hin) So, jetzt stimmt es. Bitte schön." Deng, mein Kopf knallt an den Deckel. Dummes Kind. Und mein liebevoll verpacktes Weihnachtsgeschenk mochte ich gar nicht mehr verschenken.
Die zweite Episode finde ich aber noch schlimmer: da war ich nur Beobachterin. Der Floh war Bilal, der nicht gut deutsch konnte und ein klassischer Außenseiter war. Wir sollten einen Baum malen, und Bilal malte einen sehr kringeligen. Frau G. sah das Bild, lachte kurz und trocken auf und machte sich drüber lustig: "Was soll denn das für ein Baum sein? Das gibt's doch nicht, so kringelige Bäume." Auf dem Nachhauseweg lief ich wie immer an einer Korkenzieherweide vorbei, die mir an diesem Tag zum ersten Mal so richtig auffiel. Sie hatte unrecht, verdammt noch mal, Bilals Bild war ganz genau so wie dieser Baum, sie hatte sich völlig zu unrecht über ihn lustig gemacht.
Mal ganz abgesehen davon, dass so ein Verhalten grundsätzlich unmöglich ist: für eine Heimat- und Sachkundelehrerin hatte sie von letzterer reichlich wenig. Aber Bilal hat natürlich nichts gesagt, weil er schlecht deutsch konnte und sich nicht getraut hat, und ich hab natürlich auch nichts gesagt, weil ich mich auch nicht getraut hab. Und so schleppe ich diese zwanzig Jahre alte Ungerechtigkeit immer noch ein bisschen mit mir herum.
Fazit: pädagogisch auf ganzer Linie versagt, Frau G. Ich hoffe, Sie sind schon viele viele Jahre pensioniert.
Schnulliiieeeeh
Lara hat am Freitag vor zwei Wochen auf dem Spielplatz einen einsamen Schnulli mit Klipskette gefunden und für sich beschlagnahmt. Das nehme ich zum Anlass, was zu schreiben, was mir schon lange auf der Leber herumspaziert.
Die Kurzfassung lautet: Ich mag Schnullis nicht. Wann immer ich ein mit solch einem Plastiknöbbel verstöpseltes Kind, egal wie alt, sehe, steigt in mir ein deutliches Gefühl der Abneigung auf. Ich fühle mich versucht, dem Kindermund den Schnulli zu entreißen, auf dass die Kommunikationsblockade zwischen uns aufgehoben sei. Denn nichts anderes ist so ein Ding: es dient doch primär dazu, den Kindermund am Plärren/Quasseln/sonstwie lautstark sein zu hindern. Und das finde ich, bei allem Verständnis für die Vorteile, nicht richtig.
An dem Punkt braucht man sich wirklich nichts vorzumachen: der Schnulli ist für die Eltern, nicht fürs Kind. Mich hat's gegruselt, wo ich in einem Ratgeberbuch (über das ich schon lange was schreiben will, ich weiß nur noch nicht wo und wie) gelesen habe, ein Baby hätte ein Nuckelbedürfnis von 16 Stunden am Tag. Wie kommen die auf sowas? Wenn überhaupt, dann hat ein Baby ein Schlafbedürfnis von 16 Stunden am Tag. Ansonsten fällt mir gerade bei Pele ganz stark auf, dass sie meine Brust nur nimmt, wenn sie einigermaßen hungrig ist. Wenn sie vor Müdigkeit brüllt, machen derlei Angebote das Geschrei nur deutlich schlimmer. Natürlich ist sie mittlerweile auch in einer Phase, wo einfach alles, alles in den Mund wandert – aber das ist doch kein Nuckelbedürfnis! Meine beiden Kinder haben zu keiner Zeit bei mir den Eindruck erweckt, sie seien unglücklich, weil sie nicht an einem Plastiknöbbel saugen dürfen. Und meine beiden Kinder sind ausgesprochene Plappermäuler. Und, ja, auch Schreihälse, wenn's drauf ankommt. Aber ist es eine gute Idee, ihnen abzugewöhnen, von ihren anfangs eben noch beschränkten Ausdrucksmöglichkeiten Gebrauch zu machen? Ich glaube nicht. Ist das gleiche Paradoxon wie mit den Windeln: Zuerst gewöhnt man ihnen was ab, und dann nach ein paar Jahren trainiert man's mühsam wieder an. Also ne.
Ach ja: Entsprechend ging mir dieser Schnulli in den letzten zwei Wochen also mächtig auf den Geist. Aber es ist wie mit allem anderen neuen Spielzeug: kurze Zeit war's spannend, jetzt hat sie ihn irgendwo liegenlassen, und nun beschäftigt sie sich halt mit was Anderem. Uff.
Schäkerbaby
Pele, morgen genau vier Monate alt, hat trotz ihres zarten Alters schon so etwas wie ein Hobby: schäkern. Morgens im Bus, wenn wir Lara in den Kindi bringen oder gebracht haben, ist ihr liebstes Betätigungsfeld, aber auch bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit, wo ein paar Leute in Kontaktweite um sie herum sind. Dann sucht sie sich jemanden raus und guckt die Person so lange an (und Babys haben ja irgendwie immer sowas leicht Vorwurfsvolles, wenn sie einfach nur gucken), bis diese das bemerkt und in irgendeiner Form die Kontaktaufnahme erwidert (meistens lächeln sie natürlich, aber zurückgucken reicht auch). Und dann lächelt sie ihr breitestes zahnloses Babylächeln, manchmal versteckt sie sich auch kurz hinter ihrem Tuch, bei mir im Pulli, nur um gleich wieder aufzutauchen und den Menschen wieder anzulachen. Das ist ein richtiges Spiel, und ich habe den Eindruck, dass ihr das großen Spaß macht.
Mir kam da der Gedanke, dass das so überhaupt nicht funktionieren würde, wenn ich sie statt im Tragetuch in einem Kinderwagen hätte. Da könnte sie zum einen immer nur die Decke vom Bus bzw. den Himmel, oder womöglich sogar nur die Innenseite ihres Wagendachs angucken, denn sie kann noch nicht sitzen. Zum anderen könnte sie sich nicht selber raussuchen, wen sie anlachen möchte, sondern muss nehmen, was immer da kommt, sprich alle aufdringlichen alten Schachteln, die sich über den Wagen beugen und gutschi-gutschi machen. Der vielleicht größte Unterschied ist aber, dass sie den Leuten nicht auf gleicher Ebene begegnet, sondern ziemlich hilflos daliegt. (Zum Vergleich: Stell Dir vor, Du liegst fast bewegungsunfähig in einem Bett und jemand Fremdes beugt sich über Dich, oder Du befindest Dich in dichtem Kontakt mit einem Menschen Deines Vertrauens und siehst eine fremde Person ungefähr auf Augenhöhe. Wie fühlst Du Dich?) Im Tuch kann sie sich jederzeit wegdrehen oder sogar in meinem Pulli verkrabbeln, wenn sie genug hat, und ich bin immer direkt und unmittelbar da.
Ich würde sagen, das ist einer meiner Lieblingsgründe für das Tragen im Tuch: dass es einem Baby maximale Eigenständigkeit ermöglicht. Denn in meinen Augen fördert es nicht die Eigenständigkeit eines Babys, wenn es ein eigenes Bettchen und ein eigenes Wägelchen und ein eigenes Zimmerchen hat. Das ist effektiv einfach nur ein Alleinelassen, und für ein Wesen, das es neun Monate gewohnt war, ständig von Wärme und Liebe und Nahrung umgeben zu sein, halte ich das bestenfalls für unsinnig. Ich bin dafür, dass man ein Baby erst Stückchen für Stückchen selbständig werden lässt und ihm dann Stückchen für Stückchen entsprechende eigene Dinge gibt.
(Man kann sich da jetzt übrigens an zwei Punkten mit mir streiten: dass die Eigenständigkeit eines Babys wichtig ist und dass sie durch ein Tragetuch besser gefördert wird als durch einen Kinderwagen. Ersteres ist mir sehr wichtig, fertig aus, und gegen letzteres ist mir noch kein auch nur annähernd überzeugendes Argument über den Weg gelaufen.)
Digicam
Unser Haushalt beinhaltet seit neuestem eine Digicam – weil praktisch und nützlich und überhaupt. Heute hatten wir schlechtes Wetter und nach überstandenem Arzttermin mittags viel Zeit totzuschlagen, also dachte ich, holen wir das Ding doch mal raus und gucken, wie's funktioniert. Und siehe da: meine beiden Töchter haben sich tatsächlich gesucht und gefunden. Die eine wird mal Fotografin und die andere Fotomodell!
Von den 106 Bildern, die ich gerade auf meinen Rechner gezogen habe, gehen etwa 90 auf Laras Konto, und das hat echt nicht lange gedauert. Sie hat so ziemlich alles fotografiert, was ihr vor die Linse – ich meine, vors Display kam, und dabei waren trotz überwiegendem Ausschuss doch einige sehr hübsche Bilder. Kann allerdings auch an Peles natürlichem Charme sowie ihrer Neigung, bei Laras Anblick (erst recht mit Kamera!) grundsätzlich ihr breitestes Babylächeln aufzusetzen, gelegen haben. Aber sogar ich, unfotogenes Grumpf Nummer Eins, bin ein paarmal ganz nett drauf. Das schaffen nun wirklich die wenigsten.
Konsens und Ratio
Ein dickes Thema grad in meinem Leben: Welchen Platz kann mein rationales Denken bei der Entscheidungsfindung sinnvollerweise haben? (Also hm, naja, verwandt mit einem dicken Thema in meinem Leben. Will sagen, ich weiß absolut und schon lange, wo bei mir die Ratio ihren Platz hat, aber ich wollt's mal darlegen.) Wenn ich mich da mal so im Ganzen betrachte, stelle ich fest, dass ich aus sehr viel mehr bestehe aus meinem meistens klugen Kopf. Da könnte ich jetzt sagen, hm, der Kopf ist meistens klug und das Potential wär auch sicher ausbaufähig, der kann Argumente abwägen und so, also soll der entscheiden. Machen ja viele andere Leute auch so.
Aber: Ich bin wie gesagt wesentlich mehr als mein Kopf, und ich bin prinzipiell dagegen, beteiligte Personen bzw. in meinem Fall Personenteile außen vor zu lassen. So wie alle Menschen in einer Gruppe eine relevante Meinung haben, wenn sie die Interessen der Gruppe im Auge behalten können, so haben selbstverständlich alle Teile von mir etwas beizutragen, wenn es darum geht, etwas zu entscheiden, was mich betrifft. Konsensprinzip wär da so'n Stichwort.
