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Schreikrampf

25.09.2006
Dublin, Irland

Nachts, wenn alle Kinder schlafen.

Lara schläft endlich. (Keine Ahnung wieviel Uhr es ist, wahrscheinlich ist schon der 26.) Nicht oft, aber doch hin und wieder bekommt sie aus mir noch immer schleierhaften Gründen einen handfesten Schreianfall. So wie vorhin, wo sie sicher den halben Wohnungskomplex hier zusammengeschrien hat – das Kind ist ja kerngesund und hat 'ne gute Lunge.

Ich war in dieser Situation rat- und hilflos wie jedes Mal. Sie will nicht auf den Arm, nicht singen, nicht abwischen, nicht mal Nucki, und alle Versuche in diese Richtung, oder auch bloßes Ansprechen, egal in welchem Tonfall, lösen sofort spitze, schrille Diese-Platte-hängt-Schreie aus. Absolut nichts kann sie beruhigen, und was überhaupt los ist, lässt sich nicht herausfinden. Es ist, als wäre sie auf einem schlechten Trip, völlig in ihrem eigenen Film, und käme allein nicht wieder raus. Ich denke dann immer an den Rat, einer ertrinkenden Person dick eine zu scheuern, wenn sie in Panik zappelt und sich schlecht retten lässt. Aber ich glaube, ich würde ihr nicht mal eine scheuern, wenn ich sicher wüsste, dass es hilft.

Wie also finde ich eine Lösung? Ich hege die Hoffnung, dass es sehr viel besser wird, wenn wir erstmal einen konstanten Schlafrhythmus gefunden haben und ich nicht mehr so oft diese sehr anstrengende innere Wut (nicht auf sie) mit mir herumtrage. Vielleicht aber auch nicht. Was mache ich dann?

Es scheint ziemlich egal zu sein, was ich (oder sonstwer) tue, bis sie an den Punkt kommt, wo sie sich wieder beruhigen lässt. Dann gibt's recht schnell nach der gefundenen Ablenkung (diesmal war's anziehen und ein halber Joghurt) Nucki, und sie schläft ratzfatz friedlich ein. Und alles ist in bester Ordnung. Aber das Theater geht halt unter Umständen eine halbe Stunde, und es zehrt wirklich an meinen Nerven. Jemand kluge Ideen?

Kaum hatte ich das Obenstehende gestern nacht fertiggekritzelt, kam C., die natürlich nicht schlafen konnte bei dem Geschrei, und nahm mir mit dem Hinweis auf dieses Phänomen einen großen Teil meiner Ängste. Klingt zwar nicht so, als sei Lara ein besonders typischer Fall, aber ich glaube schon, dass es das ist. (Uff.) Was mich aber wirklich interessieren würde: gibt es das überall auf der Welt? Auch bei Völkern, denen der Segen der Zivilisation bislang erspart blieb? Falls jemand was dazu weiß, bitte, bitte schreibt was dazu.

PS: Jetzt habe ich mich doch wirklich nochmal in ein Internetcafé gehockt und mich eine halbe Stunde mit diesen völlig deplatzierten Sonderzeichen und den Umlautkombinationen (ä = Alt + 0228, ö = Alt + 0246, ü = Alt + 0252...) herumgeschlagen. Aber morgen geht's nach Hause – Lara freut sich schon und ich mich eigentlich auch.

Kinder | Körper, Geist & Seele | Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          26. September 2006

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