Archiv
Realität
Im November habe ich einen sehr interessanten, anregenden Workshop mitgemacht: "Einführung in schamanisches Reisen" (von erddrachin.de). Seitdem tummeln sich viele neue und alte philosophische Überlegungen in meinem Kopf, zuoberst diese: was ist Realität? Wann kann man etwas als real bezeichnen? Was macht Realität aus? Und: was ist es, wenn es nicht real ist?
Das bezieht sich jetzt bei weitem nicht nur auf die Erlebnisse während einer schamanischen Reise, aber sie sind ein gutes Beispiel. Ich meine, das ist ja etwas, was nur du selbst erlebst, obwohl noch einige andere Leute mit im selben Raum sind. Du erlebst es also nicht auf dem vielzitierten "Boden der Tatsachen", nicht in der üblichen Umgebung unserer "Realität". Aber: Du erlebst es. An einem Teil von dir, den du nicht jeden Tag auslebst oder dir auch nur seiner Existenz bewusst bist (manchen wird's zumindest so gehen), und in einer Umgebung, die dir weitaus seltener begegnet als die normale. Nun könnte man natürlich Realität als meine alltägliche materielle Umgebung definieren, die allgemein wahrgenommen wird und als Bezugsquelle gilt. Nur ist es leider so, dass nicht-reale Dinge gerne als "Traumgespinste", "Einbildung" oder "lebhafte Phantasie" belächelt und abgetan werden, und das sind mir zu abschätzige, negative Begriffe für etwas, das ich in einer Weise erlebe, die ich real nennen möchte. Eine hübsche Lösung finde ich, das einfach in äußerer und innerer Realität zu formulieren: die äußere Realität ist unsere materielle Umgebung, die Dinge und Ereignisse, über deren Existenz im Raum-Zeit-Gefüge man sich mit den allermeisten anderen Menschen einigen kann oder könnte. Die innere Realität hingegen ist etwas, das nur ein Mensch (oder mehrere zusammen, aber andere nicht) wahrnimmt oder wahrnehmen kann. Wer wäre ich denn, zu sagen, "Wie, du siehst da drüben einen rosa Elefanten? Ich nicht, also bist du im Unrecht." Könnte ja auch andersrum sein. Und nein, ich finde nicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines rosa Elefanten in Sichtweite eine Rolle spielt. Erstens war es ein Beispiel, zweitens kann man sich mit Wahrscheinlichkeiten sehr täuschen, wie ich aus dem Skeptikerbuch gelernt habe, drittens passieren ja bisweilen auch sehr unwahrscheinliche Dinge. Neinnein... es ist eine Grundsatzeinstellung gegenüber sich selbst und anderen. In amicativen Grundsätzen ausgedrückt wäre das die Nummer 9: "Achtung vor der inneren Welt". Finde ich ziemlich wichtig.
Kommentar schreiben
HTML funktioniert hier nicht. Über kluge Beiträge freue ich mich.
Die E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Ist nur für mich, falls ich mal unter vier Augen zurückschreiben möchte. Es gibt außerdem dank nervender Spammer eine Blacklist mit einer Menge hauptsächlich englischer Wörter, die allerdings kaum in einem "normalen" Kommentartext Verwendung finden dürften. Einträge, die eines dieser Wörter enthalten, verschwinden einfach im Datennirvana.