Ich entscheide also nicht nach logischen Argumenten, sondern ich hör mir die an und kau ein bisschen drauf rum, schick sie einmal durch sämtliche Instanzen zusammen mit der Entscheidungsfrage, und irgendwann gelange ich zu so einem "Das ist mein Weg"-Gefühl. Da geh ich dann weiter, egal ob's mit dem Kopf betrachtet Sinn macht oder nicht. Letzten Endes ist mein Ziel ja immer, zufrieden zu sein. Und das geht nicht nur mit dem Kopf, denn der ist nicht fähig, zufrieden zu sein – ist ja schließlich ein Gefühl. Ich bin damit auch noch nie grundsätzlich auf die Schnauze gefallen, allerdings gebe ich zu, dass es ein zwei Mal eine gute Idee gewesen wäre, den Kopf ein bisschen mehr arbeiten zu lassen.
Haare ab
... mal wieder. Ich hab das ja regelmäßig alle paar Jahre. Der Gedanke kommt irgendwann, dann muss er sich eine geraume Zeitlang halten und schließlich durchsetzen, das dauert in der Regel ein paar Wochen bis Monate. Und sonst geh ich dann zu meiner Schwester und sage, bitte einmal Vollrasur... aber diesmal habe ich mir einen Langhaarschneider gekauft, alles selbst gemacht und ein paar Haare drangelassen. Ein Experiment, mit dessen Ergebnis ich im Moment rundum zufrieden bin. Ich finde mich viel mehr ich mit der neuen Frisur.
Erfreulicherweise hat keines meiner beiden Kinder einen Riesenschreck bekommen. Gut, bei Pele hätte ich das nicht erwartet – Lara mit fünf Monaten hat die Länge meiner Haare damals auch nicht interessiert – aber bei Lara war ich mir nicht sicher, was sie zur plötzlichen Radikalverkürzung von etwa zwei Dritteln meiner Haare sagen würde. Aber ich bin immer noch die Mama, und meine Haare sind für sie nicht weiter spannend. Ich habe heute lernen dürfen, dass ich wiederum diese totale Unbekümmertheit nicht ganz so besitze – sie hat nämlich heute mit einer Freundin Friseur gespielt. Schnipp, da war eine deutlich sichtbare Menge Haare deutlich sichtbar kürzer...
Aber was soll ich dagegen sagen? Sie wachsen nach, sowieso sind es ihre, und ändern kann ich's jetzt auch nicht mehr. %-)
nicht alleine sein
Oh Göttin, ist das anstrengend. Ich hab gerade zwei Kinder ins Bett gebracht – was die meisten Abende eigentlich gut bis super klappt (manchmal will Pele noch nicht so richtig schlafen, das ist aber okay), aber heute war wieder einer dieser Tage, wo meine Geduld und mein Verständnis schwerstens auf die Probe gestellt wurden.
Die Sache ist halt die: Jetzt wo Pele da ist, braucht sie mich quasi ständig. (Normal, ne.) Und Lara steckt das die meiste Zeit sehr gut weg, wie ich finde, ist sehr selbständig und nie garstig zu ihrer kleinen Schwester oder sonstwie eifersüchtig. Aber wenn sie übermüdet ist, so wie heute, oder sonstwie nicht gut drauf, dann kriegt sie solche Ich-will-nicht-alleine-sein-Anfälle. Und besteht zum Beispiel darauf (quietschheulend), sich im Bett an meinen Rücken zu kuscheln, während ich auf der anderen Seite Pele stille. Das ist aber nunmal einfach sehr unbequem und geht nicht wirklich länger als ein paar Minuten, was unweigerlich zu Weinkrämpfen laraseits führt. Das finde ich furchtbar, furchtbar anstrengend. Aber: Ich kann es verstehen. Ich bin nunmal fast allein mit den beiden Kids, und ich bin oft nicht oder nicht voll und ganz für Lara da. Wer fängt das auf? Wer nimmt meinen Platz ein? Niemand, und das ist das Problem. Ihr Papa lässt keinen halben Buchstaben von sich blicken, ihre geliebte Tati wohnt zu weit weg, und auch die Omas und Opas sind nur am Wochenende wirklich verfügbar. So im Alltag ist da nur noch Frau M., die aber auch arbeiten geht und noch andere Sorgen hat. Da kann ich niemandem einen Vorwurf machen, schon gar nicht Lara, und so gibt es halt alle paar Tage solche Szenen, für die niemand was kann, die mich aber so viel Nerven kosten. Mein alter Seufzer: Großfamilie oder Lebensgemeinschaft. Was anderes hilft da nicht.
Hilfsmittel
Wenn Pele müde ist und quäkt, gibt es einen ganz tollen Trick: man setze sich mit ihr auf einen Gymnastikball und hoppele gleichmäßig auf und ab. Das funktioniert sogar, wenn sie schon eher schreit – kräftiger hoppeln, bis sie weniger schreit, zärtlich weiterhoppeln und schwupps, schläft die Maus.
Was allerdings nicht funktioniert: einfach das schreiende Baby schnappen, auf den Ball draufplumpsen und loshoppeln. Das wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar eher dazu bringen, mal die volle Bandbreite und Aussdrucksstärke ihrer kräftigen Säuglingsstimme auszutesten. Denn, das ist eigentlich ganz klar, das Hoppeln ist nur ein Hilfsmittel. Was sie wirklich braucht, ist jemand, die ihr vermittelt "ich hab dich gehört und verstanden, du bist müde und willst deine Ruhe". Und wenn ich das verstanden habe, dann werde ich sie nicht einfach schnappen und Aktionen starten, sondern sie ruhig an mich drücken, ein möglichst ruhiges Umfeld aufsuchen und die Klappe halten oder ganz ruhig reden. Und weil das mit dem ruhigen Umfeld dank Lara nicht immer ganz einfach machbar ist, hilft dann bestimmtes, aber ruhiges Hoppeln auf dem Ball. Aber es ist nur ein Hilfsmittel.
Übrigens, liebe männliche (und vielleicht auch ein paar weibliche?) Mitlesende: mit dem Sex ist das genau das gleiche. Bei euch mag das unter Umständen anders sein (das kapier ich immer noch nicht so ganz), aber ich für meinen Teil stehe überhaupt nicht auf handbuchgetreu durchgeführte Bewegungen, gleich welcher Art. (Bestenfalls werde ich einschlafen.) Es sind nur Hilfsmittel...
Pipimaus
Zwischenbericht: Auf manche Sachen kann man sich wirklich verlassen. Pipi nach dem Aufwachen, zehn bis zwanzig Minuten nach dem Stillen, und dann eventuell schon eine halbe bis dreiviertel Stunde später wieder – dann ist auch schon wieder Schlafzeit. Auf dieser Basis ist es ganz leicht, ein "Pipimaunzen", wie ich es nenne, als solches zu erkennen. Wenn ich gerade nicht in der Nähe bin, ruft Pele richtiggehend nach mir. Außerdem lacht sie oft beim Abhalten. Macht Spaß, das Ganze.
Erste Merksätze zur Windelfreiheit
Oder auch: was in diesem klugen Buch nicht drinsteht. (Und eigene Erfahrung erfordert.)
Nummer Eins: Ein guter Schiss braucht Zeit. Pele weiß das. Ich weiß es jetzt auch (grummelputzzeugsuch). Nur weil ich finde, dass es jetzt genug war und ungeduldig werde, heißt das noch lange nicht, dass sie auch fertig ist. Dafür habe ich gelernt, dass sie sagt, wenn sie fertig ist – dann kommt nämlich ein Maunzen, das soviel heißt wie "jetzt hab ich diese Sache beendet, jetzt ist Zeit zur Nahrungsaufnahme". Also Nummer Zwei: Babys können immer nur eine Sache auf einmal. Sollte ich mir gelegentlich auch angewöhnen.
Was ich sonst noch die letzten drei Wochen über gelernt habe: Manchmal gibt's auch nach einer halben Stunde schon wieder Pipi. Wenn sie schläft, gibt's wirklich keins, aber zuverlässig, sobald sie aufwacht. Und in einem Punkt hat das Buch absolut recht: das Schwierigste ist, auf die eigenen Eingebungen zu hören!
Brot!
Endlich wieder selbst gebackenes Brot (hab ich seit bestimmt zwei drei Monaten nicht auf die Reihe gekriegt). Ich hatte ganz vergessen, wie absolut duftig und lekkkkker das schmeckt! Zum Reinlegen. Frisch gebackenes brown bread mit Butter, und Avocado, und einem Stückchen Feuerkäse, und einem Stückchen mittelaltem Gouda, und mit veganem Schmeckt-wie-Leberwurst-Schmier... Jetzt ist das halbe Brot weg und ich hab mich leicht überfressen. Aber ich fühle mich fantastisch. :-D
kann ja sein?
Sowieso einer von Laras Lieblingssprüchen. Jedenfalls fragte sie heute mittag im Bus ganz unvermittelt: "Was ist eigentlich, wenn ich mal sterbe?" Meine wahrheitsgemäße Antwort war: "Hmm. Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass es was Schönes und ziemlich Spannendes ist." Lara überlegt kurz, dann leuchtet ihr Gesicht auf. "Vielleicht Schokolade!" Fänd ich auch gut. Am besten von Zotter.
Guten Morgen
Ich glaube ja nicht, dass man mit einem Baby schlaflose Nächte haben MUSS. Nichtsdestotrotz hat man manchmal welche. Es ist also jetzt zehn vor sechs, ich bin seit etwas vor vier Uhr wach (mehr oder weniger), und in einer Stunde klingelt der Wecker. Heute ist Laras erster Kinditag nach den Ferien (und die war na klar auch wach), mein erster Tag zurück an der Uni, und unser erster gemeinsam zu bewältigender Alltag mit Baby. Yaaay.
Das Problem mit dem nächtlichen Wachsein ist, dass man nicht faul sein darf. Zumindest bei Pele nicht. Was immer ihr Bedürfnis ist, es will gestillt werden, und da sie eine ganz Guckige, Neugierige ist, ist es öfter mal schlicht Langeweile. Mitten in der Nacht ist das – hmmmm... Jedenfalls bin ich um halb sechs dann doch endlich zermürbt aufgestanden, hab sie in ein Tuch gepackt, und dann hat sie zehn Minuten die Welt bestaunt und schläft seitdem friedlich an meiner Brust. ICH bin jetzt natürlich ordentlich wach, denn vorher steh ich ja nicht auf... Bemerkt hier jemand eine Zwickmühle?
Verschärfend kommt hinzu: Ich bin ohne Frühstück quasi funktionsunfähig, und ich habe Hunger, sobald ich ordentlich wach bin. Reiswaffeln sind alle. Grmpf.
