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Bill Bryson: Mother Tongue

TitelbildVorweg gesagt: an manchen Stellen finde ich, dass der Autor nicht so ganz lupenrein argumentiert oder recherchiert hat, oder kurz gesagt, manchmal bin ich sachlich etwas anderer Meinung. Das stört mich persönlich aber kein bisschen bei der Lektüre, dieses Buch ist wirklich genial. Ich habe endlos gelacht beim Lesen, ganz nebenbei sehr viel gelernt, und vor allem hat sich meine Perspektive an ein paar Engpässen wesentlich erweitert. Ich bin eigentlich nämlich ein "Korinthenkacker" (wie mich eine frühere Kollegin auch regelmäßig genannt hat), soll heißen ich kann grammatikalische oder orthographische Fehler entlarven, erklären und die passende Regel dazu nennen, und im Allgemeinen tue ich es auch. Ich heule laut auf, wenn ich Apostrophen-Katastrophen wie "bei Müller's unter'm Sofa" oder die so beliebte und nach allen gängigen Regeln, neue oder alte, schlicht falsche "Strasse" sehe, und große Teile der Rechtschreibreform, vor allem "behände" und "überschwänglich"... finde ich einfach gruselig. Dieses Buch hat mir da eine relativere, stressfreiere Perspektive ermöglicht – ich find's immer noch gruselig, und ich korrigiere immer noch liebend gerne, und ich rechne es Leuten immer noch hoch an, wenn sie in ihrer Kommasetzung etwas Hirn beweisen statt blind irgendwelchen Regeln zu folgen oder einfach irgendwie zu schreiben, ... aber es ist nicht mehr so weltbewegend. Es ist jetzt, hier, für mich wichtig. Aber das ist auch schon alles.

Entscheidend für diesen Wechsel waren so Anekdoten wie zum Beispiel die Geschichte des Wortes 'adventure'. Das stammt aus dem Lateinischen und ist somit schon ziemlich alt. Irgendwann wurde es nur noch 'aventure' ausgesprochen und logischerweise auch so geschrieben. Und dann kam eines Tages ein Haufen Linguistikprofessoren mit Lateinfimmel und beschloss, es müsse unbedingt mit d geschrieben werden, da es eben aus dem Lateinischen stamme. Da gab es dann heiße Diskussionen undsoweiter – kennt man ja –, die Schreibweise blieb, und irgendwann wurde dann eben das d auch wieder ausgesprochen. Spuk vorbei. :-)

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