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Geek!
Heute hat mich ein einziges kleines Wort sehr glücklich gemacht, das muss ich hier verbalisieren. Und zwar sagt eine Hausbewohnerin schon seit geraumer Zeit immer wieder, ich sei ein Nerd, und immer wieder streite ich das ab, denn ich bin kein Nerd. Allerdings ist es ein "ich bin kein Nerd, aber". Nur blieb das unausgesprochen, weil mir das Wort fehlte.
Ich bin tatsächlich kein Nerd. So schwammig ich den Begriff selbst nur definieren könnte, habe ich doch ein ziemlich klares Gefühl davon, was "Nerd" für mich bedeutet. Und ich bin kein Nerd. Ein zentraler Bezugspunkt in meinem Leben ist mein Computer, ja. Ohne Internet werde ich hippelig, ja. Aber, aber. Ich bin kein Nerd. Das bin ich einfach nicht. Und sie sagte das immer wieder, du bist es doch, aber ich bin es doch nicht. Also, es hat mich ein bisschen beschäftigt, so innendrin.
Und heute sag ich in anderer Gesellschaft, sie sagt ich sei ein Nerd aber ich bin keiner, und S. sagte prompt: stimmt, du bist kein Nerd. Du bist ein Geek. Und das war das richtige Wort!
Es ist schwer zu verstehen, warum mich das so exorbitant glücklich macht, wenn man sich nicht bemüht, das tatsächlich nachzuvollziehen und mitzuempfinden. Für mich (und, wie ich gleich noch ausführen werde, wohl auch für andere Menschen) ist es von großer Bedeutung, das genau richtige Wort für ein Gefühl oder ein Thema oder eine Sache zu kennen. Dadurch kann ich mein Innenleben verbalisieren und nach außen bringen. Es macht mich rund und zufrieden, zu wissen, wie etwas richtig heißt. (Fühlt das einfach mal bei euch nach.) Es gibt mir die Möglichkeit, mich, und damit meine ich das, was ich bin und wie ich bin in all seiner Vielfalt, auszudrücken. Das ist sehr wichtig.
Dazu fallen mir in direktem Zusammenhang sofort zwei Bücher ein, auf die ich in diesem Zusammenhang verweisen möchte: Einmal das rundum empfehlenswerte How to talk to kids undsoweiter, wo gleich am Anfang die Rede vom empathischen Zuhören ist und als wichtiger hilfreicher Punkt 'name the feeling' genannt wird. Es hilft einem Kind, zu wissen, dass seine Empfindung Enttäuschung heißt, oder Wut, oder Trauer. Dabei sind die feinen Unterschiede ganz ganz wichtig: Trauer ist nicht das Gleiche wie Traurigkeit, und Todesangst ist etwas ganz anderes als "normale" Angst.
Das andere Buch ist Focusing von Eugene Gendlin, der darin nichts anderes als eine Methode beschreibt, wie man leichter genau das richtige Wort findet (und wie er auf die Idee kam, diese Methode zu entwickeln – hochinteressant). Heute wird mir erst so richtig klar, was für eine Bedeutung dieses Buch haben kann. (Wer übrigens gleich ein sehr gut geschriebenes Anleitungsbuch dazu haben möchte, der oder dem sei The Power of Focusing von Ann Weiser Cornell wärmstens empfohlen.)
Ich bin ein Geek! Juhu! – Muss gleich mal die Seite über mich updaten :-D
Nachtrag: Als ich den Beitrag hier gepostet hatte, guckte ich mir die E-Card an, die mir meine Tante heute geschickt hatte. Meine Tante ist kein bisschen nerdy, geeky oder Ähnliches – ehrlich gesagt bin ich etwas erstaunt, dass sie in der Lage ist, eine E-Card zu verschicken, und das auch nicht doof (weil Postkartenersatz) findet. Und was soll ich sagen? Sie passt wie die Faust aufs Auge, irgendwie. Free Hallmark E-Card: You are so cute!
geek chick
Kleiner Nachtrag zu Geek! von gestern: man könnte das, sagt S., in meinem Fall auf geek chick erweitern. Nun mag ich den Ausdruck 'chick' ja nicht so. Aber wie ich gestern schon sagte, das genau richtige Wort ist etwas ganz Anderes als das fast richtige oder sehr ähnliche Wort. Und im ausgesprochen witzigen (und sehr, sehr nerdigen) Webcomic XKCD gibt es einen Streifen, der einfach den supercoolen Prototyp eines (leicht nerdigen) geek chicks beinhaltet: Experimentation.
Ach richtig, der Nachtrag: Was ich gestern noch nicht ganz klar formulieren konnte, war der Grund, warum das richtige Wort wichtig ist. Ohne einen Begriff ist mir nämlich mein Innenleben nur halb bewusst. Will sagen, das innere Aber nach "ich bin kein Nerd" war mir kaum bewusst – sonst hätte ich per Focusing auf die Suche gehen können, was mich da zwickt. Aber so aufmerksam mit mir selber war ich nicht.
lesen, lesen, lesen, und hören
Haaaaaaach. Ich befinde mich, seit ich aus dem Krankenhaus wieder raus bin, auf einer extremen shopping spree, weil mir mehr als sonst bewusst ist, wie wichtig es ist, eventuell verfügbaren schnöden Mammon sofort auszugeben und sich schöne und das Leben bereichernde Dinge dafür zu kaufen. Zum Beispiel gute Bücher und CDs! :-D
Gestern und heute kamen also zwei heiß erwartete Amazon-Lieferungen mit genau diesen Dingen. Ein schönes und herrlich unpädagogisches Buch für Lara: "Nasebohren ist schön" von Daniela Kulot. Cooler Zeichenstil, witziges Buch. Hab's auf Empfehlung gekauft und bereue das kein bisschen. Für mich gab's gleich ganz viel – das wichtigste neue Buch ist wahrscheinlich "How to be free". Hab das erste Kapitel gelesen und sofort umgesetzt, was es mir gesagt hat, und hab ein weiteres gutes, erfüllendes, lebensverschönerndes Buch gelesen, nämlich "The Graveyard Book" von Neil Gaiman. Und da erzähl ich jetzt gar nichts, nur soviel: Lest es. Es ist ein purer Lesegenuss, es ist sehr spannend, es ist herzergreifend, und es ist zauberhaft gewoben. Ich mag es, wirklich wahr, fast mehr als Harry Potter. Haaaach.
Schließlich noch Musik: Ich hab mir die beiden Van Canto-Alben gekauft und hör die mit Freuden aufm Kopfhörer, während um mich rum öder 08/15-Punk läuft. Außerdem gab's noch die wunderschöne Mirrorball von der ebenso schönen Sarah McLachlan, die war schon jahrelang fällig. Jo.