Pele
Jetzt hab ich mal richtig lang nix geschrieben und auch sonst null an der Seite gebastelt – dabei hab ich gleich mehrere spannende neue Bücher gelesen, Webprojekte weiterverfolgt und interessante Links gefunden. Aber die wichtigste Neuigkeit ist jetzt zweieinhalb Wochen alt, heißt Pele Sophie, und schläft aktuell friedlich auf meinem Arm (weswegen ich das hier alles einhändig tippern muss).
Und wie das Kinder, Babys im Besonderen, so an sich haben, ist sie ein einziges Wunder. Nur ein Beispiel: Seit Monaten weiß ich, dass ich die ersten drei Montage im Dezember zum Genetikkurs muss, komme was wolle (weil Umstellung auf Bachelor und sonstiger Hickhack). Errechneter Termin war der 3.12., ein Montag, aber Lara kam ja auch zwölf Tage nach ihrem Termin. Also hab ich mir mal den 11.12. (Dienstag) als idealen Geburtstag ausgeguckt, dann wären meine Chancen optimal, den letzten Kurs vor den Winterferien am 17.12. mitmachen zu können. Und wann kam sie? Am 12.12., ganz früh morgens. Ohne Zicken und in jeder Hinsicht maximal unproblematisch, aber zugleich unter irrwitzigen Umständen (zum Beispiel ein Brand im Bad). Und ich war ziemlich gleich wieder ziemlich fit und tauchte zum letzten Kurs wie angekündigt ohne Bauch auf. Super.
Dann bleibt nur noch zu sagen: Danke Wikipedia! Denn die Standesbeamtin, von der wir wirklich was gelernt haben, fand in ihrem Vornamenwälzer nur "Pelé" als spanischen Männernamen, den sie für ein Mädchen nicht hätte akzeptieren dürfen. Aber es gibt glücklicherweise noch viel mehr auf dieser Welt als Fußball, und sie hat bei Wikipedia auch Pele gefunden. Somit war der Name akzeptabel, und Wikipedia hat eine Spende mehr. :-)
(Für die Interessierten: hier, hier und hier (zweites Bild im Eintrag) gibt's Bilder und Geschichten von Pele. Äh, die andere, gell.)
mal eine Runde jammern
Es lässt sich einfach nicht leugnen. Ich leide seit Freitag an PHPD: Post-Harry-Potter-Depression. Der letzte Band war schööön, weitaus schneller fertiggelesen als ich gut finden kann, und jetzt ist es einfach vorbei. Nie wieder überlegen, wie es wohl weitergeht, nie wieder fieberhaft den nächsten Band erwarten... argh!
Ich verbringe also die Zeit, wo ich mich um meine Matheaufgaben drücke, damit, nach losen Enden und ungeklärten Fragen in einem der Bände zu suchen (bislang eins gefunden), Teile vom letzten Band nochmal zu lesen und etwas mumpfig zu sein, weil meine Schwester die anderen Bände hat. Was im Moment natürlich besser so ist, sonst würde das nie was mit den Matheaufgaben...
Und wo ich schon am Jammern bin: Ich bin dick wie ein Walfisch, schlafe schlecht und bin sowieso dauermüde, wache mit gemeinen Wadenkrämpfen auf, die den ganzen Tag nicht weggehen, und habe noch runde vier Wochen oder so vor mir. Jammerjammerjammer! – So, jetzt aber wirklich Mathe. Gute Nächte euch allen.
eine Frage des Blickwinkels
Am Freitag war ich bei Ikea. Da sträubt sich natürlich einiges in mir, aber manchmal geht Praktikabilität vor Ideologie. Jedenfalls habe ich mir da einen geräumigen, hohen Schrank gekauft, der auf den schönen Namen Pax hört. Und da der deutlich zu groß und zu schwer ist, um von mir alleine aufgebaut werden zu können, traf es sich gut, dass S. zur Hand war.
Wir schraubten also munter ein paar Dinge an das erste Seitenteil, die definierten, wo oben und unten sein würde und somit auch, ob es das linke oder das rechte Seitenteil war. Beim zweiten Seitenteil waren wir dann prompt verschiedener Ansicht diesbezüglich – S. hatte die Anleitung und vorher gesagt, das erste sei das rechte Seitenteil, also musste das zweite das linke sein. Folgerichtig musste ich das hinschrauben, was er gerade hinschrauben wollte. Ich war mir, natürlich, hundertprozentig sicher, und er sich natürlich ebenfalls, allerdings war er dann verwirrt, als er mir die Anleitung hinhielt, und so machten wir's so wie ich es für richtig hielt. Und – ganz klar – es war prompt falsch, und wir hatten plötzlich zwei gleich statt spiegelbildlich geschraubte Seitenteile. %-)
Woraufhin ich verwirrt feststellte, dass das erste Seitenteil meiner Ansicht nach ja auch gar nicht das rechte, sondern das linke gewesen wäre. Aber S. blieb dabei, dass er das schon alles richtig im Kopf gehabt hatte. Und schließlich musste ich so lachen, weil die ganzen Fragezeichen auf einem geradezu klassischen Kommunikationsproblem beruhten: Wenn S. einen Schrank aufbaut, steht er geistig davor, wie beim Anziehen. Wenn ich einen Schrank aufbaue, betrachte ich ihn, als wäre ich der Schrank, sprich als stünde ich innen drin. Und dann sind links und rechts natürlich vertauscht...
Und für uns beide war unsere eigene Sichtweise jeweils völlig selbstverständlich. ;-)
To France
Um hier endlich auch mal wieder was geschrieben zu haben: ich fahr jetzt eine Woche nach Frankreich aufs Loreley Witchcamp. Da freu ich mich schon ein halbes Jahr drauf, und die streikenden Lokführer machen auch in letzter Minute noch mit, yay! Wenn ich zurückkomme, wird die Welt anders sein (eine Erfahrung, die mir vom letztjährigen Feencamp deutlich geblieben ist), und dann wird hier mal bisschen aufgeräumt und aktualisiert. Ich bin grade in der Stimmung. Ach ja, und da es jetzt wohl so ziemlich alle wissen, die's betrifft: ich bin außerdem im sechsten Monat schwanger. Happy holidays to you!
Herbarium
... Es ist fertig!!!
Heute war Abgabetermin, und ich war sicher nicht einmal die Letzte, als ich mit Lara und meinen zwei hübsch beschrifteten Kartons die Lagerstätte studentischen Fleißes aufsuchte. 108 Pflanzen waren es zum Schluss, und es ist sogar möglich, dass 100 korrekte dabei sind und ich gar nichts nachliefern muss. (Zwischendurch konnte ich mal nicht zählen und kam immer nur auf 99, das hat mich kurzfristig ziemlich gestresst.)
Ich habe viel gelernt, nicht nur über Pflanzenbestimmung (sondern zum Beispiel auch über meinen persönlichen Dauerstresslevel und wie viel man in drei Wochen schaffen kann, wenn man unbedingt will), und ich finde, ich habe nicht nur einen Haufen Grünzeug gesammelt, sondern durchaus auch recht viel interessantes Grünzeug. Auf die Zweihäusige Zaunrübe (männliches Exemplar) bin ich zum Beispiel echt stolz, und auch auf den Kleinen Klappertopf, der mir ein ziemliches Rätsel war ("Häh? Lippenblütler oder was??") und den ich hier in der Gegend auch noch nie gesehen habe. Die Echte Hühnerhirse hätte ich ohne diese sehr schöne Seite vermutlich nicht korrekt bestimmen können, und meine geliebte Silberpappel (oder hier, aber eigentlich muss man sie live sehen) musste natürlich auch mit rein. Ich weiß außerdem jetzt, dass Walnussblätter auf der Unterseite sehr lecker riechen, und gehe seitdem kaum an einem Walnussbaum vorbei, ohne ein wenig zu schnüffeln. Der Bittersüße Nachtschatten (yay!) wird von mir zu DER Gothic-Pflanze schlechthin erklärt (sattlila, sattgelb, sattdunkelgrün, also optisch sehr schick, und knallrote Beeren. Alles giftig, natürlich, und schon allein der Name!), und auch wenn die Auswahl an weißen Doldenblütlern viel zu groß ist: den Gefleckten Schierling kann ich jetzt mit Sicherheit von allem anderen unterscheiden. Und die Wilde Möhre. Ach ja.
siebenundzwanzig
Und wieder ein Jahr vorbei. Was fällt mir dazu ein? Im Gegensatz zum letzten Jahr befinde ich mich ziemlich im Klausurenendstress, das wird mir auch den Rest des Abends noch vertreiben. Was mir aber deutlich auffällt: Nach außen hin war das der unauffälligste Geburtstag meines Lebens – Lara in den Kindi gebracht, bisschen aufgeräumt und geputzt, den vorletzten Botanikkurs irgendwie rumgebracht (wie üblich), Lara abgeholt – aber so von innen betrachtet hat der heutige Tag wirklich einen Unterschied gemacht. Ich hab es sogar geschafft, so für mich ein bisschen zu feiern, eine gelungene Mischung aus Geschenke auspacken und In-mich-gehen.
Nun ruft mich aber der Unikram wieder. Ähm, und mein AB. %-)
Sinnkrise
Wie jetzt, anderthalb Monate nix geschrieben?? Dabei wüsst ich wie immer so einiges. Aber ich stecke zur Zeit in einer ausgesprochen tiefen, langen, breiten und hohen Sinnkrise. Das ist ja ab und zu normal, aber die hier gestaltet sich echt zäh.
Ich meine: was mache ich denn eigentlich hier?? Wozu tue ich mir dieses total verkopfte, verschulte Studium voller Abifrischlinge, die sich einfach weiter durchs System schleusen lassen, unnützem Grundlagenkram und genervt-gelangweilten Profs mit entsprechenden Vorlesungen an? Will ich wirklich so die nächsten sieben oder acht Jahre meines Lebens gestalten? Wenn nicht, was will ich dann? Vom Büroalltag und 38-Stunden-Wochen hab ich immer noch die Schnauze voll.
Tja, so hadere ich grad vor mich hin, mache halbherzig ein Herbarium, hangle mich durch Prüfungen, verbieg mich und Lara, um die Kurse nachmittags besuchen zu können, und dabei sehne ich mich gerade einfach nur nach einem kleinen, feinen Erdhäuschen für mich und meine sieben Kinder sowie alle Leute, die noch dabei sein wollen, mit einem bisschen Feldwaldwiese drumrum, wo wir in Permakultur genug Getreide und Gemüse anbauen können, um uns zu ernähren. Mit einer Hängematte für draußen, kuschligen Fellen zum Schlafen, offenem Feuer zum Kochen und einem Steinofen fürs Brot, Kräuterbündeln überall an der Decke und sehr viel Zeit zum NICHTSTUN. Ach, wär's doch nur schon so weit...
