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Verbiegungsalarm
Am Samstag war 5-Jahres-Feier von Freier Aktiver Schule und Aktivem Kindergarten, das war schön. Vor allem aber hatte ich einen äußerst tiefgreifenden Erleuchtungsmoment, wo mir mal wieder klar vor Augen stand, wieviel ich von Lara lernen kann – und wie schwierig es für mich teilweise ist, sie nicht zu verbiegen.
Lara hat seit ein paar Wochen einen richtigen Kindergartenfreund, den Silas. Der ist ungefähr ein Jahr älter als sie, sie hat ihn schon zweimal zuhause besucht, und überhaupt sind die beiden so süß, wie man sich das nur vorstellen kann. Sie ziehen sich gegenseitig auf Rollbrettern, erobern gemeinsam die Hochebene und sind einfach ein Herz und eine Seele. Meistens.
Nun spielten sie also am Samstag beim Fest zusammen auf und an der Hochebene, und Silas war sehr dagegen, dass ein fremdes Kind auch hochklettern wollte. Da war er dann auch recht deutlich und vehement. Lara ging irgendwann zum Kaufladen und spielte da, und Silas rief lang und anhaltend nach ihr, sie solle wieder raufkommen. Und was macht das verbogene, verzogene Muttertier? Ich ging zu ihr hin und sagte ihr, ob sie nicht wieder auf die Hochebene wolle, Silas würde nach ihr rufen. Keine Reaktion (was nicht ungewöhnlich ist). Als Silas fünf Minuten später immer noch rief und sie immer noch mit dem Kaufladen spielte, sprach ich sie nochmal an – da zog sie dann einen leichten Flunsch und sagte, mehr zu sich als zu mir, "ich mag jetzt aber nicht, ich will mit dem Kaufladen spielen".
Da ging mir ein ganzer Kronleuchter auf. Es ist einfach sowas von ihre Entscheidung, mit wem und mit was sie wann und wie spielen oder sonstwas machen will, und sie ist auch vollkommen in der Lage, diese Entscheidung selbst zu treffen. Mehr noch: sie kann das wesentlich besser als ich, denn Lara ist im Gegensatz zu mir noch frei von Vorstellungen, wie sie selbst zu sein hat und wie welche Sorte Beziehung auszusehen hat und was man tut und wie man sich benimmt und wie nicht. Für Lara zählt nur das, was ist, und auch nur das, was sie erfassen kann, also das, was für sie ist – außen wie innen.
Also, schreiben Sie hundertmal an die Tafel: Halt einfach mal die Klappe, und misch dich nicht ein. Lass dein Kind sein, wie es ist. Lass dich selbst sein, wie du bist. Lass den Rest der Welt sein, wie er ist. – Nicht zur Strafe, nur zur Übung!
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