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Abschied 1: Goodbye Fabia
Zur Abwechslung mal was über Autos, die mich ja sonst nicht weiter interessieren. Aber dieses eine schon ein bisschen. Und passenderweise ist heute meine Führerschein-Probezeit abgelaufen.
Also: ein kleiner Nachruf auf den dunkelblauen Škoda Fabia, den zu fahren ich ein Jahr lang das Vergnügen hatte. Davor kannte ich außer den Fahrschulautos (die nicht zählen, weil ich eigentlich erst nach Erwerb des Führerscheins so richtig fahren gelernt habe) nur Seinen Opel Vectra, eine echte Rentnerkiste in Opagold. Den mag ich auch, aber er fährt sich wie ein Sack Kartoffeln. Wenn man die eigenen Erwartungen problemlos drosseln kann, ist das völlig in Ordnung.
Aber der Fabia war da schon was Anderes. Darin musste ich mir doch tatsächlich manchmal anhören, ich würde fahren wie Sau (verhältnismäßig, natürlich). Der fuhr auch plötzlich mal 10 km/h schneller, ohne dass ich was gemerkt oder gemacht hätte. :-) Ja, ein feines Kistchen, ein Jahr "meins", und letzten Montag habe ich ihn gesaugt, geputzt und gewaschen, und einer überlassen, die sich sicher genauso drüber freut wie ich.
Der Fabia war aber nicht nur ein ungewohnt spritziges Auto, sondern hauptsächlich mein Tor zu einem Jahr voll Freiheit und Unabhängigkeit (und ich danke ihm das mit einer Macke am Kofferraum, hum). Zum Abschluss dieses Jahres durfte ich mich letzte Woche dann nochmal am Vectra versuchen, und jetzt hab ich erstmal kein Auto mehr. Brauch ich in Tübingen ja auch nicht wirklich. Im Moment wär's noch sehr praktisch, aber was soll's – geht alles vorbei. Lara liebt Bus- und Zugfahren, und ich bin auch nicht ganz unglücklich, mal wieder nicht mehr selbst fahren zu müssen.
Mach's gut Fabia, war schön mit dir.
Übergang
Alles, alles wird anders. So viele Dinge befinden sich irgendwie in der Schwebe, dass ich schon lange aufgehört habe zu zählen, und sogar mein eisenharter Das-wird-schon-alles-werden-Optimismus geht langsam aber sicher in die Knie. Oder anders, viel kürzer formuliert: ich bin grade echt fertig mit der Welt.
Richtig schlimm ist es ja zur Zeit mit meinem Raum-Zeit-Kausalitäts-Kontinuum. Das hat noch nie so richtig gestimmt, aber zur Zeit kann ich's echt in die Tonne treten. Ich bitte Mam, Lara abzuholen, und dabei hat keine von uns beiden einen Autositz; ich habe beim provisorischen Packen an überhaupt gar nichts gedacht, woraus man trinken könnte; ich hab mich heute zwei Stunden mit der Zirkusvorstellung vertan (17 Uhr kamen wir, 15 Uhr war Beginn...); undsoweiter undsoweiter. Ich taste schon ständig in halber Panik nach Schlüssel und Tasche, denn wenn mir die abhanden kämen, dann wär's echt rum. Fühlt sich nicht gut an.
Oder noch ein ziemliches Alarmsignal: ich hab gestern bis halb drei programmiert, war nicht müde, als ich dann ins Bett ging, und hab auch noch lange nicht einschlafen können. Trotzdem sind wir um halb acht aufgestanden, und ich bin jetzt um halb eins immer noch kaum müde. Das kann schon auch das Notreserven-jetzt-erst-recht-Programm sein, aber es macht mir doch Gedanken.
Jedenfalls kämpfe ich gerade mit mir und der Welt. Bei all dem fasziniert es mich aber doch, wie Lara mir hier ganz von selbst vorauseilt. Ein Beispiel, das mich gestern wirklich verblüfft hat: Normalerweise schläft sie bei mir IMMER nuckelnd ein. Immer. Mittags wie abends. Im letzten Monat bei den Wuschels hat sie sich standhaft geweigert, sich dort mittags zum Schlafen hinzulegen (vorher war's ja nur halbtags). Da hätt ich sie dran gewöhnen müssen, ist klar. Seit heute geht sie in die neue KiTa, und da wird mittags natürlich auch geschlafen – da wagen wir uns an die Eingewöhnung aber erst nächste Woche. Das betrifft sie also noch gar nicht direkt, es macht nur mir ein paar zusätzliche Bauchschmerzen. Aber was war gestern abend? Nur ein bisschen Nucki, und dann ist sie eingeschlafen, während ich ihr Lieder vorgesungen habe. War ihre Idee, nicht meine. Und heute dachte ich, jetzt wär der ganze noch sehr zarte Schlafrhythmus schon wieder beim Teufel, weil sie mittags ziemlich lange geschlafen hatte (bis nach vier), und was ist? Kurz nach acht sagt mein Kind, "bin schon müde, ins Bett gehen!"... Es hat dann zwar noch zwei ganze Stunden gedauert, aber sie ist wieder ohne Nucki mit Singen eingeschlafen. So wie das auch in der KiTa wäre. Ich bin wirklich total platt.