(Übrigens: dieses Buch ist schuld. Auch.)
Barfußpfad
Am Wochenende war ich im Barfußpfad Tieringen, das war wunderschön. Ist einfach ein Pfad durch das Gelände, in diesem Fall Wiese mit Fluss und etwas Wald, der aus verschiedenen Sachen besteht, von Sand und Kieseln verschiedener Größe über Waldboden, Sägemehl, Matsch und Holzstückchen bis hin zu Backsteinen und dem Fluss. Geht wunderbar mit kleinen Kindern und ist ein bisschen meditativ, wie ein Labyrinth. Meine Empfehlung sei hiermit ausgesprochen.
Ein positiver Sexladen
... das wär doch mal was! Ich meine: im durchschnittlichen Beate-Uhse- oder sonstigen "Erotikshop" fehlt mir persönlich einfach das Gefühl, dass Sex etwas a) Natürliches, b) Erfüllendes, und c) ausgesprochen Spaßiges ist. (Jaja, im Idealfall, ich weiß.) Statt dessen erscheint Sex in "Erotikshops" primär schwarz, gummiert, überdimensional-monströs, püppig, einsam und verrucht – oder als Gegenstand schlechter Witze. Ich kann in diesen Shops eigentlich nur die ganze Zeit lachen, sonst zieht mich das total runter.
Das geht jetzt überhaupt nicht gegen Leute, die auf derlei Kram stehen. Was ich mir nur sehr wünschen würde, ist eine weitere Sorte Sexladen: einen, in den ich reingehen kann, einfach weil mir die Atmosphäre da so gut gefällt. Einen, der sich mit "ganz normalem" Sex beschäftigt. Einen, in den ich eine Tochter zur Initiation in die Pubertät (argh, noch ein Wort für die Mal-neue-erfinden-Liste) mitnehmen kann und eine Stunde rumhängen und reden. Kurz, einen Laden, in dem Sex etwas durchgehend Schönes ist (das muss die Kinky-Ecke übrigens nicht unbedingt ausklammern!).
Und was gäb's da? Alles mögliche:
- Massageöle, -bürsten, und was sonst noch glücklich macht
- auf jeden Fall das komplette Fun Factory-Sortiment
- eine Menge Bücher, die auch im Frauenbuchladen zu finden wären
- selbstverständlich The Guide to Getting It On, in mehreren Sprachen
- dann noch einige Bücher, die in letzterem empfohlen werden (und Videos)
- dann gäb's eine kuschelige Sofaecke
- das Thema Schwangerschaft müsste natürlich auch eine zentrale Rolle spielen, ideal wäre eine Hebamme im Haus
- ah, fast hätte ich's vergessen: Musik!
- ganz wichtig auch: Leute im Laden, mit denen man unbefangen und vertrauensvoll reden kann. Amen!
Ist doch 'ne ganz passable Liste für den Anfang. Ich werd das mal im Hinterkopf ausbauen, und wenn ich mit sechzig oder so nichts Besseres zu tun habe, dann taugt die Idee sicher noch.
egal wie's heißt, ich mag's nicht
Neulich beim Essen war Lara sehr alarmiert: "Mama iiieeeeh, da ist Spagat auf meinem Teller!!"
Ich hab mich fast weggeschmissen vor Lachen. Es war Bärlauch.
Verbiegungsalarm
Am Samstag war 5-Jahres-Feier von Freier Aktiver Schule und Aktivem Kindergarten, das war schön. Vor allem aber hatte ich einen äußerst tiefgreifenden Erleuchtungsmoment, wo mir mal wieder klar vor Augen stand, wieviel ich von Lara lernen kann – und wie schwierig es für mich teilweise ist, sie nicht zu verbiegen.
Lara hat seit ein paar Wochen einen richtigen Kindergartenfreund, den Silas. Der ist ungefähr ein Jahr älter als sie, sie hat ihn schon zweimal zuhause besucht, und überhaupt sind die beiden so süß, wie man sich das nur vorstellen kann. Sie ziehen sich gegenseitig auf Rollbrettern, erobern gemeinsam die Hochebene und sind einfach ein Herz und eine Seele. Meistens.
Nun spielten sie also am Samstag beim Fest zusammen auf und an der Hochebene, und Silas war sehr dagegen, dass ein fremdes Kind auch hochklettern wollte. Da war er dann auch recht deutlich und vehement. Lara ging irgendwann zum Kaufladen und spielte da, und Silas rief lang und anhaltend nach ihr, sie solle wieder raufkommen. Und was macht das verbogene, verzogene Muttertier? Ich ging zu ihr hin und sagte ihr, ob sie nicht wieder auf die Hochebene wolle, Silas würde nach ihr rufen. Keine Reaktion (was nicht ungewöhnlich ist). Als Silas fünf Minuten später immer noch rief und sie immer noch mit dem Kaufladen spielte, sprach ich sie nochmal an – da zog sie dann einen leichten Flunsch und sagte, mehr zu sich als zu mir, "ich mag jetzt aber nicht, ich will mit dem Kaufladen spielen".
Da ging mir ein ganzer Kronleuchter auf. Es ist einfach sowas von ihre Entscheidung, mit wem und mit was sie wann und wie spielen oder sonstwas machen will, und sie ist auch vollkommen in der Lage, diese Entscheidung selbst zu treffen. Mehr noch: sie kann das wesentlich besser als ich, denn Lara ist im Gegensatz zu mir noch frei von Vorstellungen, wie sie selbst zu sein hat und wie welche Sorte Beziehung auszusehen hat und was man tut und wie man sich benimmt und wie nicht. Für Lara zählt nur das, was ist, und auch nur das, was sie erfassen kann, also das, was für sie ist – außen wie innen.
Also, schreiben Sie hundertmal an die Tafel: Halt einfach mal die Klappe, und misch dich nicht ein. Lass dein Kind sein, wie es ist. Lass dich selbst sein, wie du bist. Lass den Rest der Welt sein, wie er ist. – Nicht zur Strafe, nur zur Übung!
Die Frau ohne Schuhe
Es wird ganz klar Sommer: Heute war mein erster Barfußtag. Ich nutzte also den strahlenden Sonnenschein, um noch ein paar Fotos für das Erddrachin-Zentrum zu machen, zeigte dann Lara den neu entdeckten Spielplatz am Haagtor, um nach einem pizzahaltigen Schlenker über das Eiscafé Esperia wieder Richtung neuer Heimat zu wandern. An der Ammergasse winkte mir eine Frau vom Beifahrersitz eines am Straßenrand stehenden Autos zu. Ich dachte, sie wollte mich vielleicht nach dem Weg fragen, aber als ich näher trat, kam sie mir seltsam bekannt vor... Und sie begrüßte mich mit "Haben Sie immer noch keine Schuhe an?"
Ich saß also mit ihr letztes Jahr im Flugzeug von Dublin nach Stuttgart, und in Stuttgart sprach sie mich an, ob mir nicht kalt sei und warum ich barfuß liefe, ob das spirituell begründet sei. Das war wesentlich netter als der Text (und Tonfall), den ich mir sonst meist von Fremden zu dem Thema anhöre, und sie ist mir in guter Erinnerung geblieben. Lara hatte da allerdings gerade ihren letzten Schreikrampf und hat sich daher kein bisschen erinnert. Und sie erzählte mir, dass sie heute aus einer der vielen Tübinger Kliniken entlassen worden war, ihre fast frisch entbundenen Siebter-Monat-Drillings-Frühchen allerdings noch in der Kinderklinik waren und sie daher die nächste Zeit jeden Tag in Tübingen wären. Ihr Mann kam noch dazu, den ich nicht wiedererkannt hätte, aber er sah meine Füße und lachte, "Ah, die Frau ohne Schuhe! Und mit dem gleichen Kopftuch." Was Zufall war. Jedenfalls war die Welt mal wieder winzig klein und ich hab mich sehr gefreut, sie zu sehen, vielleicht wird das in nächster Zeit ja noch öfter der Fall sein.
GMX und die deutsche Sprachin
Gerade stieß mir beim Aktualisieren meines GMX-Profils mal wieder sauer auf, dass ich als beruflichen Status zwar "Hausfrau/-mann" auswählen kann, aber ansonsten nur männliche Formen wie "Schüler", "Student", "Angestellter" undsoweiter. Das ist inkonsequent, was meinen inneren Korinthenkacker natürlich zutiefst zwickt, aber vor allem stört es mich als Frau. Ich bin nunmal kein Student, fertig aus. Ich werd das auch ganz sicher nicht auswählen, weil es FALSCH ist. Statt dessen bleibe ich weiter teilzeitbeschäftigt (auch nicht so verkehrt) und gespannt, ob und wie (und wann) GMX auf meine kurz gefasste, höfliche Mail reagiert.
Und wer jetzt sagt, die ständigen Innens nerven und deutsch ist halt nunmal 'ne blöde Sprache, fühl dich mitgemeint, da sag ich nur: nene. Für die gravierende Frauenfeindlichkeit der deutschen Sprache kann ich nichts, und ich muss überhaupt nicht akzeptieren, dass es so ist, und nichts daran ändern wollen. Wer was von mir will, soll sich die Mühe machen und mich explizit ansprechen. Ich fühl mich einfach nicht mitgemeint. So ist das.
Wer sich mit dem Thema weitergehend beschäftigen möchte, kann zum Beispiel mal bei den Frauensprache-Artikeln stöbern – finde ich immer wieder erkenntnisreich und ermutigend.
Sammelaugust
(Astrid Lindgren forever!)
Fast ein Monat seit dem letzten Eintrag, und ich hätt auch so viel im Kopf. Trotzdem werd ich hier nur grob sammeln, was mir in den letzten Wochen so begegnet ist – ordentliche Beiträge gibt's erst wieder, wenn ich hier vollends eingezogen bin.
Viel Stoff wird sicherlich mein neuer Alltag mit Frau M. in unserer chaotischen Zweieinhalb-Radikalfeministinnen-WG hergeben. Bis jetzt sind Lara und ich hier rundweg glücklich und zufrieden, sie kriegt immer selbstgemachten Joghurt, ich genieße solch wunderbare Dinge wie Apfel-Bärlauch-Quiche, und der Kindi ist nur noch wenige Busminuten entfernt. Happy happy!
Außerdem tauchte recht plötzlich jemand in meinem Leben (wieder) auf, mit dem ich zum Loreena McKennitt-Konzert gehen kann – das sagt eigentlich schon alles, was sich in Kürze überhaupt sagen lässt.
