Gedanken

Freiheitsberaubung

Ich muss ich was loswerden. Gerade habe ich Pele in die Kita gebracht, war mal wieder knapp dran und musste daher noch zum Morgenkreis bleiben. Ich hasse diesen Morgenkreis. Weil es eine Pflichtveranstaltung für alle ist, weil mir Singen und Klampfen auf Lagerfeuerniveau innere Zuckungen verursacht, und weil oft genug noch zwei Lieder drangehängt werden, obwohl die Aufmerksamkeitsspanne vom allergrößten Teil der Gruppe wirklich zu Ende ist. Ich persönlich empfinde sowas als unötige Quälerei. Die Kinder, sollte ich allerdings dazusagen, kommen damit zu weiten Teilen viel besser klar als ich.

Jedenfalls saß ich mit Pele im Morgenkreis, hab ein bisschen mitgesungen und ansonsten stillgehalten, mich also im Rahmen meiner Möglichkeiten eingebracht, da setzte eine Erzieherin (ich fürchte, so muss ich sie wirklich nennen) einen von den Kleinen, der sich was Anderes zu spielen gesucht hatte, in einen Hochstuhl, aus dem er nicht selber rauskonnte (wir saßen alle auf dem Boden). Mit einem Kommentar, dem klar zu entnehmen war, dass sie das beinahe jeden Morgen tut, weil seine Aufmerksamkeitsspanne beinahe jeden Morgen zu kurz für die Ansprüche der Kita ist. Aua.

Danach war's bei mir echt vorbei, ich hab mich selten energetisch so extrem aus einer Gruppe herausgenommen. Ich war und bin zutiefst schockiert! Ich meine, ich weiß ja, dass das eine "ganz normale" Kita ist, und auch, dass damit ein Welt-, Menschen- und insbesondere Kinderbild einhergeht, mit dem ich überhaupt nicht kann. (Ich hab auch schon gekündigt und bin heute froher darüber als je zuvor.) Aber die Selbstverständlichkeit so nah zu erleben, mit der ein Kind wesentlich in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird, einfach weil es keine Lust hat, Aufmerksamkeit in öde schnöde Singspiele zu stecken – das hat mich ehrlich entsetzt. Wenn ich wüsste, dass sowas mit Pele passiert, ich müsste sie sofort rausnehmen.

Was mir das Erlebnis außerdem schmerzhaft ins Bewusstsein gerufen hat: In unserer Gesellschaft darf man das. Es ist normal, die Freiheit eines Kindes per Laufstall oder Hochstuhl oder dergleichen massiv einzuschränken. In Altersheimen muss man immerhin strenge Auflagen erfüllen und sehr, sehr politisch, moralisch und sonstwie korrekt vorgehen, wenn man randalierende Senioren ans Bett schnallt. Aber: es ist ja nur ein Kind.

Finde ich auch schlimm: das Kind war dann ganz ruhig in dem Stuhl. Ich hoffe sehr und glaube, dass Pele bei sowas Zeter und Mordio schreien würde.

Und jetzt rufe ich die Kita an und bitte um einen kurzen Gesprächstermin mit der Erzieherin heute mittag.

Kinder | Körper, Geist & Seele | Wir alle?          Kommentare (0)          11. August 2010

ich bin nicht links

Linke Kreise. Was ist wohl ein linker Kreis? Ich fange damit nicht viel an. Und doch steckt mich da jemand hinein. Obwohl ich ganz genau weiß, dass ich da überhaupt nichts verloren habe.

Das ist schon eine Weile her, aber jetzt kann ich da was auf den Punkt bringen. Nämlich dass ich nicht "links" bin, nur weil ich aus irgendwessen Sicht "linke" Werte für richtig und wichtig halte oder "linke" Ansichten habe. Ich bin dann "links", wenn ich mich mit meiner eigenen Vorstellung von dem, was "links" ist, identifiziere.

So was hatte ich schonmal, vor Jahren, ich glaube im Religionsunterricht, nämlich die Frage, wer ein Christ ist. Irgendwer brachte die Idee auf, dass eigentlich alle Menschen, die "gut" sind, nächstenliebend, oder sonstwie "ein bisschen wie Jesus", Christen sind. Mal ganz abgesehen davon, dass ich sowieso Christin wäre: ne, echt nicht. Das reicht kein bisschen.

