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verdammter Autopilot

Freitag morgen wurde mir sehr deutlich bewusst, dass ein einziger unachtsamer Moment manchmal ausreicht, um irreversiblen Schaden von beachtlicher Größe anzurichten. Um nicht zu sagen: manchmal reicht ein einziger unachtsamer Moment, und man ist tot.

Ganz so schlimm war es dann nicht, aber doch eine Lektion: ich packte gerade Lara und eine Menge Kram ins Auto, um zu einem Fototermin für die Wi-Wa-Wuschels zu fahren. Wir waren das durchschnittliche Bisschen zu spät dran, aber Lara bestand darauf, den Autoschlüssel ins Zündschloss stecken zu dürfen. Das macht sie nunmal gerne.

Also gut, ich stehe an der offenen hinteren Tür und gebe ihr den Schlüssel. Mause krabbelt nach vorne, wo alle Türen zu sind, steckt den Schlüssel rein und drückt spaßeshalber (das klackt so schön) auf den Schließknopf in der Fahrertür. Das kenn ich auch schon, ich drücke dann einfach auf den Knopf zum Öffnen, sobald sie wieder nach hinten krabbelt.

Also, Mause krabbelt wieder zurück und in ihren Sitz, ich bin aufgrund der fortschreitenden Uhrzeit leicht ungeduldig und kribbelig, und als sie dann endlich sitzt, schaltet mein Kopf zwecks Zeitersparnis auf Autopilot: Arme durch die Gurte, ins Schloss stecken, festziehen, Mause Küsschen geben, Tür zuwerfen und dann vorne aufm...

Mir schossen eine Menge Gedanken durch den Kopf, unter anderem WIE KANN MAN NUR SO DERMASZEN DÄMLICH SEIN, aber hauptsächlich der: Lara sitzt allein im Auto, es ist abgeschlossen, der Schlüssel steckt im Zündschloss und es dauert mindestens eine Viertelstunde, bis der Zweitschlüssel hier ist – wenn ich sofort jemanden erreichen kann. Ich habe ja nie Alpträume, aber wenn ich hiervon keine kriege, dann muss ich wirklich mal zum Psychologen...

Immerhin geben solche Situationen Gelegenheit zum Auftritt von diesen engelsgleichen Gestalten, die man Retter in der Not nennt. Ich sag euch... so einen schönen Menschen habt ihr noch nie gesehen!! %-)

Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          3. September 2006

Erdbebenwarnung, Stärke und Wahrscheinlichkeit unbekannt

Meinen Dank an Die dunkle Seite, wo ich gerade einen YouTube-Link auf das Video zu More von den Sisters of Mercy gefunden habe. Wenn ich mir passende Musik zu meiner Stimmung herausgesucht hätte, mir wäre nichts Besseres eingefallen. Für die einen oder anderen eventuell Anlass zu einem "o-oh".

Andererseits erinnern mich die Sisters ewig und für alle Zeiten an jemanden, dem ich in letzter Zeit auch gerne mal verbal eine zentrieren würde. Leider bräuchte es schon einen größeren Zufall, dass mir der über den Weg liefe... Passt aber auch zur Stimmung. Passt alles, und es ist rabenschwarz.

Nachtrag: mein Favourite.

Nachtrag 2: Und dieses auch. Definitiv. Passt.

Tag für Tag für Tag | Fundsachen          Kommentare (0)          7. September 2006

Jammerlappen

Tja, zur Zeit schreib ich hier wieder eher wenig, das liegt aber daran, dass ich meine momentane frustige Grundstimmung nicht auch noch für die Ewigkeit festhalten und in die Welt verstreuen möchte. Aber heute werde ich doch ein kleines bisschen jammern: heute morgen um zehn vor sechs wache ich auf, Schnakensurren im Ohr, mit einer Oberlippe, die jedem Pferd Ehre gemacht hätte. Hat mich doch so ein ****** Viech mitten rein gestochen! Juckt zwar nicht, spannt aber und tut auch weh. Bäh.

Andererseits war ich dafür dann wach und habe es zum ersten Mal diesen Monat geschafft, Lara zu den Wuschels zu bringen und dann schon um acht bei der Arbeit zu sein. Hat auch was. Also höre ich heute mal wieder Tool statt den Sisters. Wie Maynard das in 10,000 Days so schön singt... You're the only one who can hold your head up high – so isses.

Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          12. September 2006

aus gegebenem Anlass

Gestern war der 11. September. Ich bin wie an jedem anderen Tag auch froh, keinen Fernseher zu besitzen. Hauptsächlich fällt mir dazu der Geburtstag eines sehr lieben Menschen ein, dem ich mal wieder die übliche Lebst-du-noch-Mail schicken könnte und werde (später, hm).