Cast your eyes on the ocean
Cast your soul to the sea
When the dark night seems endless
Please remember me
Und noch mehr Dinge strömen in mein Leben... etwas Arbeit, und damit Geld; unerwartete Anfragen mit unerwarteten Ergebnissen; und eine Unmenge wundervoller Möglichkeiten, diverse Wochenenden in nächster Zeit zu verbringen. Ein Hexenzirkel-Treffen, eine Inifreizeit von Kindi und Schule, 5 Jahre Kindi plus Tag der offenen Tür, Ostarafeier, und Kultur in Form eines Besuchs der Dreigroschenoper im LTT alles an einem Wochenende... undsoweiter. Ui :-)
Oh, und ich war shoppen mit einer lieben Freundin, unter anderem bei Lush, und seitdem schwärme ich allen Leuten von meinem Each Peach vor. Nach Bearbeitung einer größeren Fläche damit riecht man zwar wie ein Zitronenbonbon :-D aber es ist seeehr lecker und seeeehr wohlfühlmäßig. Abends eine Fußmassage damit – wunderbar. Kann ich nur empfehlen.
Tja, aber sonst fällt mir schon gar nicht mehr ein, was mir so alles begegnet ist. Vielleicht später. Die Hauptbotschaft lautet: das Leben ist so schön!
Klausuren
So, zwei Drittel geschafft. Übermorgen um diese Zeit befinde ich mich auf dem Weg zur letzten Klausur (Chemie), und ich werde genauso vorbereitet sein wie auf die letzten beiden: gut, aber nicht gründlich. Glücklicherweise habe ich mittlerweile auf wundersame Weise meine alte Einstellung "sind doch nur Zahlen" wiedergewonnen, so dass mich die Ergebnisse nicht mehr so brennend interessieren wie noch vor zwei Wochen. Es ist nunmal so, dass Noten nur sehr bedingte Aussagen darüber machen können, was man wirklich gelernt hat, so fürs Leben und so. Und vor allem darüber, was jemand damit anfängt oder anfangen kann.
Also Zeit für eine Prioritäten- und Blickwinkeländerung (oder was heißt, die kam/kommt einfach so). Heute werde ich erstmal meinen Schreibtisch aufräumen – lies: von Zoologiekram befreien – und, ja, lernen. Mir abends lecker Blumenkohl machen und hm, ich glaube ich habe Lust spazierenzugehen. Ohne Sauerstoffzufuhr geht sowieso nichts im Kopf, das hab ich gestern nicht nur studiert, sondern auch erfahren. ;-)
Übrigens: Ich habe (leider nur) eine CD von Suzanne Vega, die Solitude Standing. Ich erinnere mich noch, dass ich sie beim ersten Hören in keiner Hinsicht bemerkenswert fand – klar, Tom's Diner kannte und mochte ich schon, ebenso Luka, aber der Rest blieb irgendwie nicht hängen. Jetzt habe ich sie wieder rausgekramt, und je länger ich sie höre, desto mehr empfinde ich jedes einzelne Lied als leuchtendes Juwel. Wirklich wirklich schöne Sachen dabei. Vor allem Gypsy. Und Ironbound Fancy Poultry. Und Solitude Standing. Und... %-)
Luxustag
Für 'nen Montag hatte ich's heute echt luxuriös. Montage sind tendenziell ziemlich anstrengend, weil Lara am Wochenende zur Zeit immer woanders ist und dann dank völlig gestörtem Schlafrhythmus Sonntag abends erst spät bis sehr spät einschläft. Das heißt, ich muss sie Montag morgens nicht zu spät wecken und dann nach dem Kindi den ganzen Mittag über wachhalten, damit sie abends früh schläft und der Schlafrhythmus wieder einigermaßen stimmt. Wenn ich den Montag versiebe, ist erfahrungsgemäß die halbe Woche so gut wie gelaufen. Also Quengeltag.
Was es noch ein bisschen schlimmer macht: Montag mittags hat einfach alles zu. Das Café Nepomuk zum Beispiel und die Stadtbücherei, und das ElKiKo macht auch nix. Also wirklich nicht ganz einfach. Heute aber kriege ich um halb eins einen Anruf aus dem Kindergarten, Lara wolle ein anderes Kind besuchen. – Häh?! Ich hab kurz dumm geguckt, aber ich schätze, an Hin-und-Her-Besuche meines Töchterchens muss ich mich recht schnell gewöhnen (ich sollte wirklich eine Aufräumroutine entwickeln). Das war heute aber sehr willkommen, verschaffte es mir doch drei zusätzliche Lernstunden für die morgige Klausur.
Und danach gönnten wir uns noch ein Buch und ein Tarotdeck (respektive) in einem Buchladen in Totalreduktionsphase sowie eine Schoki mit Sahne beziehungsweise eine fair gehandelte Zotter Trinkschokolade mit Rum aus kontrolliert biologischem Anbau (mjam!) im montags regelmäßig von uns frequentierten Café im Hirsch. Jetzt schläft Lara selig, und ich werde noch einen letzten Rest Botanik studieren und auch ins Bett gehen. Juppi.
Mama kann nicht gucken
Gestern waren wir, wie öfter donnerstags, im ElKiKo beim offenen Café. (Übrigens, um einwerfenderweise etwas Werbung zu machen, gibt es dort freitags von 15:30-17:30 Uhr einen englischsprachigen Treff mit ziemlich wenig Leuten, weil kaum jemand davon weiß.) Lara hat sich friedlich in die Ecke gesetzt und gemalt, so dass ich ein paar Chemieaufgaben rechnen konnte, und als es dann Zeit war zu gehen, flitzte sie ganz aufgeregt in die Malecke: "Mama, ich will des mitnehmen, des was ich gemalt hab!" Als teilnehmende Mutter hab ich dann natürlich geguckt (weißes A4-Blatt, nicht zu überfüllt bemalt, und fast so viel Bleistift wie lila Buntstift) und gefragt – "Na Mause, was hast Du denn da gemalt? Was ist denn das?" Und mein Kind guckt mich kurz an und dann wieder aufs Blatt und sagt "Ähmmmmm... so Striche! So graue und lilane!"
Ich verspreche, ich werde nicht wieder so dämliche Fragen stellen. %-)
normal, anders oder anders anders?
Ich hatte schon ewig nicht mehr bei Thorn Coyle vorbeigeschaut, und gerade zog es mich mal wieder hin. Und wie jedes Mal finde ich in ihren Texten things of value, viel Klarheit, Ansichten mit deutlichem Bezug zu meinem eigenen Leben, und so viele hilfreiche Gedanken. Permanent genickt habe ich beim Lesen von Freaks come out, wo sie erzählt, wie sie schon immer "anders" war, schließlich einsah, dass daran eh nichts zu ändern war, und sich dafür entschied, so eben zu sein. Wie aus den Kommentaren hervorgeht, gibt es eine ganze Menge von Leuten, denen sie damit aus der Seele spricht, ich zähle mich ebenfalls dazu. Allerdings war es für mich eher so, dass nicht ich anders war als die anderen, sondern die anderen anders als ich.
Daher habe ich nie auch nur ausprobiert, mich anzupassen, ich bin einfach nicht auf die Idee gekommen. Das Verhalten anderer Leute war nie ein Maßstab für mein eigenes. Ich schiebe diese im Rückblick für mich bemerkenswerte Tatsache zum einen auf Ignoranz, vor allem als Kind, und später mehr auf eine gewisse Arroganz. Was ging mich der Rest der Welt an? Was interessierten mich Normen? Die gab es halt. Und? Ich rebellierte nicht dagegen und hielt mich an vieles, aber nicht weil es Norm war, sondern weil ich das in dem Moment für mich wollte. Andere Dinge kamen für mich nicht in Frage, auch wenn mich alle schräg ansahen.
Ich bin mir noch nicht sicher, inwiefern ich wirklich arrogant – "überheblich" – bin und inwiefern ich das selbst nicht gut finde, aber es hat mich definitiv vor einem gewissen Kindheitstrauma bewahrt, und daher kann ich es auf jeden Fall schonmal nicht ganz schlecht finden.
PS: Ein feines und durchaus passendes Zitat von Thorn findet sich in diesem Text: Strong people make better lovers.
ewiges Glücksbärchi!
Was ich Ende November zum Thema Geld-Energie-Korrelation geschrieben hatte, bestätigt sich einmal mehr auf geradezu wundersame Weise: Von gleich zwei vollkommen unerwarteten Seiten ereilten mich Anfragen, ob ich Zeit und Lust hätte auf jeweils einen Kurzjob (übersetzen und Excel verständlich machen), gegen Bezahlung versteht sich, beide hatten's eilig. Ich muss aber zur Zeit alles und jeden auf frühestens Ende Februar vertrösten, weil Klausuren nunmal vorgehen, und beide sagten das sei ok.
Ist das nicht total schräg? Und ein recht schnell manifestierter Energieschub obendrein. Na mir soll's recht sein – ich hab Lust auf beide Jobs, und jetzt hab ich auch einen guten Anlass, mal beim BAföG-Amt nachzufragen, inwiefern bzw. eher in welcher Form ich solche Sachen melden muss und vor allem, wieviel Geld ich zusätzlich bekommen darf, ohne dass es bürokratisch anstrengend wird. Und so.
Davon abgesehen wäre da noch das Dauerhoch seit gestern zu erwähnen, seitdem ich weiß, wo wir im März hinziehen. Und ja, es ist weit entfernt von dem, wovon ich geträumt hatte, und es birgt zudem große Chancen auf, hm, Spannungen. Aber ich bin trotzdem völlig verzaubert und fühle mich reich beschenkt, und außerdem beschleicht mich das leise Gefühl, dass es genau das ist, was ich brauche. (Oh oh.)
So, jetzt ess ich noch den Rest der Portion Kässpätzle auf, die mein Lieblingskoch (= Papa) mir zugesteckt hat und wovon ich nochmal eine im Kühlschrank habe – MJAM – und mache mich wieder ans Lernen. Habt einen mindestens so runden Wohlfühlabend wie ich.
kommt drauf an
Auf den Hinweis, dass der frisch gespülte Inhalt meiner Küche gerade recht zufällige Wege in diverse Schränke fände, meinte ich, "kein Problem, ich bin da nicht so". Das musste ich im nächsten Atemzug allerdings sofort relativieren: es stimmt nämlich einfach nicht in allen Fällen. Wenn zum Beispiel meine Mam, auch wenn sie's gut meint, gerade zur Tür hereingekommen ist und die Zeit nutzt, in der ich noch am Telefon hänge, um meine Küche nach Gutdünken aufzuräumen, dann kriege ich einen regelrechten ANFALL. Wenn hingegen jemand so als Teil eines Tagesprogrammes mich Chemie lernen schickt und währenddessen spülen geht (was zudem bedeutet, dass ich wannanders noch mehr Zeit zum Lernen habe, weil ich ja nicht spülen muss), dann ist es mir echt egal, ob ich nachher einen Topf bei den Kartoffeln finde.
