Texte, Lieder und Gedichte

Über das Komponieren

Hin und wieder kommt es vor, daß sich eine mit Erstaunen darüber äußert, wie "unglaublich leicht" ich Noten aufschreiben könne. Das ist Unsinn, denn Noten sind doch an und für sich nichts anderes als eine eigene Schriftform für die Sprache der Musik, und daher zu lernen wie andere Schriftformen auch, spricht man nur erst die Sprache.

Die Noten eines neuen Stückes aufzuschreiben, ist im Grunde vergleichbar mit der Niederschrift eines Theaterspiels. Man beginnt mit einem Wort, einem Satz, ebenso mit einem Takt oder einer Melodiephrase; man weiß nicht weiter, streicht aus und ersetzt, probiert und summt oder spricht vor sich hin. Ob nun drei Buchstaben oder drei Achtelnoten – was ist der Unterschied? Er liegt nur in der anderen Sprache.

Sind aber nun Töne und Worte auch nicht das Problem! Keine Schriftform der Welt nämlich kann den Zauber festhalten, der in den Worten liegt, den der Klang der Töne trägt. Kümmerliche Hilfsmittel sind Regieanweisungen, forte, andante und decrescendo! Kein Autor der Welt kann niederschreiben, mit wieviel Leidenschaft der Held in seines Schöpfers Geiste den Monolog deklariert, kein Komponist aufzeichnen, mit wieviel Gefühl die Geige ihr Adagio auf den Saiten seiner Seele streicht!

So muß jeder Künstler selbst empfinden, was ihm niemand sagen kann, und dessen ausdrucksfähig sein.

Von mir

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