besser, viel besser
Ich habe gerade die Küche aufgeräumt. Bislang hatte ich, da ich hier sowieso nur noch bis Ende des Monats wohne, da keinerlei Ehrgeiz, irgendwas irgendwie sauberzuhalten. Hier stehen zwei Umzugskartons, Klamotten liegen wild verteilt zusammen mit Kinderbüchern und zerschnipselten Taschentüchern ("wo is die Schereeeee?") größtenteils auf dem Boden rum. So is. Kein Bock.
Aber gerade eben habe ich die Küche aufgeräumt. Alles abgespült (was nicht viel aber dringend nötig war), die Arbeitsplatte geputzt, Zeug in Schränke geräumt, auch wenn sich's kaum lohnt, den Müll rausgebracht, und den Boden gefegt. Wenn ich nicht nur Schaufel und Kehrwisch zur Verfügung hätte, würde ich beim Rest der Wohnung gleich weitermachen, und wischen wäre ebenfalls eine gute Idee. Ja, und in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde (fast Mitternacht) verschiebe ich die Waschmaschinenladung auch besser auf morgen.
Aber ich merke ganz deutlich: es geht mir besser. Viel besser. Es ist mir nicht mehr alles egal. Und vor allem habe ich wieder Energie, wieder Kapazität, für Dinge, die schon viel zu lange zu kurz kommen. Und das ist mal ein richtig gutes Gefühl. Wieder fast normal. Ich bin wieder da. Ich bin wieder ich. Ich bin Göttin.
Ach ja, mein erster Studientag war auch fein. Gleich in der allerersten Vorlesung erklärte uns der Prof den Ursprung des Lebens. Und sagt was ihr wollt – ich zumindest kann es kurz zusammenfassen in...
"... Die große Göttin tanzte mit den Sternen, sie liebte ihren eigenen Leib, und lachend gebar sie die Welt."
Da gibt's gar nix zu lachen. Der Prof hat's anders ausgedrückt, aber es kommt ziemlich genau auf das raus.
Ansonsten verdanke ich diesen Ansatz von Normalität zu mindestens 99 % den Leuten, die mich hier durch den Alltag bugsieren, sich um Lara kümmern, mich sanft aber bestimmt dazu drängen, endlich all diese fürchterlich wichtigen Formulare auszufüllen, und mich ganz allgemein ziemlich knapp an einem Psychiatriebesuch vorbeigeschoben haben. Ihr wisst, wer ihr seid, und bald knuddel ich euch alle in Grund und Boden. :-)
Einfach gehn gehn und immer weitergehn
Und das Leben mit neuen Augen sehn
Lerne man vertraun traun traun auf die Liebe baun
Mal nach hinten und dann wieder vorwärts schaun
Und weitergehn
Weitergehn
Einfach gehn gehn und immer mehr verstehn
Und das Leben mit neuen Augen sehn
Lerne man vertraun traun traun auf die Liebe bau'n
Mal nach innen mal nach außen schaun
Und weitergehn
Weitergehn
PS: Hey Mam, ich hab die Küche aufgeräumt. :-D
Mama, Mama
Ich kann's ihr echt nicht verdenken, aber anstrengend ist es trotzdem. Nachdem wir ja zur Zeit in einer großen dicken langen Übergangsphase stecken, hängt sich Lara an die momentan einzige für sie erkennbare Konstante: mich. Den "Kindi" zum Beispiel mag sie sehr gerne, aber ich kann sie noch nicht alleine dort lassen, nach drei Besuchen. So kenne ich sie echt nicht. Naja, vielleicht kann ich das heute mal für zweieinhalb Stunden probieren, Zoologie würde ich ungern verpassen.