ARGH
Also, ich schreibe hier gerade so wenig, weil ich zwar einiges zu sagen hätte, aber zeitlich wie auch gedanklich blockiert werde. Zum Beispiel von meiner eigenen Unfähigkeit, eine simple Algebragleichung mit zwei Unbekannten sowohl zu erstellen als auch zu lösen. Dabei war sie wirklich nicht schwierig, jedenfalls nicht mit einem Taschenrechner und hilfreichen Leuten in netten Foren! Aber sie hat mich zwei Tage, mehrere Tassen Tee und eine Menge Nerven gekostet und dabei noch drei (naja zweieinhalb) ebenfalls ratlose Gesichter hervorgebracht. Hey, Gleichungen mit zwei Unbekannten haben mir in Mathe früher Spaß gemacht!!
Das Dumme an der Sache: ich lerne ja gar nicht Mathe, sondern Chemie. Und das eigentlich auch primär, um Botanik zu verstehen...
Sonnenfest
Passend zur Sonnwende begrüßten uns heute morgen leuchtend orangene Strahlen, die gerade so durch die nach Nordost gelegenen Fenster hereinwinkten. Ich wurde allerdings schon vorher um sieben gezwungen, das Bett zu verlassen, weil Lara scharf auf den heutigen Inhalt ihres Adventskalenders war und sie die Päckchen nicht alleine aufkriegt. Heut war Schoki drin, und das hatte sie dem Päckchen schon angesehen...
Den Adventskalender hat übrigens die Oma gebastelt – nicht ich. (Oh nein.) Bei all dem Süßkram seh ich ihn positiv: Lara kennt jetzt sehr genau den Unterschied zwischen heute und morgen und auch zwischen eins und zwei (Zitat: "Jetzt ist schon morgen!" oder "Ich darf zwei aufmachen, ja?"), und vor allem hat sie morgens einen Grund aufzustehen. Sonst ist sie ja, genau wie ich leider auch, so 'ne Nochmal-kuscheln-Maus, aber bei dem Gedanken an den Kalender hüpft sie richtig aus dem Bett. Also gut.
(Abstecher: einen sehr schönen Adventskalender hat dieses Jahr die Wetterdistel bekommen. Mit dem 1. Dezember fängt's an.)
Ich wünsch euch also ein schönes Julfest. Falls ihr das feiern möchtet und noch nicht wisst wie, schaut doch mal bei Global Orgasm vorbei. Make love not war!
Abschied 4: windelfrei!
Zur Abwechslung mal ein Abschied, den ich als sehr angenehm empfinde – Schluss mit den Windeln! Das war ganz lustig bei Lara, sie besteht nämlich schon seit dem Sommer irgendwann darauf, nachts (meistens) nackt zu schlafen, und zwar ganz nackt. Das klappte auch immer einwandfrei, solange sie bei mir im Bett lag – bei meiner Schwester war die Windel unumgänglich. Bis sie allerdings das Töpfchen so richtig entdeckte, dauerte es noch geraume Zeit. In Mallorca hat sie sich dann sehr schnell dran gewöhnt, und seitdem brauchten wir nur noch eine Windel für die größeren Angelegenheiten. Da kam sie dann mit einem halb geflüsterten "Mama, ich muss eine Windel anziehen" – "Magst vielleicht aufs Töpfchen gehen?" – "Nein, ich muss eine Windel anziehen, eine mit den Elefanten!" Na gut...
Aber am Samstag abend fanden wir uns plötzlich ohne Windeln wieder, ich hatte mangels Gebrauch vergessen welche einzukaufen – und auf einmal war das Töpfchen auch für die Stinkies akzeptabel. Seitdem flitzt sie ganz von selbst mit einem fröhlichen "Ich muss ein Stinkie machen!" ins Bad und erledigt das alles eigentlich ganz alleine. Beim Aufräumen helfe ich ihr allerdings, wer weiß wo das sonst landet... Und ich schmeiß mich jedesmal weg, wenn sie die Spülung drückt und sowas ruft wie "tschüs Pipi, ich bin schon weg!" :-D das ist zu putzig!!
Also hat das Ganze etwa einen Monat gedauert, seit sie sich mit dem Töpfchen angefreundet hat, und es klappt wirklich sehr zuverlässig und reibungslos (mit einem kleinen Durchhänger von ein paar Tagen), egal ob wir unterwegs sind, oder auch im Kindi oder bei der Tagesmutter. Was bin ich stolz.
verpasst
Vorhin war ich mit Lara noch eine Runde in der Stadt, auf dass sie sich ein bisschen verausgaben kann, nachdem sie mittags mal wieder eingepennt ist. Das war schon ziemlich anstrengend (es ist immer anstrengend, alleine mit einem munteren, neugierigen, hemmungslos aktiven Kind bummeln zu gehen). Jedenfalls erwischten wir dann wie üblich den Bus, der am längsten bis zu uns hoch braucht, und ich hasse es, mit Lara länger als zehn Minuten im Bus zu sitzen, weil sie irgendwann anfängt herumzuklettern und den Gang entlang zu laufen, rauf auf einen Sitz und wieder runter, rauf auf den nächsten undsoweiter... Das nervt, wirklich. Und es ist sehr oft jemand dabei, der oder die mindestens doof guckt (ein "kümmern Sie sich besser um Ihr Kind" hab ich auch schon zu hören bekommen).
Jedenfalls... wir saßen anfangs gleich vor der Faltenerweiterung mit Blick gegen die Fahrtrichtung, und sechs Sitze weiter fiel mir jemand ins Auge, der entweder höchst seltsame Grimassen schnitt oder drauf und dran war loszuheulen. Ich bin sicher, dass es letzteres war. Und bilde mir ein, etwas damit zu tun gehabt zu haben – oder vielleicht ist ihm auch nur aufgefallen, dass er mir aufgefallen ist. Ich hab ja dann so 'nen Mütterlichkeitsreflex... aber andererseits bin ich auch schüchtern.
Also bugsierte ich Lara und mich im recht vollen Bus auf die beiden freien Plätze vor ihm. Das hat gedauert. Eine Frau, an der wir vorbeikamen, hat auch irgendwas von "anschnallen" geredet. Und dann hatte ich gerade meinen Schweinehund soweit eingepfercht, dass ich mich umdrehen und ihn ansprechen wollte... da stieg er aus. Und die Frau auch.
Tja, zwei Chancen auf einmal verpasst: die Frau hätt ich gern ein wenig angepfiffen, einfach nur um auch mal meine angestaute Laune irgendwo an einem mehr oder weniger unschuldigen Ventil rauszulassen, und was mit ihm war, wird mich sicher noch eine ganze Weile beschäftigen. Habe selten jemanden so öffentlich und gleichzeitig so still und leise zehn Minuten mit den Tränen kämpfen sehen.
Rebellion
Ehrlich, wenn ich eine bessere Alternative hätte, ich würde nicht mit Kind alleine leben. (Auch nicht ohne, aber mit ist es noch viel schlimmer.) Das verlangt von mir eine Hundertprozentigkeit, die kein normaler Mensch leisten kann – Hut ab vor alleinkämpfenden Müttern von vier Kindern! Und ich hätte wirklich schon genug, wenn ich nur selber klarkommen müsste. (Andererseits, das gebe ich ja zu, gehöre ich durchaus zu den Leuten, die ohne irgendeine Form von Druck nur sehr selektiv Leistung bringen.)
Jedenfalls rebelliert Lara gerade ziemlich häufig, natürlich vor allem dann, wenn ich es eilig habe und sowieso schon auf der Kante sitze. Das nehme ich ihr nicht krumm, weder dass sie rebelliert, noch dass sie gegen mich rebelliert. Aber es ist unendlich anstrengend, das als Einzige abzukriegen. Das fand ich schon zu zweit oft herb, und da hat's mich nicht so getroffen. Und ich weiß keine gute Lösung, weil die Schuld meiner Ansicht nach weder sie noch mich trifft, sondern einfach unsere Situation nicht zu uns passt.
Würden wir mit anderen Kindern und Erwachsenen zusammenleben, wäre die Lage ganz anders, das glaube ich sicher. Streiten üben könnten die Kids großteils unter sich (mittlerweile glaube ich, das ist mindest ebenso wichtig wie miteinander spielen – schätze es sind zwei Seiten vom miteinander Umgehen), und es gäbe viel mehr verschiedene Arten, Konflikte zu lösen. Und wir müssten nicht ständig rechtzeitig irgendwo sein, weil ich nicht für jede halbe Stunde, die ich irgendwo hinwill, Lara wiederum irgendwo unterbringen müsste. Und sie könnte einfach mal jemanden anders anrebellieren, und ich könnte zur Abwechslung einfach mal eines anderen Kindes Macken ertragen. Das wär schon ziemlich cool.
Flow
Entsprechend dem, was ich in meinem gestrigen Post geschrieben habe, kam mir Kunde von einer ganz unerwarteten Einnahmequelle zu Ohren. Woraufhin ich heute das Sozialamt aufsuchte, wo ich komplett falsch war, aber: genau gegenüber ist das Büro von TÜaktiv, wo ich schonmal im Vorbeilaufen dachte, das müsste doch was für mich sein. Ist es auch, ich hab gerade schon in der Marktzeitung vom Tauschring gestöbert und hab jetzt richtig Lust mitzumachen.
Sehr schön war auch der Besuch im Bürgeramt, nicht nur weil die dort sehr nett sind, sondern auch, weil ich von einem Aufkleber "nette Toilette" mit Wickeltisch und behindertenfreundlich begrüßt wurde. Außerdem wird dort Recyclingpapier verwendet, und es gibt eine Sammelstelle für alte CDs. Find ich echt gut.
Geld-Energie-Korrelation
Ich hab das schon des öfteren überlegt, aber zur Zeit fällt es mir ganz extrem auf: Es scheint zumindest bei mir eine deutliche Beziehung zwischen vorhandener Energie und vorhandenem Geld zu geben, und zwar zeitlich versetzt. Ich kann sagen, ein Mangel oder ein Überfluss an Energie zieht mit etwas Abstand einen entsprechenden Mangel oder Überfluss an Geld nach sich.