Davon abgesehen bin ich aber über zwei Sachen gestolpert: erstmal stimme ich diesem Eintrag auf Demokratie und Alltag aus ganzem Herzen zu. Und dann war da noch Loose Change, den ich zwar (vermutlich noch) nicht gesehen habe, aber die Website(s) sind schon spannend genug. Der Bembelkandidat hat ein paar davon hübsch gesammelt.

Tag für Tag für Tag | Wir alle?          Kommentare (0)          12. September 2006

doch nicht

Fahr ich gerade zur Seegrasspinnerei, etwas zu spät für den Elternabend, und stehe unerwartet vor verschlossener Tür. Mist, dachte ich, erst um halb neun? Oder doch im Café Zeitlos? Oder wie... Ich hatte aber Glück und erfuhr durch einen kurzen Besuch im Büro, dass der Termin auf Freitag verschoben wurde.

Ich gehör dann nicht zu den Leuten, die sich ärgern, eine halbe Stunde unnötig herumgegurkt zu sein – ich freue mich vielmehr, heute abend unerwartete Stunden (und wer weiß wie viele) gewonnen zu haben, UND es gab mir Gelegenheit, auf der Rückfahrt Queen of all Argyll von Silly Wizard zu hören, beileibe nicht nur aber ganz besonders nachts zum Autofahren genial. Außerdem bin ich Freitag abend ja nicht hier, sondern dort. :-)

Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          20. September 2006

Equinoctis

Mabon

23.09.2006
Dublin, Irland.

Es ist schon spät, die Sonne schläft und mein Mausebärchen auch. Wir sind den zweiten Tag in Dublin. Ich bin sehr nachdenklich. Um mich herum spüre ich eine Schlüsselsituation (komisches Wort, aber ich bin ziemlich müde): heute, hier, wird etwas geprägt, nimmt etwas Formen an, was Bedeutung hat für mich. Ich fühle eine sehr alte Einsamkeit, von der ich lange Zeit nicht wusste, ob das vielleicht nur die Pubertät ist, ob ich "krank" bin, oder ob das einfach zum Menschsein dazugehört. Mittlerweile glaube ich, das Problem wurzelt stark in meinen persönlichen Eigenarten und entsteht durch fehlende Gegebenheiten.

Ist schon so: ich bin sehr eigen in meinen Ansichten, sehr radikal (könnte man auch kompromisslos nennen), und ich lege hohen Wert auf das, was ich persönlich für richtig halte. Ich kann nicht verstehen, wieso die Frage nach der passenden Bluse je wichtiger sein kann als die Frage, wie sich der zivilisierte Teil der Menschheit wieder in Ein- und Gleichklang mit dem Rest des Planeten bringen lässt. Das verstehe ich einfach nicht. Eine solche Prioritätenverteilung ist mir total fremd. (Was sie übrigens nicht schlecht macht, nur eben fremd.)

Und jetzt? Vor einer ganzen Weile hatte ich mich schonmal hypothetisch mit dem Thema befasst. Trotzdem Freundinnen? Kann ich im Moment nicht beantworten. Schon gar nicht, solange noch niemand "Freundinnen" definiert hat. Aber irgendwas passiert gerade.

Ansonsten: deutlich weniger Shopping als letztes Jahr, weil kein Schlussverkauf, und wenn dann mehr Kleinkram. Mir lief heute eine Stifthülse in Filzblumenform (Foto gibt's irgendwann) zu, von der ich die Variante in neonpink sofort käuflich erstand mit dem Gedanken, meine mal mehr, mal weniger deutlich zum Vorschein kommenden exzentrischen Neigungen in Zukunft besser zu kultivieren, auf dass es ordentliche Schrullen werden. Wäre ich ein älterer Herr vom Professortyp, hätte ich den Ruf eines Sonderlings schon längst weg. Aber ich bin eine junge Frau mit Kleinkind, und wir werden mal sehen, wie das unter diesen erschwerten Umständen laufen wird.

Künftig werde ich also grundsätzlich mit meiner Neonblume schreibbereit und aufmerksam im Hörsaal sitzen, andächtig lauschen und gelegentlich, bei den besonders ergreifenden Stellen, genussvoll an der Blüte schnuppern. Vielleicht melde ich mich auch ab und zu mit einem völlig aus dem Kontext gerissenen Kommentar zum Thema von letzter Woche zu Wort. Mal schaun. ;-)

Jetzt bin ich wirklich müde, und ich will mich noch kurz mit meinen frisch gekauften Goddess Knowledge Cards befassen. Es ist Mabon, ich denke an die Erddrachin und ihre Crew, und an noch jemanden. Seufz.

Zwischenmenschliches | Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          24. September 2006

Schreikrampf

25.09.2006
Dublin, Irland

Nachts, wenn alle Kinder schlafen.

Lara schläft endlich. (Keine Ahnung wieviel Uhr es ist, wahrscheinlich ist schon der 26.) Nicht oft, aber doch hin und wieder bekommt sie aus mir noch immer schleierhaften Gründen einen handfesten Schreianfall. So wie vorhin, wo sie sicher den halben Wohnungskomplex hier zusammengeschrien hat – das Kind ist ja kerngesund und hat 'ne gute Lunge.

