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Zwang

Wie an so einigen Samstagen im Jahr war ich heute mit meinem Töchterlein und deren Oma (meiner Mutter) bei einem Kindersachenmarkt. Dieser war in der Waldorfschule hier, und da gibt's zum einen superleckeren Kuchen, zum anderen gefällt mir der Schulhof unheimlich gut. Ich meine, die Gebäude sind auch hässliche (obwohl angemalte) Betonklötze, aber sie stehen inmitten von vielen Bäumen und hübsch verteilten Kletterdingen und Steinen und anderen Dingen, die Kinder mögen (und ich), und ich mag die extra Ecken in den Türen und wie die Räume gestaltet sind und so. [Kopfnotiz: bei Gelegenheit demnächst Text zu Anthroposophie schreiben. Und zu Listen.] Jedenfalls, wir waren da und haben wir immer einiges gefunden, und dann sind wir gegangen, meine Mam in die eine Richtung und ich mit Lara in die andere. Das hat schonmal gedauert, weil sie erst noch den Dreck vom halben Schulhof mal ausprobieren musste, aber so eilig hatten wir's ja dann auch nicht. Bis zum Auto also, das an der Straße stand, mit einem Grünstreifen auf der anderen Seite. Ich also meinen Kram verstaut, aber als ich Lara dann in ihren Sitz setzen wollte, ging ein Geschrei los und Gezappel, dass ich dachte, okay, warten wir noch eine Minute...

Die Sonne hat richtig schön geschienen, ich habe meinen Pulli ausgezogen und Lara die Schuhe und Socken, wir haben ein bißchen im Gras gesessen und eigentlich hat mir das ganz gut gefallen. Einfach nur Sonne, Gras und Kind. Aber ich hatte noch nicht so viel gefrühstückt (weil verschlafen), und zuhause hätte die Sonne ja auch so schön geschienen und außerdem waren es nur knapp zehn Minuten zu fahren. Das weiß mein Kindelein nur eben nicht.

Ich hab also relativ schnell wieder versucht, sie einzupacken – keine Chance. Wenn sie nicht will, will sie nicht. Dann zappelt sie und schreit erbärmlichst, schaut mich mit soooolchen großen, traurigen Augen an und wehrt sich einfach mit Händen und Füßen. Da bräuchte ich entweder vier Arme oder genausoviel Skrupellosigkeit wie sie, meine ganze Kraft einzusetzen, und die, das ist der Punkt, die habe ich eben nicht. Denn ich denke mir: mit welcher Berechtigung zwinge ich sie dazu, das zu tun, was ich will? Wir sind beide zusammen unterwegs, ich will nach Hause und sie will noch bleiben und spielen, oder gucken, oder was auch immer. Warum, warum darf nur ich dann bestimmen, was gemacht wird? Einfach weil ich die Möglichkeit habe, sie zu zwingen, und sie nicht, kann da ja wohl nicht ausschlaggebend sein. Ich musste ja auch nicht dringend heim. Warum also sollte sie nicht ihren Willen haben?

Ich habe sie dann noch ein bisschen Milch trinken lassen und es danach nochmal probiert, aber da war nichts zu machen. Ich habe keine Uhr, aber insgesamt sind wir noch ziemlich lange auf diesem Fleckchen Gras mit Gehweg geblieben, haben so geguckt und Steinchen gesammelt, einen Käfer bestaunt und eine Fliege zerquetscht (ich war nicht schnell genug), und schließlich war's gut. Dann hat sie noch kurz gemosert, als ich sie in ihren Sitz gesetzt habe, und es herrschte Frieden. Das war, fand ich, ein schöner Abschluss, und ich werde in Zukunft versuchen, in meinen Zeitplänen immer ein bisschen Luft für Laras Wünsche zu lassen, wenn es geht.

Kinder | Arbeit, Zeit & Geld          Kommentare (0)          8. Oktober 2005

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