Und jetzt mag ich noch ein klein bisschen jammern: es betrübt mich, wieviele WGs grundsätzlich keine kleinen Kinder haben wollen, ohne diese zu kennen. Ich hab schon überlegt, was ich gerne hätte (und sofort machen würde, wenn ich damit nicht so allein auf weiter Flur stünde), ist eine Nachhaltigkeits-WG. Wo Kinder ein POSITIVES Auswahlkriterium wären, Nichtrauchen selbstverständlich, und Umweltbewusstsein auch. Das wär doch was. Ich kann das schon richtig vor mir sehen: ein Haufen netter Leute in einem kleinen Häuschen mit Garten, jede streicht ihr Zimmer, wie sie lustig ist, das ganze Haus ist ziemlich bunt, und einmal wöchentlich gibt's eine abendliche Diskussionsrunde mit viel Tee. Hat da denn überhaupt gar niemand außer mir Lust drauf??
Ein Zuhause!
Jetzt hat die Rennerei also endlich ein Ende. Mietvertrag unterschrieben, funktionierender Alltag für November (bis Ende Februar) gesichert. Und noch ein bisschen mehr als das: es ist tatsächlich ein Ort, an dem wir zuhause sein können (im Gegensatz zu dem besseren Studentenloch, in dem ich gerade diese Zeilen schreibe).
Gestern noch war ich tief enttäuscht von der Welt und kämpfte mit einer Mischung aus Depressionen, Bitterkeit und Existenzängsten, denn in ganz Tübingen wollte uns niemand haben. Explizit uns, denn das entscheidende Kriterium war fast immer Lara. WGs wollen keine Kleinkinder, nicht mal die alternativen. Wohnungen sind innerhalb von wenigen Stunden vergeben. Und gestern schließlich hörte ich in einer zauberhaften Wohnung zum Verlieben, dass man seit sechzehn Jahren ausschließlich an Einzelpersonen vermiete und damit immer gut gefahren sei. Aber wissen Sie, es ist nicht so, dass wir nicht kinderfreundlich sind.
Naja... und dann war ich durch seltsame Schicksalsfügungen im Haus Lichtenstein, hab lecker gegessen, mich gut unterhalten und mich sehr wohl gefühlt. Und gewusst, dass eine der anderen beiden den freien Platz bekommt. Und das war dann okay, was mich irgendwo erstaunt. Nach all dem Suchen und Fast-Verzweifeln eine kuschlige Gemeinschaft, die explizit Platz für Leute mit Kindern hat, und ich bin nicht traurig, weil sie nicht mich genommen haben? Schon komisch, aber so ist es. Ich versuch's nochmal, wenn das nächste Mal ein Platz frei wird, und vielleicht ist es erstmal ganz gut so. (Ich glaube ja daran, dass es immer so wird, wie es das Beste ist. In ein paar Wochen kann ich da vielleicht mehr dazu sagen.)
Ja, und nun haben wir eine hübsche 2-Zimmer-Wohnung in einem Haus mit vielen anderen Kindern, wo ich auch schon zwei drei Leute kenne, mit Garten, einer schicken, wohlausgestatteten Küche und luxuriös viel Platz. Von der Lage her nicht schön und auch nicht sehr geschickt, aber ich beschwere mich überhaupt nicht. Schließlich ist schon der Sechsundzwanzigste. :-)
Außerdem geht es mir jetzt sowas von gut – ich wusste ja, dass mich das Ganze stresst, aber ich habe immer noch solche Unmengen zu tun und auf die Reihe zu kriegen, dass ich erstaunt bin, wieviel wohler es mir jetzt wirklich ist. Bin mal gespannt, wie das dann im Januar/Februar mit der nächsten Wohnungssuche wird...
Abschied 2: Goodbye M.
Du willst nichts hören, also sage ich nichts.
Nachtrag
Es ist nochmal diese Trotzdem-Freunde-Sache. Manchmal geht es nicht, oder die Mühe wird zu groß, das ist in Ordnung so. Aber wie sagt man das der anderen? Wie wär's mit einem Anruf... "Du, können wir uns mal auf 'ne Tasse Tee treffen? Vielleicht im [Café_Name]?" (Da wären schon zwei deutliche Hinweise drin.) und dann ein Gespräch anfangen mit "Hey, mir sind da ein paar Sachen zu Ohren gekommen, also was du in letzter Zeit so machst, damit komme ich echt nicht mehr klar. So kann ich nicht (eng) mit dir befreundet sein." Und dann könnte man eine Runde konkret und vorwurfsfrei über das Problemthema diskutieren, und wenn es schon tatsächlich alles so ist wie angenommen und die Weltanschauungen zu verschieden bleiben, dann fühlen sich doch beide mit Sicherheit hinterher besser.
Die weniger schöne Lösung ist in meinen Augen eine Mail, deren Vorwürfe auf einem vollkommen unangesprochenen Thema beruhen und die abschließt mit "Freundschaft gekündigt". Für das Ende einer Freundschaft ist mir das ein bisschen zu einseitig.
Aber immer noch besser als einfach gar nichts mehr sagen. :-(