Ich war in dieser Situation rat- und hilflos wie jedes Mal. Sie will nicht auf den Arm, nicht singen, nicht abwischen, nicht mal Nucki, und alle Versuche in diese Richtung, oder auch bloßes Ansprechen, egal in welchem Tonfall, lösen sofort spitze, schrille Diese-Platte-hängt-Schreie aus. Absolut nichts kann sie beruhigen, und was überhaupt los ist, lässt sich nicht herausfinden. Es ist, als wäre sie auf einem schlechten Trip, völlig in ihrem eigenen Film, und käme allein nicht wieder raus. Ich denke dann immer an den Rat, einer ertrinkenden Person dick eine zu scheuern, wenn sie in Panik zappelt und sich schlecht retten lässt. Aber ich glaube, ich würde ihr nicht mal eine scheuern, wenn ich sicher wüsste, dass es hilft.

Wie also finde ich eine Lösung? Ich hege die Hoffnung, dass es sehr viel besser wird, wenn wir erstmal einen konstanten Schlafrhythmus gefunden haben und ich nicht mehr so oft diese sehr anstrengende innere Wut (nicht auf sie) mit mir herumtrage. Vielleicht aber auch nicht. Was mache ich dann?

Es scheint ziemlich egal zu sein, was ich (oder sonstwer) tue, bis sie an den Punkt kommt, wo sie sich wieder beruhigen lässt. Dann gibt's recht schnell nach der gefundenen Ablenkung (diesmal war's anziehen und ein halber Joghurt) Nucki, und sie schläft ratzfatz friedlich ein. Und alles ist in bester Ordnung. Aber das Theater geht halt unter Umständen eine halbe Stunde, und es zehrt wirklich an meinen Nerven. Jemand kluge Ideen?

Kaum hatte ich das Obenstehende gestern nacht fertiggekritzelt, kam C., die natürlich nicht schlafen konnte bei dem Geschrei, und nahm mir mit dem Hinweis auf dieses Phänomen einen großen Teil meiner Ängste. Klingt zwar nicht so, als sei Lara ein besonders typischer Fall, aber ich glaube schon, dass es das ist. (Uff.) Was mich aber wirklich interessieren würde: gibt es das überall auf der Welt? Auch bei Völkern, denen der Segen der Zivilisation bislang erspart blieb? Falls jemand was dazu weiß, bitte, bitte schreibt was dazu.

PS: Jetzt habe ich mich doch wirklich nochmal in ein Internetcafé gehockt und mich eine halbe Stunde mit diesen völlig deplatzierten Sonderzeichen und den Umlautkombinationen (ä = Alt + 0228, ö = Alt + 0246, ü = Alt + 0252...) herumgeschlagen. Aber morgen geht's nach Hause – Lara freut sich schon und ich mich eigentlich auch.

Kinder | Körper, Geist & Seele | Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          26. September 2006

Bild dir deine Meinung selbst

Vor vielen Jahren saß ich einmal ganz hinten im Bus von Nürtingen nach Kirchheim, auf der rechten Seite, und auf der linken saß ein junger Mann mit einer Bildzeitung. Ich war abgeneigt, aber habe mich doch von ihm in ein Gespräch verwickeln lassen. Um es kurz zu machen (es ist keine sehr spannende Geschichte), ich kannte ihn etwa vier Wochen meines Lebens, und ein Jahr später zufällig nochmal drei Tage oder so, und – was soll ich sagen? Es hat sich einfach nicht gelohnt. Ich bereue es nicht und habe keine Gruselgeschichten zu erzählen, aber er ist einer der ersten, die ich vergesse, wenn ich mal versuche, eine Bilanz der letzten Jahre zu ziehen. Er hatte knallblaue Augen und las Bild. Ziemlich magere Ausbeute.

Heute wäre meine Abneigung gegen BildleserInnen wesentlich stärker ausgeprägt, und das Gespräch wäre höchstwahrscheinlich kurz geblieben. Ich muss gerade überlegen, ob ich in der Hand eines Mitmenschen eine Kippe oder eine Bildzeitung schlimmer fände... ich glaube, es kommt auf den Menschen und die Situation an. An der Bushaltestelle sicher die Kippe, aber bei einem Familienmitglied eher die Bildzeitung (falls regelmäßig und aus nichtforschendem Interesse gelesen). Gestern habe ich einen Text gefunden, der mir so sehr aus dem Herzen spricht, dass ich es mir sparen kann, selber über das Blatt zu wettern: Gerhard Henschel über die Bildzeitung. Und wenn ihr euch näher dafür interessiert, was Bild so unter Recherche oder auch Personenschutz versteht, schaut doch mal beim BILDblog vorbei.

Tag für Tag für Tag | Wir alle?          Kommentare (0)          29. September 2006

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