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Zickenterror
Gelegentlich ertappe ich mich selbst bei dem unwillkürlichen Ausspruch "Frauen sind komisch". Mir ist natürlich klar, daß die Gesamtheit der Frauen nicht nur mich selbst, sondern auch noch eine Menge anderer Frauen mit einschließt, von denen ich nichts weiß und über die ich daher auch keinerlei Aussage treffen kann. Ich meine also mehr oder weniger die Frauen, die mir im Alltag so begegnen (und das ist schon ziemlich schwammig).
Aber trotzdem, manchmal muß es einfach raus. Ich verstehe die Frauen nicht! Seit ich durch Teilbetriebsübernahme einen größeren Wechsel des beruflichen Umfeldes hinter mir habe, schüttele ich immer wieder aufs Neue den Kopf. Aus meinen Kolleginnen, allesamt nette, sympathische, und dabei fähige Persönlichkeiten, werden plötzlich mehr oder weniger latente Zicken, und ich habe so den Eindruck, daß es erheblich schlimmer wäre, wenn in der neuen Firma noch mehr Frauen wären (sind in der Mehrzahl Männer). Häh? Wat los Mädels? Wer selbst nicht beißt, wird seltenst gebissen. Warum sitzt ihr so auf der Kante?
Das ist aber wirklich ein Phänomen, das sich oft beobachten läßt: zwei Männer, die sich nicht kennen, begegnen sich (unter normalen Umständen), schätzen den jeweils anderen kurz prüfend ab, und trinken dann erstmal einen zusammen. Eine gewisse leichte Atmosphäre sportlichen Wettkampfes ist normal. Zwei Frauen hingegen, die sich unter normalen Umständen begegnen, sind tendenziell unsicher und fahren die Schutzwand mal halb hoch, geben sich dabei aber ausnehmend freundlich und locker, ohne aber einen Weg zu finden, "ganz normal" mit der anderen zu reden! Das geht sogar mir bisweilen so, und ich finde dieses Verhalten hochgradig bescheuert. Ist denn nicht jede Frau wie meine Schwester? Eine Freundin, die ich noch nicht kenne? Eine Mit-Shopperin, Mit-Redende, Mit-Menschin? Nicht mal unter frischgebackenen Müttern funktioniert das immer! Es ist deprimierend.
Ja ich weiß – es gibt sicher viele, viele Ausnahmen von dieser Regel. Ich wünschte mir nur, ich würde mehr davon kennen. Frauen, tut euch zusammen!
"Lassssss mich frrrreiiiii... wirrrr sind Schwessterrrn, du und ich..." (Zitat der Harpie in "Das letzte Einhorn")
Diskussion
Diskussionen finde ich tendenziell schwierig und neige ein wenig dazu, sie zu vermeiden. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bin ich eher harmoniesüchtig und lege Wert auf grundlegendes Einvernehmen zwischen mir und dem Rest der Welt. Daher ist eine Diskussion immer eine feine Sache, wenn ich mich mit meinem Gegenüber auch dann gut verstehe, wenn wir sehr verschiedener Meinung sind, und das Ganze auf einem interessierten, respektvollen Niveau bleibt. Sehr viel schwieriger ist es für mich bei Leuten, die ich nicht oder wenig kenne (wenn ich sie kenne und weiß, daß eine Diskussion kein schöner Zeitvertreib wäre, dann vermeide ich es tunlichst, eine anzufangen), was zum Beispiel in Foren, deren Sinn zum Großteil aus Diskutieren besteht, ja der Fall ist. Hier ist es wieder einfacher, wenn nur persönliches Empfinden oder eigene Erfahrung gefragt sind. Aber manchmal möchte man – ich auch – über etwas diskutieren, dessen Wahrheitsgehalt sich "objektiv" prüfen läßt. Zumindest theoretisch.
Hier kommt dann meine relative Ader ins Spiel. Ein Teil von mir sieht alles grundsätzlich nicht nur global, sondern gleich kosmosweit, und dabei ist mir vor allem anderen bewußt, wie viel ich nicht weiß. Das nimmt mir in den allermeisten Fällen den Wunsch, heftig oder mit jeglichem Absolutheitsanspruch über anderer Leute Ansichten herzufallen. ABER, und ein Aber gibt's nunmal immer, ich weiß auch sehr genau, daß ich ein Mensch bin und als solcher schlicht nicht in der Lage, alles im Unklaren zu lassen. Ich muß mich entscheiden. Ständig. Und ich habe eine Menge Gefühle, die bisweilen recht unkontrolliert einfach da sind. Auch das gehört zum Kosmos. Also muß ich Dinge wichtig finden, muß ich herausfinden, ob eine Sache nach zwar prinzipiell nichtigen, aber notwendigen Kriterien "richtig" oder "falsch" ist. Und wie tue ich das? Am liebsten und leichtesten glaubt man natürlich sich selbst und den eigenen Erfahrungen, d.h. ausprobieren. Leider sind da die eigenen Grenzen schnell erreicht. Und dann? Dann muß ich jemanden finden, der's ausprobiert und darüber ein Buch oder einen Artikel geschrieben hat und dem ich vertrauen kann.