Zum Beispiel 2003 bis Anfang 2005. Da hatte ich jede Menge Energie, habe mich oft gefühlt, als könnte ich Bäume ausreißen und die Welt aus den Angeln heben. Entsprechend hatte ich gegen Ende 2004 bis gegen Anfang 2006 zu jedem Monatsende mehr Geld auf dem Konto als zu Anfang, und ich habe gewiss nicht gespart. 2005 ging's mit der Energie exponentiell bergab, bis ich so im letzten Sommer den Tiefpunkt meines Lebens erreichte, und im Laufe dieses Jahres zog dann langsam aber sicher das Geld nach, so dass ich jetzt täglich mehrere Pleitegeier über mir kreisen sehe. (ARGH.) Meine Energie manifestiert sich quasi direkt in meinen Finanzen.
Deswegen stresst mich die momentane Lage aber schon wieder nicht so – energetisch geht es mir nämlich schon wieder viel besser, und ich hoffe und denke, dass sich das auch mit entsprechender Geschwindigkeit auswirken wird. Hat noch jemand ähnliche Beobachtungen gemacht?
PS: Habe endlich, endlich wieder Internet zuhause, d.h. die nächsten Tage werde ich hier vermutlich eine gewaltige Gedankenflut ausbreiten und neue Infos megabyteweise hochstellen. ;-)
Abschied 3: Novembernächte
19.11.2006
Mit Samhain hat's angefangen. Eine zauberhafte Nacht voller Wind und Sehnsucht und Ahnung, ich habe abends noch ein Mobile aufgehängt, bin gereist, viel Auto gefahren und habe am nächsten Tag meinen Schlüssel von Neckarhausen abgegeben. Seitdem verbringe ich die meisten Abende damit, unruhig durch die Wohnung zu geistern, während Lara schon schläft, und ich spüre diese dunklen Tage wie nie zuvor. Abschied, Altes gehenlassen, aufgeben. Und wie nie zuvor warte ich auf Jul, auf die Sonnwende, oder vielleicht wartet sie auch auf mich.
Die Tränen verstecken sich irgendwo, manchmal kommen ein paar raus. Manche Wunden bluten nicht und tun ganz leise weh, aber anhaltend.
Internet! Internet! INTERNET!!
Ich fasse es nicht. Es ist zu schön um wahr zu sein... nach knapp zwei Stunden Gebastel (und wesentlich mehr Vorarbeit) mit alten Disketten, von netten Kommilitoninnen geliehenen USB-Sticks und einer wirklich guten PDF-Anleitung hab ich jetzt einen Netzzugang an der Uni mit meinem Läppie. Ja wie genial ist denn das?!? Und wieso, zum Teufel, hab ich das letzte Woche so absolut nicht hinbekommen?
Jetzt werd ich erstmal mailen... und surfen... und Vorlesungsfolien runterladen... und ähm, auf keinen Fall die Zeit verpennen, ich muss nämlich noch nach Hause, bevor ich Lara vom Kindi abhole. Ah, da schreib ich gleich auch noch kurz was.
Lara wieder da
Nach elf Tagen Mallorca ist Lara seit Montag nacht wieder da. Um halb elf hab ich Teile meiner Großfamilie vom Flughafen abgeholt, nach Stuttgart und Nürtingen gebracht und bin dann mit Kind nach Tübingen, wo wir so gegen Mitternacht aufschlugen. Lara hat sich sehr gefreut mich zu sehen, hat 'ne Menge Quark erzählt und ist im Auto nach zehn Minuten Quasseln (falls überhaupt so lange) quasi von hundert auf null – flupp – eingeschlafen.
Als ich sie zuhause aus dem Autositz genommen habe, ist sie natürlich wieder aufgewacht, obwohl sie sonst wirklich alles verschläft :-) aber das war ganz gut, da hat sie ein bisschen die Wohnung angeguckt, wir konnten die patschnasse Windel noch ausziehen, und wir sind dann auch ratzfatz beide eingepennt.
Ja, und Dienstag morgen hatte ich meine Vorlesungen in weiser Voraussicht schon gar nicht eingeplant, und im Kindergarten auch Bescheid gesagt, dass wir sicher erst Mittwoch kämen. Da ist sie doch als allererstes aufs Töpfchen gegangen – selber. Das hat in Mallorca anscheinend sehr gut funktioniert, bis jetzt ließ sich das auch durchaus übernehmen. Und sonst haben wir die Wohnung angeguckt und den Spielplatz hinterm Haus, und sie hat ihre Schere wiederentdeckt und die Air Berlin-Buntstifte ausgepackt, ich hab's in dem ganzen Durcheinander sogar geschafft, das Allermeiste von ihren Sachen auszupacken und aufzuräumen... Und irgendwann wirft sie sich in meine Arme und drückt mich ganz fest, Kopf an eine Seite geschmiegt, guckt mich nach einer Weile an und sagt "nochmal" und drückt den Kopf an die andere Seite... Das war sehr schmusig, sehr lieb und sehr schön. Minutenlang so gedrückt zu werden, ganz ohne Worte (außer mehrfachem "nochmal").
Kurz zusammengefasst kann ich sagen, dass Lara die lange Trennung viel lockerer genommen hat als ich, sich ganz zuhause fühlt in der neuen Wohnung, und als ich sie heute in den Kindi gebracht habe, war der Abschied wieder wie gewohnt: theaterfrei ein kurzes Tschüs, und nicht mal ein Küsschen. Uff.
zwischendurch
Hab immer noch kein Internet zuhause, deswegen schreib ich auch nix, obwohl mir viel einfallen tät. Aber baaaald – hatte heute eine supernette Begegnung mit der Inhaberin eines WLANs mit Reichweite in mein Arbeitszimmer. Juhu! Des weiteren eine mindestens ebenso nette und erfreuliche Mail von einer lieben Menschin aus alten, alten Zeiten. Und Lara kommt heute abend aus Mallorca zurück. Alles in allem: ein wunderschöner Tag.
Abschied 2: Goodbye M.
Du willst nichts hören, also sage ich nichts.
Nachtrag
Es ist nochmal diese Trotzdem-Freunde-Sache. Manchmal geht es nicht, oder die Mühe wird zu groß, das ist in Ordnung so. Aber wie sagt man das der anderen? Wie wär's mit einem Anruf... "Du, können wir uns mal auf 'ne Tasse Tee treffen? Vielleicht im [Café_Name]?" (Da wären schon zwei deutliche Hinweise drin.) und dann ein Gespräch anfangen mit "Hey, mir sind da ein paar Sachen zu Ohren gekommen, also was du in letzter Zeit so machst, damit komme ich echt nicht mehr klar. So kann ich nicht (eng) mit dir befreundet sein." Und dann könnte man eine Runde konkret und vorwurfsfrei über das Problemthema diskutieren, und wenn es schon tatsächlich alles so ist wie angenommen und die Weltanschauungen zu verschieden bleiben, dann fühlen sich doch beide mit Sicherheit hinterher besser.
Die weniger schöne Lösung ist in meinen Augen eine Mail, deren Vorwürfe auf einem vollkommen unangesprochenen Thema beruhen und die abschließt mit "Freundschaft gekündigt". Für das Ende einer Freundschaft ist mir das ein bisschen zu einseitig.
Aber immer noch besser als einfach gar nichts mehr sagen. :-(
Ein Zuhause!
Jetzt hat die Rennerei also endlich ein Ende. Mietvertrag unterschrieben, funktionierender Alltag für November (bis Ende Februar) gesichert. Und noch ein bisschen mehr als das: es ist tatsächlich ein Ort, an dem wir zuhause sein können (im Gegensatz zu dem besseren Studentenloch, in dem ich gerade diese Zeilen schreibe).
Gestern noch war ich tief enttäuscht von der Welt und kämpfte mit einer Mischung aus Depressionen, Bitterkeit und Existenzängsten, denn in ganz Tübingen wollte uns niemand haben. Explizit uns, denn das entscheidende Kriterium war fast immer Lara. WGs wollen keine Kleinkinder, nicht mal die alternativen. Wohnungen sind innerhalb von wenigen Stunden vergeben. Und gestern schließlich hörte ich in einer zauberhaften Wohnung zum Verlieben, dass man seit sechzehn Jahren ausschließlich an Einzelpersonen vermiete und damit immer gut gefahren sei. Aber wissen Sie, es ist nicht so, dass wir nicht kinderfreundlich sind.
Naja... und dann war ich durch seltsame Schicksalsfügungen im Haus Lichtenstein, hab lecker gegessen, mich gut unterhalten und mich sehr wohl gefühlt. Und gewusst, dass eine der anderen beiden den freien Platz bekommt. Und das war dann okay, was mich irgendwo erstaunt. Nach all dem Suchen und Fast-Verzweifeln eine kuschlige Gemeinschaft, die explizit Platz für Leute mit Kindern hat, und ich bin nicht traurig, weil sie nicht mich genommen haben? Schon komisch, aber so ist es. Ich versuch's nochmal, wenn das nächste Mal ein Platz frei wird, und vielleicht ist es erstmal ganz gut so. (Ich glaube ja daran, dass es immer so wird, wie es das Beste ist. In ein paar Wochen kann ich da vielleicht mehr dazu sagen.)
Ja, und nun haben wir eine hübsche 2-Zimmer-Wohnung in einem Haus mit vielen anderen Kindern, wo ich auch schon zwei drei Leute kenne, mit Garten, einer schicken, wohlausgestatteten Küche und luxuriös viel Platz. Von der Lage her nicht schön und auch nicht sehr geschickt, aber ich beschwere mich überhaupt nicht. Schließlich ist schon der Sechsundzwanzigste. :-)
Außerdem geht es mir jetzt sowas von gut – ich wusste ja, dass mich das Ganze stresst, aber ich habe immer noch solche Unmengen zu tun und auf die Reihe zu kriegen, dass ich erstaunt bin, wieviel wohler es mir jetzt wirklich ist. Bin mal gespannt, wie das dann im Januar/Februar mit der nächsten Wohnungssuche wird...
Mama, Mama
Ich kann's ihr echt nicht verdenken, aber anstrengend ist es trotzdem. Nachdem wir ja zur Zeit in einer großen dicken langen Übergangsphase stecken, hängt sich Lara an die momentan einzige für sie erkennbare Konstante: mich. Den "Kindi" zum Beispiel mag sie sehr gerne, aber ich kann sie noch nicht alleine dort lassen, nach drei Besuchen. So kenne ich sie echt nicht. Naja, vielleicht kann ich das heute mal für zweieinhalb Stunden probieren, Zoologie würde ich ungern verpassen.
