Texte, Lieder und Gedichte

Tagebucheintrag

Wenn ich damals eines geführt hätte, wäre es jedenfalls einer gewesen. So sind es nur zwei lose Zettel. Möchte jemand raten, wie alt ich da war?

Zum ersten Mal, seit wir hier eingezogen sind, bin ich wirklich allein. Ich komme mir wie amputiert vor ohne meinen Computer. Es stört mich, dass es so ist. Ich spüre, dass die entstandene Lücke nicht Leere ist, sondern Platz. Als wäre man stundenlang in einem ungelüfteten, abgeschlossenen Raum gewesen und dann abends auf die Straße getreten. Hätte dann die kühle, helle Nachtluft eingesogen und auf einmal den Sternenhimmel gesehen. Und das Rauschen in den Bäumen gehört. Und diesen wehen Schmerz gespürt, der einen in solchen Momenten ergreift und die ganze Brust zerreißt und den Geist hochfliegen lässt bis in den Himmel – wo er aufschreit, nur die inneren Ohren berührend, und von einem nie verfehlenden Pfeil getroffen fällt, scheinbar in einen ewigen Abgrund. Entweder weine ich dann oder gehe abwaschen.

Ich schreibe so gerne. Auf einmal ist das wieder da, ich schreibe und es fällt mir problemlos alles ein, Formulierungen lassen sich suchen und finden, und ich betrachte meine Schrift und sie gefällt mir sehr. Bereitet mir ein fast sinnliches Vergnügen. Erfüllt mich. Mit Zufriedenheit. Freude.

M macht mir auch Freude, und auch Spaß. Spaß an der Freude, vielleicht. Sein Gesicht gefällt mir gut, seine Haut scheint zart und weich, und weiß wie die einer großen Lady. Nichtsdestotrotz kratzt er – als Katze darf er das. Ansonsten finde ich ihn nicht einmal so bemerkenswert, außer dass er noch hübsche Gesichtszüge hat. Eine feine, schlanke, spitze Nase. Im Dunkeln sieht er anders aus, soll heißen er wirkt anders – runder. Im Dunkeln hat er ein Mondgesicht.

Sein Blick kann mein ganzes Inneres auf den Kopf stellen, kann mich halb verbrennen lassen vor Gier, ihn fest zu packen und ganz an mich zu drücken, an jeder Stelle meines Körpers Druck zu spüren, fast bis es wehtut. Ein Paar Lippen, das genauso gierig nach meinen sucht. Das alles verspricht, verrät, verlangt sein Blick. Als wir gestern zu ihm fuhren, kribbelte mein Bauch von dem Moment an, da ich aus der Haustür trat und er davorstand, mich ansah und ein wenig grinste, und ohne mich zu berühren zum Auto ging. Er kann spielen. An den Ampeln, die unterwegs rot waren, kitzelten wir uns. Kurz vor ... standen wir vor der Ampel, sahen uns in die Augen, wanden uns einander in die Arme, und seine Lippen hingen so fest an meinem Hals, dass es fast – fast – ein Biss war. Katzenbiss. Ich liebe diesen Moment.

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