Tja, und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich habe mittlerweile eine nicht unbeträchtliche Anzahl Themen gefunden, die heiß und sehr kontrovers diskutiert werden, und wo ich mindestens zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten sehe. Wie entscheide ich, wer (für mich) recht hat? Das ist schwierig. Ich kann mich irren (sehr wahrscheinlich tue ich das regelmäßig). Aber ohne Entscheidungen kann ich nicht leben. Also muß ich nicht nur geeignete Zahlen, Fakten und Statistiken finden, sondern auch noch wissen, wie diese entstanden sind und wer, sprich welche Interessensgruppe, diese aufgestellt hat. Und dann muß ich ganz nach Gefühl gehen und halt vertrauen. Oder auch nicht.
Wie heißt es so schön? "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast..."
(Übrigens werde ich mir trotz einer nachdenklich stimmenden Amazon-Kundenkritik ein Buch zum Thema Statistik holen – in der Hoffnung, daß es nicht mehr verunsichern als weiterhelfen wird. Das Ergebnis, also meine ganz persönliche, subjektive und kosmosweit betrachtet absolut krümelkleine Meinung dazu, findet sich dann bei den gelesenen Büchern.)
Milch
Vor der Geburt meiner Tochter war Milch für mich halt einfach Milch, und zwar Kuhmilch. Seit ich stille (sind bald neun Monate), ist Milch für mich MILCH, und zwar meine Milch. Wenn ich jetzt von Milch rede, meine ich in allererster Linie menschliche Milch (außer beim Kochen), und ich finde es seltsam, daß Milch normalerweise Kuhmilch sein soll. Im nächsten Schritt komme ich nicht umhin zu denken, daß es auch sehr seltsam ist, daß eine Säugetierart sich von der Milch ernährt, die für die Nachkommen einer ganz anderen Säugetierart gedacht ist. Überhaupt: seitdem ich stille, weiß ich – Milch ist für Babies. Und Babies kriegen Milch. So einfach ist das.
Heute kam mir so ein kleines Gedankenexperiment: ich habe zwar "Super Size Me" nicht gesehen, aber die Idee, sich einen Monat lang ausschließlich von McD zu ernähren und zu schauen was passiert, fasziniert mich. Mein Kopf führt das weiter: wie wäre es, wenn sich mal jemand einen Monat lang von Milch ernähren würde? Ginge das überhaupt, oder bekäme diese Person nach einer Woche spätestens Würganfälle beim Anblick jeglicher weißer Flüssigkeit? Was für Auswirkungen hätte diese Ernährungsweise auf das körperliche und seelische Wohlbefinden?
Und dann: dasselbe nochmal mit MiluPre HA1, oder wie das Zeug alles heißt, sprich mit industriell hergestellter Fertigsuppe für Babies. Hmmm diesen Vergleich fände ich wirklich spannend. Allerdings sehe ich einige Hindernisse bei der Durchführung dieses Experiments: zum einen ist die Qualität von Milch natürlich stark von der Ernährung der Produzentin abhängig – hier könnte man einen weiteren Vergleich einbauen zwischen den Auswirkungen von Vollwertnahrungsmilch und "Normal"nahrungsmilch. Zum anderen bräuchte es wohl einige Freiwillige, um genug Milch für einen erwachsenen Menschen zusammenzubekommen. Naja... falls es jemand ausprobieren möchte, ich bin gerne dabei. Natürlich für das Experiment mit der Vollwertmilch. :-)
stehende Räder
Es scheint eine Menge Leute zu geben, die einfach nicht wissen, wo sie hinwollen. Das ist ein bißchen wie ein Rad, das nicht rollt und nur in der Gegend rumsteht. Wenn man das so betrachtet – mitten in der Landschaft steht also dieses Rad und rollt nicht–, dann kann man natürlich sagen, "das ist Kunst und gehört so", oder "das rollt schon noch", "das war schon immer so" oder "ist mir doch egal". Man könnte aber auch sagen "wer braucht sowas?!" und dem Rad einen Tritt geben, auf daß es losrolle. Manche Räder fallen dabei allerdings auch um.
Bilder im Spiegel
Meine Tochter (9 Monate) freut sich unbändig, wenn sie mich im Spiegel entdeckt. Dann lacht sie mein Spiegelbild an, gluckst herum, schäkert mit der Spiegelmama... egal ob ich sie dabei auf dem Arm habe oder zwei Meter hinter ihr stehe. Mama ist zwar immer toll, aber die Spiegelmama scheint irgendwie nochmal etwas ganz Besonderes für sie zu sein. Aber irgendwann mal werde ich wieder hinter ihr stehen und ihr Spiegelbild anlachen... und sie wird zurücklachen, sich zu mir umdrehen und strahlen wie Honigkuchenpferd. Und ich werde mich freuen, daß sie offensichtlich wieder was gelernt hat.
Vielleicht steht hinter mir auch jemand und schaut mir im Spiegel zu, und freut sich jedesmal mit mir, wenn ich wieder ein bißchen mehr verstanden habe. Eigentlich bin ich mir sogar ziemlich sicher, daß es so ist. Interessant wird es, wenn ich mich frage, ob hinter ihr dann wieder jemand steht...