Wo kämen wir da hin? Wenn anderer Leute Ansichten, Maßstäbe und Vorstellungen ausschlaggebend dafür wären, oder auch nur sein könnten, welchen Gruppen und Kreisen ich mich zugehörig fühle? Ist doch Quatsch.

Um es ganz klar zu haben: ich bin nicht links. Wenn ich mich tatsächlich für irgendeine Richtung entscheiden müsste, würde ich oben nehmen.

(Siehe übrigens auch "ich bin kein Nerd".)

Körper, Geist & Seele | Wir alle?          Kommentare (0)          6. Juni 2010

Alles wird anders

Gerade hab ich ein Gedicht geschrieben, das war plötzlich einfach so in meinem Kopf (als ich überlegt habe, was ich bei einem Mikrofontest sagen würde anstelle von "eins, zwei, test, check check". Wobei ich natürlich als Allererstes "Hallo Welt!" sagen würde, geek chic that I am.).

Statt es jetzt aber hier zu posten, begnüge ich mich mit zwei Ankündigungen: nämlich dass ich es als Allererstes posten werde (1), wenn ich dieses Blog hier auf Serendipity umgestellt haben werde (2).

Erfreulicherweise habe ich zur Zeit allerdings so viel Netzhexenarbeit (zum Beispiel stelle ich die gerade auf Textpattern um), dass ich erst in etwa drei Wochen dazu kommen werde. Dann aber ziemlich sicher.

Ich freu mich schon.

Tag für Tag für Tag          Kommentare (0)          28. Mai 2010

eine Todesritterin namens Glitzerelfe

Lara hat Windpocken und ist auf eine ganz friedliche, liebe Art schlapp und müde, sonst aber guter Dinge. Aber eben nicht im Kindergarten. Ich habe mir gestern die Wrath of the Lich King-Erweiterung für WoW geholt und kann daher nun auch die Todesritterklasse spielen, die Lara bei S. gesehen hat und total cool findet.

Nun saßen wir also vorhin gemeinsam vor dem Rechner, und ich erstellte mir eine Todesritterin. Spielte ein bisschen, da gibt es am Anfang eine endlose Questkette zu bewältigen, und ich blicke die Klasse überhaupt nicht und beschloss irgendwann, erstmal eine Pause einzulegen. Lara wollte unbedingt auch. Lara, die zwar für ihre knapp sechs Jahre ganz erstaunliche Dinge fertigbringt mit ihren fünfunddreißig Blutelfinnen, die aber jammert, sobald irgendein "rotes" (also angriffslustiges) Viech auch nur vage in Sichtweite kommt und dann partout nicht weitergehen mag.

Aber gut, macht ja nichts wenn man stirbt. Ausprobieren kann man alles, und es hat auch noch genug Server mit Platz für ihre vielen Charaktere. Also machte sie sich (wie immer) eine hübsche Blutelfin namens Glitzerelfe... und fing an. Sie steuert mittlerweile mit einer etwas ungelenken, aber tauglichen Daumen-Zeigefinger-Kombination, hat es aber trotzdem und trotz ungewohntem Trackball gut geschafft, den hin- und herlaufenden Questgeber zu treffen. Und als ich sie daran erinnerte, dass sie all die Dinge tun müssen würde, die ich gerade gemacht hatte (und wenn man GAR keine Ahnung hat, sind die nicht einfach), sagte sie "Das Auge machst du für mich, ok? Aber die Angekettete bringe ich selber um." Äh, okay. Das schaffst du mal eher nicht, mein Kind, dachte ich mir, das war bei mir schon arschknapp. Aber hey, super wenn du's versuchst, sonst muss ich immer gleich ran, wenn's gefährlich werden könnte.

Was soll ich sagen? Sie hat die angekettete Blutelfe losgemacht, noch gefragt "wo muss ich denn jetzt drücken?" als sie schon angegriffen wurde, und hat anschließend ohne mit der Wimper zu zucken die Blutelfe niedergemacht UND dabei nicht einmal halb so viel Health verloren wie ich vorher. Häh??? Als ich genau das sagte, meinte sie nur lässig: "Tja Mama, ich hab einfach schneller die Knöpfe gedrückt als du." Das muss ich erst noch verdauen.

Jetzt bin ich gerade aus der Dusche gekommen, und die Süße hat ihre Spaghetti, die ich ihr in die Küche gestellt hatte, völlig vergessen, und sitzt auf dem Sofa und schläft.

Kinder | Körper, Geist & Seele          Kommentare (0)          9. April 2010

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