Und jetzt mag ich noch ein klein bisschen jammern: es betrübt mich, wieviele WGs grundsätzlich keine kleinen Kinder haben wollen, ohne diese zu kennen. Ich hab schon überlegt, was ich gerne hätte (und sofort machen würde, wenn ich damit nicht so allein auf weiter Flur stünde), ist eine Nachhaltigkeits-WG. Wo Kinder ein POSITIVES Auswahlkriterium wären, Nichtrauchen selbstverständlich, und Umweltbewusstsein auch. Das wär doch was. Ich kann das schon richtig vor mir sehen: ein Haufen netter Leute in einem kleinen Häuschen mit Garten, jede streicht ihr Zimmer, wie sie lustig ist, das ganze Haus ist ziemlich bunt, und einmal wöchentlich gibt's eine abendliche Diskussionsrunde mit viel Tee. Hat da denn überhaupt gar niemand außer mir Lust drauf??
besser, viel besser
Ich habe gerade die Küche aufgeräumt. Bislang hatte ich, da ich hier sowieso nur noch bis Ende des Monats wohne, da keinerlei Ehrgeiz, irgendwas irgendwie sauberzuhalten. Hier stehen zwei Umzugskartons, Klamotten liegen wild verteilt zusammen mit Kinderbüchern und zerschnipselten Taschentüchern ("wo is die Schereeeee?") größtenteils auf dem Boden rum. So is. Kein Bock.
Aber gerade eben habe ich die Küche aufgeräumt. Alles abgespült (was nicht viel aber dringend nötig war), die Arbeitsplatte geputzt, Zeug in Schränke geräumt, auch wenn sich's kaum lohnt, den Müll rausgebracht, und den Boden gefegt. Wenn ich nicht nur Schaufel und Kehrwisch zur Verfügung hätte, würde ich beim Rest der Wohnung gleich weitermachen, und wischen wäre ebenfalls eine gute Idee. Ja, und in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde (fast Mitternacht) verschiebe ich die Waschmaschinenladung auch besser auf morgen.
Aber ich merke ganz deutlich: es geht mir besser. Viel besser. Es ist mir nicht mehr alles egal. Und vor allem habe ich wieder Energie, wieder Kapazität, für Dinge, die schon viel zu lange zu kurz kommen. Und das ist mal ein richtig gutes Gefühl. Wieder fast normal. Ich bin wieder da. Ich bin wieder ich. Ich bin Göttin.
Ach ja, mein erster Studientag war auch fein. Gleich in der allerersten Vorlesung erklärte uns der Prof den Ursprung des Lebens. Und sagt was ihr wollt – ich zumindest kann es kurz zusammenfassen in...
"... Die große Göttin tanzte mit den Sternen, sie liebte ihren eigenen Leib, und lachend gebar sie die Welt."
Da gibt's gar nix zu lachen. Der Prof hat's anders ausgedrückt, aber es kommt ziemlich genau auf das raus.
Ansonsten verdanke ich diesen Ansatz von Normalität zu mindestens 99 % den Leuten, die mich hier durch den Alltag bugsieren, sich um Lara kümmern, mich sanft aber bestimmt dazu drängen, endlich all diese fürchterlich wichtigen Formulare auszufüllen, und mich ganz allgemein ziemlich knapp an einem Psychiatriebesuch vorbeigeschoben haben. Ihr wisst, wer ihr seid, und bald knuddel ich euch alle in Grund und Boden. :-)
Einfach gehn gehn und immer weitergehn
Und das Leben mit neuen Augen sehn
Lerne man vertraun traun traun auf die Liebe baun
Mal nach hinten und dann wieder vorwärts schaun
Und weitergehn
Weitergehn
Einfach gehn gehn und immer mehr verstehn
Und das Leben mit neuen Augen sehn
Lerne man vertraun traun traun auf die Liebe bau'n
Mal nach innen mal nach außen schaun
Und weitergehn
Weitergehn
PS: Hey Mam, ich hab die Küche aufgeräumt. :-D
Übergang
Alles, alles wird anders. So viele Dinge befinden sich irgendwie in der Schwebe, dass ich schon lange aufgehört habe zu zählen, und sogar mein eisenharter Das-wird-schon-alles-werden-Optimismus geht langsam aber sicher in die Knie. Oder anders, viel kürzer formuliert: ich bin grade echt fertig mit der Welt.
Richtig schlimm ist es ja zur Zeit mit meinem Raum-Zeit-Kausalitäts-Kontinuum. Das hat noch nie so richtig gestimmt, aber zur Zeit kann ich's echt in die Tonne treten. Ich bitte Mam, Lara abzuholen, und dabei hat keine von uns beiden einen Autositz; ich habe beim provisorischen Packen an überhaupt gar nichts gedacht, woraus man trinken könnte; ich hab mich heute zwei Stunden mit der Zirkusvorstellung vertan (17 Uhr kamen wir, 15 Uhr war Beginn...); undsoweiter undsoweiter. Ich taste schon ständig in halber Panik nach Schlüssel und Tasche, denn wenn mir die abhanden kämen, dann wär's echt rum. Fühlt sich nicht gut an.
Oder noch ein ziemliches Alarmsignal: ich hab gestern bis halb drei programmiert, war nicht müde, als ich dann ins Bett ging, und hab auch noch lange nicht einschlafen können. Trotzdem sind wir um halb acht aufgestanden, und ich bin jetzt um halb eins immer noch kaum müde. Das kann schon auch das Notreserven-jetzt-erst-recht-Programm sein, aber es macht mir doch Gedanken.
Jedenfalls kämpfe ich gerade mit mir und der Welt. Bei all dem fasziniert es mich aber doch, wie Lara mir hier ganz von selbst vorauseilt. Ein Beispiel, das mich gestern wirklich verblüfft hat: Normalerweise schläft sie bei mir IMMER nuckelnd ein. Immer. Mittags wie abends. Im letzten Monat bei den Wuschels hat sie sich standhaft geweigert, sich dort mittags zum Schlafen hinzulegen (vorher war's ja nur halbtags). Da hätt ich sie dran gewöhnen müssen, ist klar. Seit heute geht sie in die neue KiTa, und da wird mittags natürlich auch geschlafen – da wagen wir uns an die Eingewöhnung aber erst nächste Woche. Das betrifft sie also noch gar nicht direkt, es macht nur mir ein paar zusätzliche Bauchschmerzen. Aber was war gestern abend? Nur ein bisschen Nucki, und dann ist sie eingeschlafen, während ich ihr Lieder vorgesungen habe. War ihre Idee, nicht meine. Und heute dachte ich, jetzt wär der ganze noch sehr zarte Schlafrhythmus schon wieder beim Teufel, weil sie mittags ziemlich lange geschlafen hatte (bis nach vier), und was ist? Kurz nach acht sagt mein Kind, "bin schon müde, ins Bett gehen!"... Es hat dann zwar noch zwei ganze Stunden gedauert, aber sie ist wieder ohne Nucki mit Singen eingeschlafen. So wie das auch in der KiTa wäre. Ich bin wirklich total platt.
Abschied 1: Goodbye Fabia
Zur Abwechslung mal was über Autos, die mich ja sonst nicht weiter interessieren. Aber dieses eine schon ein bisschen. Und passenderweise ist heute meine Führerschein-Probezeit abgelaufen.
Also: ein kleiner Nachruf auf den dunkelblauen Škoda Fabia, den zu fahren ich ein Jahr lang das Vergnügen hatte. Davor kannte ich außer den Fahrschulautos (die nicht zählen, weil ich eigentlich erst nach Erwerb des Führerscheins so richtig fahren gelernt habe) nur Seinen Opel Vectra, eine echte Rentnerkiste in Opagold. Den mag ich auch, aber er fährt sich wie ein Sack Kartoffeln. Wenn man die eigenen Erwartungen problemlos drosseln kann, ist das völlig in Ordnung.
Aber der Fabia war da schon was Anderes. Darin musste ich mir doch tatsächlich manchmal anhören, ich würde fahren wie Sau (verhältnismäßig, natürlich). Der fuhr auch plötzlich mal 10 km/h schneller, ohne dass ich was gemerkt oder gemacht hätte. :-) Ja, ein feines Kistchen, ein Jahr "meins", und letzten Montag habe ich ihn gesaugt, geputzt und gewaschen, und einer überlassen, die sich sicher genauso drüber freut wie ich.
Der Fabia war aber nicht nur ein ungewohnt spritziges Auto, sondern hauptsächlich mein Tor zu einem Jahr voll Freiheit und Unabhängigkeit (und ich danke ihm das mit einer Macke am Kofferraum, hum). Zum Abschluss dieses Jahres durfte ich mich letzte Woche dann nochmal am Vectra versuchen, und jetzt hab ich erstmal kein Auto mehr. Brauch ich in Tübingen ja auch nicht wirklich. Im Moment wär's noch sehr praktisch, aber was soll's – geht alles vorbei. Lara liebt Bus- und Zugfahren, und ich bin auch nicht ganz unglücklich, mal wieder nicht mehr selbst fahren zu müssen.
Mach's gut Fabia, war schön mit dir.
Bild dir deine Meinung selbst
Vor vielen Jahren saß ich einmal ganz hinten im Bus von Nürtingen nach Kirchheim, auf der rechten Seite, und auf der linken saß ein junger Mann mit einer Bildzeitung. Ich war abgeneigt, aber habe mich doch von ihm in ein Gespräch verwickeln lassen. Um es kurz zu machen (es ist keine sehr spannende Geschichte), ich kannte ihn etwa vier Wochen meines Lebens, und ein Jahr später zufällig nochmal drei Tage oder so, und – was soll ich sagen? Es hat sich einfach nicht gelohnt. Ich bereue es nicht und habe keine Gruselgeschichten zu erzählen, aber er ist einer der ersten, die ich vergesse, wenn ich mal versuche, eine Bilanz der letzten Jahre zu ziehen. Er hatte knallblaue Augen und las Bild. Ziemlich magere Ausbeute.
Heute wäre meine Abneigung gegen BildleserInnen wesentlich stärker ausgeprägt, und das Gespräch wäre höchstwahrscheinlich kurz geblieben. Ich muss gerade überlegen, ob ich in der Hand eines Mitmenschen eine Kippe oder eine Bildzeitung schlimmer fände... ich glaube, es kommt auf den Menschen und die Situation an. An der Bushaltestelle sicher die Kippe, aber bei einem Familienmitglied eher die Bildzeitung (falls regelmäßig und aus nichtforschendem Interesse gelesen). Gestern habe ich einen Text gefunden, der mir so sehr aus dem Herzen spricht, dass ich es mir sparen kann, selber über das Blatt zu wettern: Gerhard Henschel über die Bildzeitung. Und wenn ihr euch näher dafür interessiert, was Bild so unter Recherche oder auch Personenschutz versteht, schaut doch mal beim BILDblog vorbei.